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Betriebsführung

Businessplan: Richtschnur für die nächsten Jahre legen

Wann braucht es einen Businessplan? Welches sind die grössten Stolpersteine bei der Erarbeitung? Welches die Tipps und Tricks? Experte Michael Scheidegger und Meisterlandwirt Marco Helbling berichten aus ihrem Erfahrungsschatz.

Businesspläne

Businesspläne sind in der Landwirtschaft noch nicht sehr weitverbreitet.

Publiziert am

Aktualisiert am

ehemalige Redaktorin UFA-Revue

Marco Helbling, Jahrgang 1991, hat beruflich ein klares Ziel: Den elterlichen Betrieb in den nächsten Jahren übernehmen. «Businessplan zur Optimierung des Landwirtschaftsbetriebs» titelte er denn auch seine Projektarbeit für den Meistertitel, die er diesen Frühling am Inforama Rütti in Zollikofen BE verteidigte und an der Tagung des Netzwerks Nutztiere Bern und Freiburg präsentierte. Der Businessplan ist einer von zwei Bestandteilen des Ausbildungsmoduls Strategische Unternehmensführung und geniesst in der Meisterausbildung einen hohen Stellenwert. Doch wann braucht ein Landwirtschaftsbetrieb einen Businessplan? Auf was ist bei der Erarbeitung besonders zu achten? Berater und Fachlehrer Michael Scheidegger vom Inforama Kanton Bern und Meisterlandwirt Marco Helbling wissen, wie es geht.

Sich mit der Zukunft auseinandersetzen

Businesspläne seien in der Landwirtschaft nicht sehr weit verbreitet, weiss Michael Scheidegger. Meistens gehe es auch ohne, sei dies bei der Hofübernahme oder einer Investition. Angezeigt sei er vor allem dort, wo unternehmerisch unbekanntes Terrain beschritten werde. Konkret heisst das, bei Projekten, bei denen sich die Betriebsleiterinnen und -leiter nicht auf sichere Abnahmeverträge und Musterkalkulationen verlassen können.

«Ein Businessplan ist in erster Linie eine umfassende Auseinandersetzung mit meiner unternehmerischen Zukunft», erklärt Scheidegger: Zentrale Fragen seien: Was will ich wie produzieren und vermarkten? Welches sind meine Kunden? Wo liegen die Herausforderungen? Wo die Risiken? Welche Fähigkeiten bringe ich bereits mit und welche muss ich neu erwerben? Und wie sieht die finanzielle Situation aus?

Betrieb gesamtheitlich optimieren

Produktion von Industriemilch, Viehzucht, Acker-, Futter- und Obstbau und eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 28 Hektaren in der Talzone. Für die Milchkühe der Rasse Holstein besteht ein Anbindestall; insgesamt zählt die Herde 42 Grossvieheinheiten – so lautet die Ausgangslage des Betriebs der Familie Helbling in Epsach im Berner Seeland. Marco Helbling hat zuerst Landmaschinenmechaniker gelernt. Zusammen mit der landwirtschaftlichen Meisterprüfung eine optimale Kombination, um einen Betrieb zu übernehmen.

Einen neuen Betriebszweig aufbauen oder die bestehenden optimieren? «Es hätte mich schon gereizt, einen Businessplan für etwas absolut Neues zu erstellen», erklärt Marco Helbling und erzählt von der Idee, Aprikosen im Tunnel anzubauen. Helbling dazu: «Wir sind aber schon sehr vielseitig und mit Milchwirtschaft, Zucht und Obstbau in intensiven Betriebszweigen tätig.» Deshalb entschied er sich, zuerst zu prüfen, wie der Betrieb insgesamt optimiert werden könnte. «Ausserdem hatte ich schon seit längerem Ideen, wie wir das erreichen.»

Inhalt und Aufmachung wichtig

«Ein Businessplan ist nur so gut, wie die Daten, die ihm zugrunde liegen», weiss Michael Scheidegger. Das fange bei der seriösen Analyse des Unternehmens und seines Umfelds an, gehe über die Marktforschung, über verlässliche Berechnungen bis hin zu Massnahmen- und Zeitplänen für die Umsetzung des Projektes.

Ein Businessplan sollte auf der ganzen Linie überzeugen, weiss Michael Scheidegger: «Er hat durch seinen Inhalt und das Erscheinungsbild eine positive oder negative Ausstrahlung.» Und: Ein Businessplan muss auch unbeteiligte Personen überzeugen. Deshalb mache es Sinn, ihn vor dem Einreichen von einer Drittperson gegenlesen zu lassen.

