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Betriebsführung

Diversifizierung bietet Potenzial

Viele Betriebe diversifizieren und nehmen landwirtschaftsnahe Tätigkeiten auf. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und dementsprechend unterschiedliches Potenzial – aber auch individuelle Schwierigkeiten.

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Aktualisiert am

Leiterin Kommunikation, mooh Genossenschaft

Das Führen eines Vollerwerbbetriebs ist der Traum vieler Betriebsleiter – je nach Betriebsstruktur kann es aber schwierig sein, über die Runden zu kommen. Hinzu kommt, dass es meist kaum möglich ist, den eigenen Betrieb zu vergrössern und so mehr Einkommen zu erzielen. «Die sinkenden Preise für landwirtschaftliche Produkte, sowie die Unsicherheit aufgrund laufender politischer Veränderungen sind Gründe für einen Einstieg in die Paralandwirtschaft», erklärt Véronique Keller, Beraterin am Strickhof.

Zahlreiche Möglichkeiten

Tipp

Leidenschaft muss da sein

«Wer in die Direktvermarktung einsteigt, soll Freude am unternehmerischen Denken und Handeln haben, wie auch an der Kundennähe. Zu Beginn muss man sich über die Ziele und Erwartungen klar sein.»

Véronique Keller, Strickhof

Die Paralandwirtschaft umschreibt landwirtschaftsnahe Tätigkeiten, für dessen Angebot ein landwirtschaftlicher Betrieb benötigt wird. Der Begriff Paralandwirtschaft existiert im Gesetz so nicht – in der Raumplanungsverordnung aber werden Ausnahmen für die Zonenkonformität in der Landwirtschaftszone umschrieben. In Art. 40 RPV werden Tätigkeiten wie Agrotourismus oder sozialtherapeutische und pädagogische Angebote umschrieben.

Für Véronique Keller vom Strickhof sind es wirtschaftliche Tätigkeiten mit engem Bezug zur landwirtschaftlichen Produktion, woraus Dienstleistungen wie Lohnarbeiten, Biogasanlagen, Agrotourismus oder Direktvermarktung entstehen.

Wer sich entscheidet, eine landwirtschaftsnahe Tätigkeit aufzunehmen, kann dies aus verschiedenen Gründen tun. Meist geschieht die Aufnahme eines neuen Betriebszweiges aus wirtschaftlichen Gründen – manchmal aber auch aus Leidenschaft und teils besteht schlicht und einfach eine gute Idee. «Es ist immens wichtig, dass die neue Tätigkeit gerne ausgeführt wird», gibt Keller mit auf den Weg. Die fünf folgenden Betriebe sind erfolgreich in die Paralandwirtschaft eingesteigen.

Betriebsspiegel 1 – Betrieb Bucheli – Schlafen im Stroh, Lohnarbeiten und saisonale Direktvermarktung 

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Bruno und Cornelia Bucheli in der Scheune, wo sie Schlafen im Stroh anbieten.

(Gabriela Küng)

«Als wir 2002 den Betrieb gepachtet hatten, wollten wir vom Betrieb leben können», erzählt Cornelia Bucheli. Die gelernte Bäuerin begann den Betriebszweig «Schlafen im Stroh» auszubauen. Bereits die Eltern von Bruno Bucheli hatten schon im kleinen Stil damit angefangen. «Unser Betrieb liegt zentral in einem touristischen Gebiet und der Jakobsweg führt direkt an unserem Hof vorbei – das mussten wir nutzen», erklärt die 47-Jährige.

Ebenfalls wollte das Betriebsleiterehepaar nicht auswärts arbeiten. «Unser Hof ist unsere Existenzgrundlage. So mussten wir einen weiteren Betriebszweig aufnehmen», erzählt Bruno Bucheli.

