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Betriebsführung

Ein Betrieb, zwei Geschäfte

Auf den ersten Blick ist der Hof in Ramsen (SH) ein ganz normaler Landwirtschafts- und Lohnbetrieb. Doch das Ehepaar Brütsch wirtschaftet nicht wie andernorts in die gleiche Kasse. Hofladen und Landwirtschaft führen sie als getrennte, eigenständige Geschäfte.

Wenn Hansjörg Brütsch schraubt oder drescht, backt Ehefrau Barbara Brot für ihren eigenen Hofladen oder arbeitet ausserhalb des Betriebs. Auf diese Weis...

Wenn Hansjörg Brütsch schraubt oder drescht, backt Ehefrau Barbara Brot für ihren eigenen Hofladen oder arbeitet ausserhalb des Betriebs. Auf diese Weise verdienen beide ihr eigenes Geld, obwohl sie auf dem Hof eng zusammenarbeiten.

(Bild: Stefan Gantenbein)

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Fachverantwortliche Betriebsführung und Kooperation, Agriexpert

Im Schaffhauser Bibertal, in Ramsen, geprägt von der Landwirtschaft und umgeben von der Grenze zu Deutschland, lebt die Familie Brütsch. Seit vielen Generationen bewirtschaften Brütschs hier einen Landwirtschafts- und Lohnbetrieb. Auf dem zweiten Bildungsweg schloss Hansjörg Brütsch als Meisterlandwirt ab und entschied sich, in die Fussstapfen des Vaters und des Grossvaters zu treten. Davor war er lange Zeit als stellvertretender Werkstattleiter einer Landmaschinenwerkstatt tätig. Für die betriebliche und strategische Ausrichtung und für die Weiterentwicklung des elterlichen Betriebs war der Entscheid von Hansjörg massgebend. Sofort plante man, den Betrieb ab 2016 in einer Generationengemeinschaft (GG) zu führen und mit dem Bau eines Geflügelmaststalles zu erweitern.

Lebensqualität dank Auszeit

Diese Bewirtschaftungsform als Vorstufe der späteren Hofübergabe ermöglichte es den beiden Hauptverantwortlichen Werner (63) und Hansjörg (39), sowohl die Verantwortung als auch das Risiko und den Gewinn untereinander aufzuteilen.

«Es ist wirklich wichtig, sich auch Auszeiten mit der Familie und mit Freunden zu gönnen.»

Hansjörg Brütsch, Landwirt

Ebenfalls liessen sich Wochenendablösungen einfach organisieren. «Es ist wirklich wichtig, sich auch Auszeiten mit der Familie und Freunden zu gönnen, auch wenn mal eine Arbeit liegen gelassen werden muss», sagt Hansjörg, der seit Herbst 2021 mit Barbara (34) verheiratet ist. Die Familienzeit ausserhalb des Hofes hat seit der Geburt von Tochter Amelie im Februar 2022 für die beiden an Bedeutung gewonnen: «Die Auszeiten geben einem so viel, dass man daraus viel Lebensfreude und Energie schöpfen kann», freut sich Barbara Brütsch.

Seit der Hofübernahme im Jahr 2021 liegt die Verantwortung bei Hansjörg. Die Eltern sind angestellt und unterstützen die junge Betriebsleiterfamilie tatkräftig. Zum Betrieb gehört eine Pouletmast und Ackerbau. Dazu werden auch Legehennen und Ziegen gehalten. Auf den rund 20 Hektaren Betriebsfläche baut Hansjörg Brütsch Zuckerrüben, Futtergetreide sowie Brotweizen an und betreibt Futterbau. Ein weiteres Standbein sind Lohnarbeiten. Vor genau 70 Jahren hat Familie Brütsch dafür den ersten selbstfahrenden Mähdrescher erworben. Hansjörg führt diese Tradition mit Leib und Seele weiter. Von der Bodenbearbeitung bis hin zur Ernte bietet er alles an. In der hofeigenen Werkstatt erledigt der gelernte Landmaschinenmechaniker zudem sämtliche Unterhalts- und Reparaturarbeiten.

Berater spricht Klartext

Die Knacknuss bei der Hofübergabe war die Wohnsituation und die finanzielle Absicherung aller Beteiligten. Gemeinsam mit einem Berater konnte eine Entscheidungsbasis geschaffen werden, um anschliessend auf die Familie abgestimmte Lösungen zu definieren.

«Es ist wichtig, eine beratende Person beizuziehen, die offen kommuniziert.»

Hansjörg Brütsch, Landwirt

Berufskollegen, denen die Hofübergabe bevorsteht, empfehlen Brütschs: «Es ist wichtig, eine beratende Person beizuziehen, welche offen kommuniziert. So können gemeinsam Lösungen erarbeitet werden.» Denn auch nach der Hofübergabe sei eine gute Gesprächskultur eine wichtige Basis für das erfolgreiche Zusammenarbeiten und Zusammenleben auf dem Hof, so Hansjörg Brütsch. Auf diese Weise konnten schliesslich auch für die Wohnsituation gute Lösungen gefunden werden.

Trotz Heirat keine Selbstaufgabe

Bereits vor der Hofübernahme stiess Hansjörgs Ehefrau Barbara zum Familienbetrieb. Die gelernte Bäckerin-Konditorin wuchs auf einem Landwirtschaftsbetrieb im Zürcher Oberland auf und arbeitete damals hauptsächlich ausserhalb.

«Ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen, um unabhängig zu bleiben»

Barbara Brütsch, Bäuerin

«Ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen, um finanziell und auch in der Gestaltung meines Arbeitsalltages unabhängig zu bleiben», so Barbara Brütsch. Nebst der Anstellung in einer Käserei hegte Barbara stets den Herzenswunsch, einen Hofladen zu betreiben. Im Jahr 2018 erfüllte sie sich diesen Wunsch. Anders als das bei vielen Höfen üblich ist, haben Brütschs die Direktvermarktung komplett vom übrigen Landwirtschaftsbetrieb getrennt. Das bedeutet, dass Barbara den Hofladen als Selbstständigerwerbende auf eigene Rechnung führt. Dem Betriebsleiterpaar war dies ein wichtiges Anliegen. Jeder Ehepartner soll seinen Aufgabenbereich haben und für diesen auch entsprechend entschädigt werden. Damit sind auch beide finanziell und versicherungstechnisch abgesichert.

Eigenständig miteinander

An diesem Prinzip änderte später weder die Hofübergabe noch die Heirat etwas. «Die Hofübergabe sei immer Sache von Hansjörg und den Schwiegereltern gewesen», meint Barbara Brütsch. Das ist das Geschäft meines Mannes, und darum soll er da seine Entschiede selbst fällen. Natürlich wissen sie voneinander, was beim anderen läuft, und unterstützen sich gegenseitig. So packt Hansjörg bei der Brotproduktion und samstags im Hofladen an. Im Gegenzug übernimmt Barbara einige administrative Arbeiten des Landwirtschaftsbetriebes. Auf diese Weise haben sich die beiden Ehepartner eine Möglichkeit geschaffen, dass jeder sein Geschäft auf eigene Rechnung führen kann, auch wenn sie sich gegenseitig aushelfen. 

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