  • Prägnant, kurz und knackig, keine Wiederholungen. 
  • Inhalt und Sprache am Empfänger ausrichten. 
  • Überzeugen, die Absichten des Verfassers klar zum Ausdruckbringen, Widersprüche unbedingt vermeiden. 
  • Realistisch und ehrlich. 
  • Überlegungen zu Marketing und Umfeld des Unternehmens sowie dieAuseinandersetzung mit den (neuen) unternehmerischen Risiken sindzentrale Inhalte und dürfen nicht zu kurz kommen. 
  • Inhalte und Aufmachung müssen überzeugen. Gestaltung,Schreibstil, Rechtschreibung deshalb genügend Beachtungschenken.

«Fangt so früh wie möglich mit dem Businessplan an. Es braucht Zeit, sehr viel Zeit, bis alle Berechnungen stimmen», rät Marco Helbling zukünftigen Meisterlandwirtinnen und -landwirten aus Erfahrung.

Sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen

Einen eigenen Businessplan zu erarbeiten, beurteilt Marco Helbling für seine berufliche Zukunft als Landwirt als «sehr wichtig». Ins Zentrum stellte er dabei die Fragen, wohin er mit dem elterlichen Betrieb will. Optimierungspotenzial stellte er vorweg in der Milchviehhaltung fest. Sein Ziel lautete denn auch, die Arbeitsbelastung und Kosten in diesem Bereich zu senken. In seiner Projektarbeit schlug er als Massnahmen vor, die Milchviehfütterung weiter zu rationalisieren, die Grundfutterqualität zu erhöhen und das Kraftfutter selber herzustellen. Und konkret: Damit die Grassilage eine bessere Qualität und weniger Verluste aufweist, soll diese gehackt und in die bestehenden Hochsilos eingelagert werden. Für die Maissilage wird ein neues Hochsilo aufgestellt. Um die Arbeitsbelastung auf dem Betrieb zu senken, wird der Futtermischwagen durch einen stationären Mischer ersetzt. Die Futterration wird anschliessend mit einem Verteilwagen vorgelegt. Somit entfällt die anstrengende Handarbeit. Die Kraftfutterkosten werden durch die vermehrte Eigenproduktion diverser Komponenten um 50 Prozent gesenkt. Anstelle des Winterweizens bauen die Helblings Futterweizen, Gerste, Proteinerbsen und Lupinen an. Die Körner und Samen lagern sie selber; das Mischen und Mahlen des Kraftfutters erledigt ein Lohnunternehmer direkt auf dem Betrieb.

«Unser Betrieb wird so den zukünftigen Forderungen gerecht, die Futtermittelzukäufen zu reduzieren. Das verschafft uns einen Wettbewerbsvorteil», kommentiert Helbling.

Businessplan in der landwirtschaftlichen Bildung

Im Rahmen des Moduls «Strategische Unternehmensführung» der Meisterausbildung erarbeiten die Lernenden in einer Projektarbeit selbständig eine strategische Planung und einen Businessplan. Das Ziel besteht darin, für einen ausgewählten Betrieb mögliche Zukunftsvarianten zu berechnen.

Wegleitung über die Höhere Fachprüfung im Berufsfeld Landwirtschaft des Schweizer Bauernverbands (SBV) unter www.agri-job.ch.

Optimieren als Mehrkampf

Die Familie Helbling wird die meisten im Businessplan enthaltenen Massnahmen umsetzen, aber gestaffelt und zum Teil mit günstigeren Lösungen als in Marcos Projektarbeit vorgeschlagen. So befindet sich die diesjährige Grassilage bereits gehackt in einem gemieteten Occasionssilo, um Kosten zu sparen. Zurzeit bespricht die Familie die Anschaffung eines Verteilwagens für die Milchviehfütterung, wo momentan noch viel Handarbeit anfällt. Es ist noch offen, ob sie ein neues oder ein gebrauchtes Gerät kaufen, das Marco Helbling dann bedarfsgerecht umrüstet.

Betriebsoptimierung sei immer ein Mehrkampf. Aber es habe sich auf jeden Fall gelohnt, blickt er auf die Erarbeitung seines Businessplans zurück. Auch seine Eltern, die den Betrieb zurzeit noch leiten, hätten grosse Freude daran und ihn immer unterstützt. «Mein Vater freute sich vor allem darüber, dass meine Vorschläge nicht in eine total neue Richtung gehen», schmunzelt der junge Meisterlandwirt. 