Betriebsspiegel

Ingenbohl-Brunnen (SZ)

Fläche und Kulturen: 23 ha LN mit Silomais (2 ha), Kartoffeln (40 a), Kunst- und Naturwiesen

Tiere: 30 Milchkühe (RAUS und BTS)

Betriebszweige: Milchwirtschaft, Agrotourismus (Schlafen im Stroh), Lohnarbeiten im Ackerbau, saisonale Direktvermarktung von Kartoffeln, Obst und Süssmost

Arbeitskräfte: Bruno und Cornelia Bucheli (beide Vollzeit) und zwei Lernende

Qualität im Mittelpunkt

Neben den 30 Milchkühen, dessen Milch zum einen direkt vermarktet und zum anderen an Mooh geliefert wird, bewirtschaften die Buchelis 23 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Zwei Hektaren werden für die eigene Silomaisproduktion genutzt und auf 40 Aren werden Kartoffeln angebaut. Diese werden während der Saison im Hofladen angeboten und in den Läden der LANDI Schwyz verkauft. Einer der Gründe für den Start der Direktvermarktung war für Familie Bucheli, dass so das Image der Schweizer Landwirtschaft gestärkt werden könne. «Das Wichtigste bei der Direktvermarktung ist die Quailtät», erklärt Cornelia Bucheli, «denn ohne Top-Qualität gibt es keinen Verkauf». Hierbei macht sich das Betriebsleiterehepaar Sorgen aufgrund der zwei ausstehenden Initiativen. «Wie wir diese Qualität, die der Konsument fordert, ohne Pflanzenschutzmittel erreichen sollen, ist uns ein Rätsel», erläutert die Bäuerin.

Lohnarbeiten

Ein weiterer Grund, warum die Familie überhaupt mit dem Kartoffelanbau angefangen hatte, war Bruno Buchelis Leidenschaft für sie. «Ich wollte zeigen, dass das auch hier mit unseren Böden klappt. Zusätzlich ist unser Betrieb damit interessanter für unsere Lernenden», so der Meisterlandwirt. Als Bruno Buchelis Vater 1981 auf den Betrieb kam, gab es kaum Ackerbau im Tal. Die Familie Bucheli startete damit und legte sich die benötigten Maschinen zu, womit auch mit Lohnarbeiten begonnen wurde. Heute spritzt der 48-Jährige fast alle Maisfelder im Tal. «Gerade für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist eine gute Ausbildung nötig», erklärt er.

Tipp

Schnelle Kommunikation

«Man muss dazu bereit sein, jederzeit erreichbar zu sein. Es gibt viele Gäste, die heute spontan über das Internet buchen und am Abend bereits da sind – wenn man hier nicht sofort antwortet, hat man den Gast verloren.»

Cornelia Bucheli

Perfektes Zusammenspiel

Die verschiedenen Betriebszweige seien wunderbar miteinander vereinbar, erklärt das Paar. «Gerade Schlafen im Stroh und Milchkühe passen gut – wir müssen sowieso hier sein und das kann man perfekt verbinden», erklärt Cornelia Bucheli. Sie bietet ebenfalls Frühstück und, auf Bestellung, auch Abendessen an. Hier können sie ihre eigenen Produkte verwenden, was bei den Gästen sehr gut ankomme. Werbung hingegen machen die Buchelis kaum: «Es ist wichtig, dass man im Internet gut vertreten ist, drei Viertel der Buchungen werden online getätigt», erzählt die Bäuerin. Heute laufe das Geschäft gut, die Anzahl Übernachtungen sei seit Beginn stetig gestiegen. Für die Bäuerin sind folgende Punkte für ein erfolgreiches Angebot extrem wichtig: Unterstützung der gesamten Familie, saubere sanitäre Anlagen, die Qualität und Kommunikation, sowie die Leidenschaft, Gastgeber zu sein. Für die Familie sind Gäste auf alle Fälle immer wieder ein Highlight: «Es ist sehr interessant: Wir lernen Personen aus allen Ecken der Welt kennen», erzählt Cornelia Bucheli freudig.

