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Betriebsführung

Ein bisschen anders zum Erfolg

Der Betriebserfolg steht in direktem Zusammenhang mit den Stärken der Betriebsleitenden. Wer seine Fähigkeiten nicht kennt, sollte sich schleunigst auf Entdeckungsreise begeben. Manchmal reicht bereits ein wenig Abstand, um neue Möglichkeiten zu entdecken.

Inspiriert von der Technik aus vergangenen Zeiten: Wenn Stéphane Deytard mit seiner Steinmühle die Getreidekörner nach althergebrachter Tradition mahlt,...

Inspiriert von der Technik aus vergangenen Zeiten: Wenn Stéphane Deytard mit seiner Steinmühle die Getreidekörner nach althergebrachter Tradition mahlt, bleibt die aufgesprungene Schale im Mahlgut bestehen und hilft dabei, den harten Mehlkörper schonend zu öffnen.

(Bild: Stéphane Deytard)

Publiziert am

Das Land ist steil, die Böden sind zu schwer und die landwirtschaftliche Nutzfläche ist ohnehin zu knapp. Das mag alles sein. Doch die Erfahrung zeigt: Der Erfolg eines Betriebes steht zu mindestens 60 Prozent in direktem Zusammenhang mit den Fähigkeiten der Betriebsleitenden. Standort, Politik und Markt gehören zu den verbleibenden 40 Prozent.

Grund genug, sich selbst regelmässig infrage zu stellen und den Betrieb unter die Lupe zu nehmen. Der Spätherbst und der Winter eignen sich dafür hervorragend. Die betriebswirtschaftliche Beratung empfiehlt, einmal im Jahr die Betriebsabläufe und die Buchhaltung detailliert zu analysieren. Kurse oder ein Coaching können hierbei sehr wertvoll sein. Dabei lernen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch, die persönlichen Potenziale zu entdecken (siehe Box).

Besinnung durch Abstand und Ruhe

Oft verschaffen einem ganz einfache Mittel Raum und Zeit, um sich selbst und den eigenen Betrieb voranzubringen. So inspiriert einen beispielsweise die Natur pausenlos, wenn man bereit ist, genau hinzuschauen und hinzuhören. Eine längere Wanderung durch unbekannte Gebiete gibt viel Auskunft über die eigene Person. Vorteilhafterweise begibt man sich ganz alleine auf den Weg, da die Gefahr sonst gross ist, sich von Gesprächen mit Begleitpersonen vom Wesentlichen ablenken zu lassen.

Anders ist es, wenn der Betrieb in Form einer Gemeinschaft geführt wird. In diesem Fall ist es äusserst empfehlenswert, wenn sich die Beteiligten bewusst in eine neutrale, gut durchlüftete, nicht berufsbezogene Umgebung begeben und gemeinsam einen Rückblick vornehmen.

Andersdenken heisst weiterdenken

Die meisten tollen Erfindungen und Entdeckungen wurden aufgrund von Versäumnissen, aus Bedrängnis oder zu hoher Belastung gemacht. Man erinnere sich an eine Überlieferung, wonach sich die Produktion von Salatchicorée auf einen Zufall zurückführen lässt. Die Wurzeln galten lange als Kaffee-Ersatz, bis belgische Bauern 1870 sie aufgrund einer hohen Ernte im Gewächshaus einschlugen und über den Winter die weissen, kräftigen Knospen entdeckten.

Die weltweit überfischten Meere trieben den Jungunternehmer Juval Kürzi an. Jüngst kam sein Produkt «Rüebli Lachs» des 2020 gegründeten Start-ups Wild Foods GmbH auf den Markt. Simpler könnte das Ganze nicht sein: Karotten aus Schweizer Bio-Produktion, eine Räuchereinrichtung, Zwiebeln, Sonnenblumenöl und fertig ist die vegane Räucherlachs-Alternative. Wer hätte gedacht, dass ein solches Produkt die Gaumen der Gesellschaft erobern würde?

Mehl aus der Steinmühle

Es muss nicht immer ausgefallen sein. Ein bisschen anders reicht oft schon, um erfolgreich zu sein. Im waadtländischen Suchy sät der Landwirt Stéphane Deytard auf der Ferme du Petit Noyer verschiedene Getreidesorten in einer Mischung an. Die Ernte drischt er selber, bevor er das Getreide auf Bestellung der umliegenden Bäckereien und Pizzerien in der eigenen Anlage mahlt. Dabei werden die Körner nach althergebrachter Methode mittels Mühlsteinen aus Granit zu Mehl verarbeitet.

Schwarze Zahlen schrieb der Landwirt bereits nach einem Drittel der Zeit.

Deytard ging davon aus, dass er die Investition in 15 Jahren amortisiert hat. Doch die Bäcker und Pizzaioli griffen rege zu, als sie bemerkten, dass dieses Mehl aufgrund des schonenden Mahlprozesses eine äusserst hohe Qualität aufweist. Schwarze Zahlen schrieb der Landwirt bereits nach einem Drittel der Zeit.

Krisen zu seinen Gunsten nutzen

Veränderungen und Ereignisse gilt es, als Chance wahrzunehmen. Während der Lockdowns wurden beispielsweise die Direktvermarktungsläden gestürmt. Der Boom ist nun zwar vorbei. Jedoch hat sich gezeigt, dass sich die Bevölkerung in Notsituationen auf die Landwirtschaft abstützt und bereit ist, direkt bei den Produzierenden einzukaufen. Um in der Direktvermarktung effizient zu bleiben, sollte man sich als Verkaufsorganisation zusammenschliessen. Dafür reicht oft schon ein ansprechendes, zentrales Lokal wie ein altes «Sprützehüsli» im Dorf, eine verantwortliche Person sowie klare Öffnungszeiten.

Der Standort bestimmt die Form

Ein abgelegener Betrieb verlangt hingegen nach einer anderen Strategie. Wer den Onlinehandel alleine anpackt, erstellt eine ansprechende Website und vergisst dabei nicht, die Sucheinstellungen zu optimieren. Die wichtigsten fünf Schlagwörter gehören unbedingt auf die Startseite, da Google auf der sogenannten Landingpage sucht. Wer auf den sozialen Medien aktiv ist, verwendet mit Vorteil auch dort die fünf Schlagwörter.

Zusammenarbeit mit Dienstleistern

Nicht alle Betriebe können neben der landwirtschaftlichen Produktion den Verkauf und Vertrieb selber abwickeln. Die Post bietet beispielsweise einen Lieferservice an, der speziell auf die Landwirtschaft zugeschnitten ist. Auch gibt es branchenspezifische Komplettlösungen, die entweder eine regio nale Zusammenarbeit erleichtern oder den Verkauf und Vertrieb stark vereinfachen (siehe Dossier UFA-Revue). 

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