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Betriebsführung

«Bitte nicht berühren» war gestern

Einen bleibenden Eindruck hinterlassen diejenigen Erfahrungen, die alle Sinne angesprochen haben. Genau da liegt die Chance eines Bauernhofs. In Zeiten von Unsicherheit, Isolation und Online-Meetings bietet die Landwirtschaft ursprüngliche Erlebnisse. Wer Leute auf dem eigenen Betrieb willkommen heisst, rückt die ganze Branche in ein positives Licht.

Kinder sind die Meinungsmacher der Zukunft. Ihre Erlebnisse mit dem Projekt Schule auf dem Bauernhof (SchuB), werden ihnen bis ins Erwachsenenalter in E...

Kinder sind die Meinungsmacher der Zukunft. Ihre Erlebnisse mit dem Projekt Schule auf dem Bauernhof (SchuB), werden ihnen bis ins Erwachsenenalter in Erinnerung bleiben.

(Bild: Claudia Frick)

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freie Journalistin

Von den Informationen, die wir täglich aufnehmen, behalten wir zehn Prozent Gelesenes, 50 Prozent Gehörtes und Gesehenes und 90 Prozent von dem, was wir selbst getan und erlebt haben. Im letzten Beitrag unserer Serie «Kommunizieren, aber richtig» blicken wir zurück und bringen die besten Expertentipps nochmal aufs Papier. Gleichzeitig blicken wir nach vorn, in eine Zukunft, wo eines sicher ist: Persönliche Erlebnisse auf einem Bauernhof lassen niemanden kalt.

Kurt Schmid, Kommunikationsexperte mit langjähriger Erfahrung in der Werbebranche, sieht in der Kommunikation von Landwirtschaft grosses Potenzial: «Essen ist ein emotionales Thema, entsprechend interessieren sich viele Konsumentinnen und Konsumenten für die Herstellungsweise der Lebensmittel», erklärt er. Die meisten Leute hörten demnach gerne zu, wenn Mitglieder einer Bauernfamilie authentisch über ihren Alltag berichten.

Mit aktivem Zuhören den Dialog fördern

Damit man gut erzählen kann, muss man zuerst gut zuhören können. Diese Fähigkeit beschreibt Judith Pfefferli als sehr wichtig in ihrer täglichen Arbeit.

Seit mehr als fünfzehn Jahren empfängt die Spielgruppenleiterin und Werklehrerin auf ihrem Hof Kinder und kommt dabei auch mit deren Eltern in Kontakt: «Wenn ich einer Mutter zuhöre, weshalb sie in Deutschland einkaufen geht, kann ich ihr auch besser aufzeigen, welches die Gründe für den höheren Verkaufspreis von Schweizer Gemüse oder Fleisch sind. Das Zuhören ist die Grundlage für einen offenen Dialog», ist Judith Pfefferli überzeugt.

Maja Mogwitz, Bauerntochter, Agronomin und Jungunternehmerin, weiss, dass ein Gespräch Überwindung und Energie kosten kann. Sie findet es wichtig zu akzeptieren, dass man das Gegenüber nicht beeinflussen kann.

Darum rät sie, bei sich selbst zu beginnen und offen zu bleiben für den Dialog. Bei schwierigen Gesprächen empfiehlt Landwirt Willi, der mit seinem Internetblog über Deutschland hinaus bekannt wurde, den Ball ans Gegenüber zurückzuspielen; beispielsweise nachzufragen, wie man als Landwirt bei dem tiefen Milchpreis seinen Kühen überhaupt einen komfortableren Stall bauen soll.

Die Geschichte hinter dem Produkt zeigen

Um die Wünsche ihrer Kunden genau zu kennen, bedient Heidi Burren von Burren’s Burehofmärit am Berner Stadtrand ihre Kunden am liebsten selbst. «Kundinnen und Kunden müssen einen Zusatznutzen haben, wenn sie im Hofladen einkaufen. Deshalb setzen wir alles daran, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Wenn ihre Erwartungen übertroffen werden, kommen sie garantiert wieder», erklärt Burren.