Betriebsspiegel 2 – Betrieb Krucker – Direktvermarktung mit Lieferung per Post und Hofladen

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Martin und Petra Krucker beim Verpacken der Gemüsetaschen.

(Gabriela Küng)

Martin Krucker absolvierte seine Lehre auf dem Auhof in Wagen (SG). 2010 konnte er den Betrieb pachten. Anfänglich beschäftigte er noch die Vorgängergeneration. Dies war auf dem 14 Hektaren grossen Betrieb nur mit Gemüseanbau möglich. «Den Läden, die wir bereits mit Erdbeeren belieferten, boten wir unser Gemüsesortiment an und bauten so diesen Betriebszweig aus», erzählt Martin Krucker. Ein Jahr später, 2011, startete die Familie Krucker ein Projekt mit dem Trägerverein Culinarium, in Rapperswil (SG) die Gemüsetasche zu lancieren: Es wird eine Papiertüte mit hauptsächlich selbst angebautem Gemüse gefüllt und an Verteilpunkte geliefert, wo sie die Konsumenten abholen können. 2011 starteten Kruckers mit 30 Taschen. Die ersten zwei Jahre wurde das Projekt gemeinsam mit Culinarium ausgeführt und der Trägerverein half dem Betrieb unter anderem mit Werbung. Nach zwei Jahren sei das Projekt selbsttragend gewesen, erklärt Martin Krucker.

Betriebsspiegel

Wagen (SG)

Fläche und Kulturen: 14 ha LN mit Gemüse, Beeren, Futter- und Ackerbau

Tiere: 85 Kälber (Lohnmast konventionell), 450 Legehennen

Betriebszweige: Gemüse- und Beerenanbau, Futterbau, Kälbermast, Legehennen, Ackerbau, Direktvermarktung und Blumenanbau (zum selber Pflücken)

Arbeitskräfte: Martin und Petra Krucker (beide Vollzeit), 140 Stellenprozent im Hofladen, ein ganzjähriger Mitarbeiter für die Landwirtschaft, Saisonarbeitskräfte zu Spitzenzeiten

Service ausgebaut

Heute, sieben Jahre nach der Lancierung, gibt es zusätzliche Funktionen bei der Gemüsetasche: Mag jemand beispielsweise Rosenkohl nicht, kann er online das Produkt entfernen und gegen ein für ihn schmackhaftes Produkt austauschen. So eine «gewechselte» Tasche ergibt für den Betrieb einen Mehraufwand, was dem Kunden mit zwei Franken belastet wird, zudem können ausgetauschte Produkte Mehr- oder Minderkosten bewirken.

Die Tasche wird einmal in der Woche geliefert – ausser man ist in den Ferien, dann kann sie abbestellt werden. Seit drei Jahren gibt es zusätzlich die Möglichkeit, das Gemüse per Briefpöstler für fünf Franken nach Hause liefern zu lassen.

Tipp

Post als Alternative zum Hofladen

«In ländlichen Gegenden und ohne Hofladen ist die Direkvermarktung über die Post sicher eine gute Alternative. Man bringt die eigenen Produkte ohne Zwischenhändler zum Konsumenten.»

Martin Krucker

Zusammenarbeit mit der Post

«Die Lieferung mit der Post war eine Ski-Lift-Idee», sagt Martin Krucker schmunzelnd, «unsere Marketing-Verantwortliche sass mit einem befreundeten Pöstler auf dem Ski-Lift, als die Idee geboren wurde». Kurz darauf begann die Zusammenarbeit. Heute beliefert Krucker drei Poststellen zusätzlich zu den 16 Abholpunkten. Wenn sie eine neue Poststelle beliefern möchten, unterstützt die Post bei der Werbung: Im Gebiet werden die Flyer dann gratis in die Briefkästen geworfen. «Unsere Bekanntheit hilft uns sehr – aber ich glaube, auch für Neueinsteiger kann dieses Modell sehr interessant sein», erklärt Martin Krucker, «Gerade, wenn kein Hofladen oder Markt vorhanden ist, ist die Post allein sicherlich eine tolle Lösung».