Adalus – Netzwerk Nutztier

Das Agrar- und Veterinärnetzwerk Bern-Freiburg – kurz Netzwerk Nutztiere (bisher Adalus) genannt – verfolgt das Ziel, Wissen vernetzen, Partnerschaft ausbauen. Es basiert auf einer Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen folgenden Institutionen:

Vetsuisse-Fakultät Universität Bern, Agroscope, Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), Landwirtschaftliches Institut des Kantons Freiburg Grangeneuve (LIG), Inforama des Kantons Bern. Das Netzwerk führte am 7. November 2019 am Inforama Rütti in Zollikofen (BE) seine neunte Vortragsveranstaltung durch. Studierende und Doktorierende der beteiligten Institutionen stellten ihre Arbeiten vor.

www.adalus.ch 

Aufbau, Inhalt und Form eines Businessplans

1. Zusammenfassung Maximal 1 bis 2 Seite(n) 

  • Vorstellung des Projekts und des Zieles des Businessplans 
  • Betriebs- oder Projektleiter sowie Betrieb (Stärken und Schwächen) 
  • Umfeld, Ansprechgruppen und Märkte (Chancen und Gefahren) 
  • Kennzahlen, wichtige finanzielle Ergebnisse 
  • Warum diese Strategie zum Betrieb / zum Umfeld passt

2. Das Projekt 

  • Vorstellung des Projektes 
  • Ziele des Betriebs- oder Projektleiters 
  • Strategische Schwerpunkte / Vision 
  • Operative Ziele

3. Betriebs- oder Projektleitung 

  • Persönliche Werte und Interessen 
  • Ausbildung und Qualifikationen 
  • Verfügbare Unterstützung intern und extern 
  • Einbezug der Familie 
  • Ist-Zustand und Erwartungen bezüglich Lebensqualität

4. Betrieb / Unternehmen 

  • Bisherige betriebliche Entwicklung, Rechtsform 
  • Tätigkeiten, Betriebszweige, Produktion (Ist-Zustand) 
  • Partner 
  • Kennzahlen der letzten Jahre 
  • Wichtigste Stärken und Schwächen

5. Umfeld (Bezogen auf die künftige Ausrichtung des Betriebes) 

  • Lieferanten 
  • Weitere Ansprechgruppen 
  • Kooperationen, kommerzielle Organisationen, Branchenorganisationen 
  • Verkehrslage, Möglichkeiten für Nebenerwerb 
  • Internationale, politische, wirtschaftliche, ökologische Tendenzen 
  • Aktuelle Gesellschaftsentwicklung, Konsumentenverhalten 
  • Technischer und biologischer Fortschritt

6. Märkte und Ansprechgruppen, Marketing (Projekt bezogen) 

  • Märkte, Zielpublikum, Kunden 
  • Erfolgsfaktoren 
  • Konkurrenz 
  • Differenzierung der eigenen Produkte und Dienstleistungen 
  • Vertrieb, Verkauf, Preispolitik 
  • Absatzförderung, Kommunikation

7. Finanzen 

  • Investitions- und Finanzierungsplan 
  • Plan-Erfolgsrechnung mit wichtigen Ergebnissen und Kennzahlen 
  • Beurteilung der Finanzierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Tragbarkeit

8. Produktionstechnische Umsetzung 

  • Auswirkungen auf die produktionstechnische Planung, Produktionsarten 
  • Verfügbare Einrichtungen, Lagerkapazitäten, Produktionsmitteln 
  • Lieferanten, Geschäftsbedingungen, Qualität

9. Organisation und Arbeitskräfte 

  • Besondere notwendige projektbezogene Qualifikationen 
  • Organisation / Management: – Arbeitskraftbilanz – Umgang mit Arbeitsspitzen – Verteilung Zuständigkeiten bei Mitarbeitenden 
  • Personalmanagement: Planung, Art der Rekrutierung, Lohnpolitik, Ersatzstrategien bei Abwesenheiten (des Betriebsleiters, von Mitarbeitenden)

10. Rechtliche Aspekte 

  • Wahrung der Gesetzgebung 
  • Besondere Einschränkungen

11. Risiken 

  • Risikoanalyse und Strategie zur Risikoverringerung 
  • Strategie zur Risikoverringerung

12. Umsetzungsplan und Controlling 

  • Zeit- und Massnahmenplan mit Projekt etappen und Meilensteinen 
  • Controlling, ob Ziele erreicht und Massnahmen, wenn Ziele nicht erreicht werden

13. Darstellung, Aufbau, Form 

  • Orthographie, Sprache / Verständlichkeit 
  • Gliederung und Layout 
  • Verarbeitung der Unterlagen 
  • Sorgfalt und Engagement 
  • Überzeugungskraft und Originalität 
  • Nachweis der Zahlenherkunft

Quelle: SBV, QS-Kommission Berufs- und Meisterprüfung, Beurteilungsprotokoll SP-MP: Teil B «Businessplan», 2019 / cwch

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