Viele Betreiber von Hofläden blicken auf ein besonders erfolgreiches Jahr zurück. Der direkte Kontakt war gefragt in diesem aussergewöhnlichen Jahr, das von schlechten Nachrichten und Corona-Verunsicherung geprägt war. Es scheint, als ob sich ein Gegentrend zum Online-Einkauf breitmacht und die Leute es schätzen, wenn sie das Gesicht hinter dem Produkt kennen.

Willkommen auf dem Hof

Aber auch Landwirtinnen und Landwirte, die keinen Hofladen betreuen, konnten sich dieses Jahr über Besuch auf ihrem Hof freuen. Schulen waren zeitweise geschlossen, Familien suchten nach Freizeitaktivitäten und machten beim Bauern im Dorf einen Besuch. Die Sommerferien wurden in der Schweiz verbracht und das schöne Wetter lud zum Sportmachen draussen ein.

Fünf Tipps, wie die Leute auf den Hof kommen

  • Plakate am Strassenrand anbringen und die Passanten auffordern, auf dem Hof vorbeizuschauen.
  • Ein Picknick-Tisch oder ein Streichelzoo laden zum Verweilen ein. Vielleicht sogar eine Sirup-Station oder ein paar selbstgemachte Kuchen?
  • Sich Gedanken machen, was den eigenen Hof speziell macht und rund um dieses Thema einen Event planen, wohin Leute aus dem Dorf kommen können.
  • Familien sind oft froh um ein Ausflugsziel am Wochenende, bei ihnen kommen Initiativen wie Stallvisite oder Events wie «Tag der offenen Hoftüren» gut an.
  • Sich Zeit nehmen, wenn interessierte Leute auf dem Hof sind. Für viele von ihnen ist die Landwirtschaft fremd und sie haben Freude an kleinen Erlebnissen, wie wenn sie beim Reintreiben der Kühe helfen können.

Wenn bei einem Bauernhof ein schöner Picknickplatz zum Verweilen einlädt oder der Streichelzoo mit Tieren lockt, verbringen Leute gerne Zeit auf dem Betrieb und kommen vielleicht sogar mit Landwirtinnen und Landwirten ins Gespräch. Höfe, die sich für die Stallvisite anmelden, werden auf einer Liste im Internet aufgeführt und den interessierten Familien vorgeschlagen. Sie können selbst bestimmen, zu welchen Zeiten der Hof für Besuche offensteht.

Individuell auf die Bedürfnisse eingehen

Für einzelne Events lohnt es sich zu überlegen, was den eigenen Hof speziell macht und dann einen Event zu organisieren wie beispielsweise «Chriesi-Pflücket», «Rüebli-Graben» oder ein «Mostfest», bei dem die Kinder mit einer Handpresse frischen Saft pressen und danach degustieren können. Wem es zu viel Aufwand bedeutet, einen solchen Anlass von A bis Z selbst zu planen, für den sind national organisierte Anlässe das Richtige. Bei Events wie «Tag der offenen Hoftüren» oder dem «1. August-Brunch» wird national Werbung gemacht und die Bauernfamilien erhalten Unterstützung in der Planung und Kommunikation ihres Events.

Der direkte Kontakt bringt viele Vorteile: wenn eine Kundin Fragen hat, kann der Landwirt seine Erfahrungen teilen und Missverständnisse aus dem Weg räumen. Bei einem Hofladen schätzen die Kunden es, wenn jemand von der Bauernfamilie präsent ist und man sie beispielsweise nach der Zubereitungsart von einem speziellen Gemüse fragen kann. So ergeben sich Kundenbindung und ein positives Image nicht nur für den eigenen Hof, sondern für die ganze Branche. 

Kommunizieren, aber richtig

Der Landwirtschaftliche Informa tions dienst (LID) zeigt 2020 mit der Serie «Kommunizieren, aber richtig» in jeder Ausgabe der UFA-Revue, wie Landwirtinnen und Landwirte mit der richtigen Kommunikation die Landwirtschaft an die Öffentlichkeit tragen können. Hilfreiche Tipps finden Sie im Praxishandbuch «Kommunikation für den Hof» auf www.lid.ch.

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