Hofladen und Detailhandel

Das Sortiment des Betriebs ist sehr gross und in den Gemüsetaschen werden so viele eigene Produkte wie nur möglich verkauft. «Selbstverständlich gibt es auch zugekaufte Produkte. Diese versuchen wir aber so gering wie möglich zu halten», erklärt Krucker. Da aber auf seinem Betrieb keine Wurzelgemüse wegen den schweren Böden wachsen würden, müssen sie beispielsweise Karotten zukaufen. Beim eigenen Gemüse gibt es weitere Absatzkanäle wie den eigenen Hofladen, Märkte oder auch den Detailhandel in der Umgebung, wo insgesamt 15 Läden in der Nähe beliefert werden. «Dank dem Detailhandel können wir die Anbauflächen etwas erhöhen, damit wir pro Produkt eine gewisse Mindestfläche erreichen können», erläutert der Meisterlandwirt.

Betriebsspiegel 3 – Betrieb Jenni – Fischmast im Kuhstall und Gastronomie im Spycher

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Niklaus Jenni im alten Kuhstall mit zwei Karpfen.

(Gabriela Küng)

2008 stand der Vater von Niklaus Jenni vor der Entscheidung, was er mit seinem alten Kuhstall machen möchte, da er sein Milchkontingent verkauft hatte. Der Kuhstall wurde für die bereits vorhandenen Pferden genutzt. Da aber kaum Licht in den Stall drang, war das nicht das Beste. Niklaus Jenni übernahm den Betrieb 2015 und hatte die optimale Lösung für den Stall und seine Person bereit: eine Fischmast. Er konnte drei Becken von einem Bekannten, Heinz Buri, übernehmen. Buri unterstützte die Familie Jenni unter anderem bei den Bewilligungen: Im Kanton Bern war es die erste Indoor Kreislaufanlage für Fische und für die Behörden eine Art Pilotbetrieb – die Regelungen mussten erst definiert werden. Jennis hatten das Glück, dass der Betrieb in der Zone für Landwirt-schafts-, Arbeits- und Wohnnutzung liegt. Bereits im Herbst 2015 füllte Jenni die Becken zum ersten Mal. Heute produzieren Jennis in der Kreislaufanlage in drei Becken à je 12 m 3 rund vier Tonnen Karpfen im Jahr.

Betriebsspiegel

Bangerten (BE)

Fläche und Kulturen: 21 ha LN mit Kartoffeln, Winterweizen, Gerste, Sonnenblumen, Lupinen, Kunst- und Naturwiesen

Tiere: 30 Zuchtmoren, 100 Mastplätze, 2 Zuchtstuten (Schweizer Warmblut), 5 Sport- und Freizeitpferde, Karpfen

Betriebszweige: Acker- und Futterbau, Schweinezucht und -mast, Pferdepension und -zucht, Gastronomie im Spycher und Fischmast

Arbeitskräfte: Niklaus Jenni, Betriebsleiter, Vanessa Jenni (Vollzeit auswärts, aber in der Gastronomie und als Aushilfe tätig)

Fischauswahl

«Der dunkle Stall war nur ein Kriterium. Die Fischmast ist die Passion von Niklaus», erläutert Vanessa Jenni, «ohne Liebe zu dem, was wir tun, geht es nicht». Denn die Anlage sei zum einen noch nicht amortisiert und zum anderen hätten sie viele «Lehrplätze» zahlen müssen. «Fische sind sehr heikel und die Erfahrungen mit Indoor-Kreislaufanlagen in der Schweiz sind gering. Wir mussten viel selber ausprobieren und sind natürlich zwischendurch auch gescheitert», erzählt Vanessa Jenni. Das ist ein Grund, weshalb sie sich für den Karpfen entschieden haben, da er ein sehr robuster Fisch sei. Ebenfalls macht die Familie Jenni die Fischnachzucht selbständig in einem der alten Feuerweiher in Bangerten. «Wir wollen Fisch aus der Schweiz produzieren», erklärt Vanessa Jenni. Um dies in der Schweiz zu stärken, haben sie Mitte 2016 den Verein Fisch vom Hof gegründet. Im Verein sei unter anderem das Ziel, ein Qualitätsmanagement für Fische vom Hof einzuführen, damit die Vorteile dieser Fische ausgelobt und somit abgegolten werden können.

Tipp

Gastro-Erfahrung ist zwingend

«Der Kunde ist in der Gastronomie König. Das kann sehr anstrengend sein und als Person muss man der Typ dazu sein. Deshalb sollte jeder, der in den Gastro-Bereich einsteigen will, vorher Erfahrungen sammeln.»

Vanessa Jenni

Gastronomie im Spycher

Heute betreiben Jennis die Fisch-mast-Anlage erst aus Interesse – sie wird zirka fünf Jahre nach der Inbetriebnahme amortisiert sein. Auf ihrem Betrieb in Bangerten (BE) betreiben sie neben Acker- und Futterbau sowie Schweinezucht und -mast zusätzlich noch Gastronomie in einem alten Kornspeicher, im Lin-de-Spycher. Bereits Niklaus Jennis Eltern hatten den Gastrobetrieb ins Leben gerufen: Damals führten sie den Betrieb gemeinsam mit Niklaus Onkel und benötigten einen weiteren Betriebszweig, damit beide Familien vom Betrieb leben konnten. So setzten sie den alten Kornspeicher instand. Vanessa und Niklaus haben die Gastwirtschaft übernommen. Sie hat ab Gruppen von 8 Personen und jeweils den letzten Freitag im Monat geöffnet. «Das ist für uns in finanzieller Hinsicht ein wichtiger Betriebszweig. Tolerante Nachbarn sowie Erfahrung in der Gastronomie müssen vorhanden sein», erzählt Vanessa Jenni. Sie hat die Ausbildung zur Gastwirtin gemacht – zur Sicherheit und als Respekt vor den Branchenprofis. «Die Bewilligung ist heute kein Problem mehr. Für Niklaus Eltern hingegen war die Instandstellung eine Herausforderung, da der alte Kornspeicher unter Heimatschutz stand», erzählt Jenni.

Betriebsspiegel 4 – Betrieb Jakob – Direktvermarktung, Gastronomie, Natur-Wellness und Zebus

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Christoph und Regula Jakob mit zwei ihrer Zebus.

(Gabriela Küng)

Christoph und Regula Jakob haben auf dem Berchtoldshof ein Betriebskonzept erschaffen, das für sie funktioniert: Zebu-Haltung geht Hand in Hand mit Gästebewirtung, Natur-Wellness sowie ihrem Hofladen.

Bereits Christoph Jakobs Mutter startete vor 40 Jahren mit Direktvermarktung im kleinen Rahmen. Die Nachfrage war gut, der Stand an der Strasse wurde vergrössert bis der Hofladen entstand. Heute verkaufen die Jakobs Zebufleisch, zahlreiche Kartoffelsorten und Weiteres im Laden. «Durch die Gästebewirtung und andere agrotouristische Angebote sind immer wieder potenzielle Zebu-fleisch-Kunden auf dem Hof», erklärt Christoph Jakob.

Betriebsspiegel

Bätterkinden (BE)

Fläche und Kulturen: 27 ha LN mit Saatgutproduktion von Winterweizen, Wintergerste und Kartoffeln, Sortenversuche bei Kartoffeln und Anbau von Pro Specie Rara Kartoffelsorten, 6 ha Wald

Tiere: Herde von 65 Zebus für den Fleischverkauf, diverse Kleintiere

Betriebszweige: Ackerbau, Zebu-Haltung, Kleintiere, Direktvermarktung, Gästebewirtung

Arbeitskräfte: Christoph und Regula Jakob (Betriebsleiterehepaar) und die Eltern von Christoph Jakob

Gesamtkonzept

Zebu ist ein Nischenprodukt in der Schweiz, wofür erst Abnehmer gefunden werden müssen. Der Berchtoldshof ist dafür optimal aufgestellt: In der Gästebewirtung wird das Nischenprodukt serviert und wenn es gefällt, kann es im Hofladen nebenan gleich gekauft werden. «Die Arbeitszeiteinteilung funktioniert mit den Zebus ebenfalls besser als mit unseren ehemaligen Milchkühen – da mussten wir mit der Zeit für die Gästebewirtung und das Melken immer etwas jonglieren», erklärt Christoph Jakob. Die Zebus hingegen sind extensive Tiere und werden für den Fleischverkauf aufgezogen – ausschliesslich mit Gras und Heu des eigenen Betriebs.

Tipp

Offen sein für Interessierte

«Mit einem Hofladen oder sonstigen Attraktionen auf dem Betrieb, können sich jederzeit fremde Personen auf dem Hof aufhalten. Dies muss die Betriebsleiterfamilie tolerieren.»

Regula Jakob

Selbstbedienungs-Hofladen

Im Hofladen werden nur eigens produzierte Produkte angeboten. Einzig der Honig, aus dem Bienenhaus, das auf dem Land des Berchtoldshofs steht, wird gehandelt. Für die teureren Produkte wie Zebu-Fleisch wurde kürzlich ein Verkaufsautomat angeschafft, ansonsten steht wie seit Beginn eine Kasse für die Selbstbedienung da. Das Angebot sei nie zu gross: «Was wir nicht direkt verkaufen, nutzen wir in der Gästebewirtung, konservieren wir oder versuchen es an jemanden aus unserem Kundenstamm zu verkaufen», so Regula Jakob.

Nebst Hofladen und Zebus findet man auf dem Betrieb unter anderem einen Kräutergarten sowie einen Barfuss-Weg. «Alle unsere Angebote bringen Kundschaft auf den Hof und runden das Gesamtangebot ab», erklärt Christoph Jakob. Dazu gehört auch der eigene Wald. Diesen nutzt Christoph Jakob für Holz-Schnitzereien, mit denen er den Hof dekoriert. Selbstverständlich sind diese Schnitzereien auch zu kaufen. Was eigentlich nach einer klugen Nutzung des eigenen Holzes klingt, hat andere Beweggründe: «Es macht mir einfach Freude», erzählt Christoph Jakob.

Marketing

Der Berchtoldshof ist weit herum bekannt. Dies verdankt er unter anderem der Weihnachtsgeschichte, welche die Familie Jakob jedes Jahr in der Weihnachtszeit aufstellt. «An den verschiedensten Märkten werden wir jeweils darauf angesprochen, deswegen kennt man uns», sagt Regula Jakob fröhlich. Die Märkte werden auch insbesondere wegen der Bekanntheit besucht. Dieses Jahr beispielsweise ist der Berchtoldshof an der Sichlete in Bern vertreten.

Betriebsspiegel 5 – Betrieb Grädel – Wollverarbeitung, -verkauf, Kurswesen,Übernachtungsangebot

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Hansueli Grädel bei den Jurten.

(Gabriela Küng)

Für Familie Grädel aus dem bernischen Huttwil ist die Landwirtschaft heute eigentlich nur noch Nebensache. Rund 25 Personen arbeiten in den verschiedenen Bereichen der Spycher Handwerk AG. Hansueli Grädel ist Geschäftsführer der Aktiengesellschaft: «Vor über 35 Jahren übernahm ich den Betrieb von meinem Vater. Ich hatte zehn Hektaren LN und Schafe. Nebenbei musste ich auswärts arbeiten, weil das Einkommen nicht gereicht hatte», erzählt Hansueli Grädel. «1981 wurde ich von verschiedenen Seiten her angefragt, ob ich nicht Wolle verkaufen würde, weil ich ja Schafe hatte», so Grädel weiter. Da stellte er das erste Mal fest, dass eine grosse Nachfrage bestand und er begann, seine Schafe zu scheren, die Wolle zu verkaufen und auch mit Wolle zu handeln. Gleichzeitig stieg er ins Kurswesen ein. «1983 war der Spinnboom vorbei und die Nachfrage etwas zurück – wir starteten mit der Produktion von Duvets, bald kamen Betten dazu und so weiter», erzählt Grädel. Der Betrieb sei stetig gewachsen, es kamen immer neue Produkte und Ideen dazu.

Betriebsspiegel

Huttwil (BE)

Fläche und Kulturen: 10 ha LN, Grünflächen

Tiere: 85 Schafe, 8 verschiedene Rassen, Pro Specie Rara Archehof

Betriebszweige: Schafhaltung, Eintrittspforte für Spycher Handwerk AG

Arbeitskräfte: Betriebsleiter Alexander Grädel im Nebenerwerb

Vorzeigehof

Heute ist die Landwirtschaft für die Familie Grädel hauptsächlich ein Vorzeigebetrieb mit Betriebszweigen, die mögliche Kunden für die Spycher Handwerk AG anlocken. Es werden verschiedene Tierarten gehalten, deren Wolle genutzt wird, wie zum Beispiel Alpakas, Lamas oder Mohair-Ziegen. Es werden mongolische Jurten als Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Diese werden ebenfalls mit Wolle ausgekleidet und passen dementsprechend ins Konzept der Spycher Handwerk AG. Es werden Maschinen zum Spinnen, Filzen und Weben angeboten, es gibt eine Schau-Karderei, Betriebsführungen in der Spycher Handwerk AG, Kameltrekkings und vieles mehr. Die Landwirtschaft selbst ist heute nur noch zum zeigen da – das Geschäft wird woanders gemacht…

Tipp

Ansprechende Präsentation

«Wer ein Produkt oder eine Dienstleistung anbietet, muss dies mit einer ansprechenden Präsentiation im Internet oder auf Papier bekannt machen. Wichtig ist aber auch, dass die Nachfrage nach genau diesem Produkt da ist.»

Hansueli Grädel

Fazit: Bedürfnisse der Kunden kennen ist elementar

Alle gezeigten Betriebe konnten die Hürden meistern, um in die Paralandwirtschaft einzusteigen. «Eine grosse Herausforderung sind aktuell die gesetzlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel die Raumplanung», erklärt Véronique Keller, Expertin für Paralandwirtschaft, «Trotzdem ist jeder Betrieb individuell und der Erfolg in der Paralandwirtschaft hängt von der Lage sowie der Betriebsleiterfamilie ab», so Keller weiter. Was für einzelne ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist, muss nicht für jeden Hof gelten.

Risiken verteilen

Mit der Aufnahme von neuen Betriebszweigen werden die Risiken für Ertragsausfälle verteilt. «Es gibt noch viel Potenzial in der Paralandwirtschaft und ich gehe davon aus, dass diese Betriebszweige immer wichtiger werden», erläutert Keller. Für sie ist aber auch klar, dass sich die Rahmenbedingung für eine solche Entwicklung anpassen müssten. Dies bedingt jedoch ein Umdenken.

Erfolgsfaktor: Kunden kennen

Am besten kommt ein Angebot immer an, wenn die Nachfrage für das Produkt oder die Dienstleistung vorhanden ist. Um dieses dann auch an den Kunden zu bringen, müssen dessen Bedürfnisse bekannt sein. «Ohne zu wissen, wer der Kunde ist und wie sein Einkaufsverhalten aussieht, kann man nichts verkaufen», sagt Keller klar. Ein guter Online-Auftritt sei wichtig, denn der Kunde müsse wissen, dass der Betrieb existiert. Zusätzlich ist wichtig, dass die Betriebszweige auch betreffend Arbeitszeit zueinander passen. Und zum Schluss: Man muss die neue Aufgabe gerne machen.

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