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Betriebsführung

Vernetzt ans Werk

Engagiert, innovativ und verankert in der Landwirtschaft. Drei Frauen aus dem Aargau beschreiben ihren Weg zur Betriebsleiterin. Um den gemeinsamen Austausch zu fördern und mit weiteren Berufskolleginnen in Kontakt zu kommen, engagieren sie sich seit Kurzem im Netzwerk Betriebsleiterinnen.

Vernetzen heisst teilen. Die Betriebsleiterinnen Anna Basler, Petra Schmid und Marina Boller (von links) tauschen regelmässig Erfahrungen, Kontakte und...

Vernetzen heisst teilen. Die Betriebsleiterinnen Anna Basler, Petra Schmid und Marina Boller (von links) tauschen regelmässig Erfahrungen, Kontakte und Wissen untereinander aus.

(Bild: Marco Zanoni)

Publiziert am

Frauen, die einen Landwirtschaftsbetrieb führen, sind keine Seltenheit mehr. Laut einer Studie des BLW sind es je nach Alterskategorie zwischen 9 und 25 Prozent. Am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg werden sowohl Bäuerinnen als auch Landwirtinnen ausgebildet, und auch hier ist der Anteil an Frauen in der Ausbildung zur Landwirtin gestiegen. Aus dem Kontakt mit diesen Frauen entstand die Idee, ein Netzwerk für Betriebsleiterinnen, unabhängig von ihrer Ausbildung, zu gründen. Es bietet die Gelegenheit, sich mit anderen Betriebsleiterinnen auszutauschen, gemeinsame Anlässe und Weiterbildungen zu besuchen und sich Zeit für Geselliges zu nehmen. Denn der Job als Betriebsleiterin bringt für Frauen teilweise andere Herausforderungen und Chancen als für Männer. Einerseits ist die körperliche Voraussetzung unterschiedlich und häufig bleiben Frauen auch als Betriebsleiterinnen in der Mehrfachrolle zwischen Mutter, Haushalt und Betrieb. Andererseits bringen Frauen Diversität und innovative Ideen in die Landwirtschaft und führen Angestellte unterschiedlich. 

Petra Schmid

Die Meisterlandwirtin führt den Betrieb ihrer Eltern im Pachtverhältnis und übernimmt ihn 2024. Auf dem Bio-Betrieb im Fricktal lebt eine Herde Mutterkühe mit ihren Kälbern, Petra betreibt Ackerbau und eine Obstanlage. Mit ihrer Hündin sucht sie im Wald erfolgreich nach Trüffeln und hat kürzlich eine Trüffelanlage gepflanzt.

«Ich war schon als Kind gerne draussen. Von allen Geschwistern hatte ich am meisten Freude an den Tieren. Deshalb ging ich nach der KV-Ausbildung an die Landwirtschaftsschule und wurde Meisterlandwirtin. Der Erste, welchen ich überzeugen musste, war mein Vater. Er hatte Bedenken wegen der hohen körperlichen Belastung. Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt. Natürlich wurde ich früher viel gefragt, ob denn keiner meiner Brüder den Betrieb übernehmen wollte. Heute fragen mich viele, ob ich den Betrieb ganz alleine führen könne. Traut man es mir nicht zu, oder ist das Bild einer Frau, welche einen Landwirtschaftsbetrieb führt, wirklich so ungewohnt?

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Petra Schmid (27)

(Bild: Marco Zanoni)

«Manchmal ertappe auch ich mich dabei, wie ich selbst Frauen in Schubladen stecke»

Manchmal ertappe auch ich mich dabei, wie ich selbst Frauen in Schubladen stecke. So teile ich zum Beispiel eine Frau, die bei einer Handwerker-Firma arbeitet, gedanklich manchmal automatisch ins Büro ein. Und das, obwohl ich es gar nicht genauer weiss. Und so geht es wohl vielen Menschen mit uns Betriebsleiterinnen. Zu Beginn war es für mich schwierig, in der Landwirtschaft Fuss zu fassen. Mittlerweile habe ich sehr viel Unterstützung und arbeite mit vielen Berufskollegen zusammen. Trotzdem tut mir der Austausch mit anderen Betriebsleiterinnen gut. Zudem bin ich sicher, dass wir im Netzwerk auch in der Produktionstechnik viel voneinander lernen können.»

Anna Basler

Anna Basler kam wegen der Liebe in die Schweiz. Als Quereinsteigerin hat sie sich 2020 für die Leitung des Betriebs ihres Mannes entschieden. Sie führt ihn nach seiner Pensionierung weiter, bis ein Kind den Betrieb übernehmen will. Am liebsten arbeitet sie mit den Kühen und vertieft sich in Fachbücher. Doch auch auf dem Feld in der Nähe von Aarau ist Anna viel anzutreffen.

«Das Schönste im Betrieb ist die Arbeit mit den Tieren. Ich treffe gerne Entscheide. Wie paare ich welche Kühe an, wann stelle ich sie trocken? Dabei trage ich die volle Verantwortung. Mein Mann steht hinter mir. Es ist toll, dass er mich weiterhin unterstützt und dass wir vieles diskutieren und Entscheide gemeinsam treffen. Ich tausche mich auch gerne mit anderen Berufskolleginnen und -kollegen aus. Der Austausch auf Augenhöhe gefällt mir sehr. Die Frauen im Netzwerk haben andere Geschichten, andere Erfahrungen und zum Teil die gleichen Probleme. Ich bin mir bewusst, dass ich auf dem Betrieb nicht alle Arbeiten alleine machen kann.

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Anna Basler (44) 

(Bild: Marco Zanoni)

«Das Traktorfahren überlasse ich meist meinen Angestellten»

Das Traktorfahren überlasse ich meistens meinen Angestellten. Ich bin lieber im Stall und lerne viel über die Tiere, indem ich alternative Wege gehe. Die Homöopathie ist mein grosses Hobby neben dem Landwirtschaftsbetrieb. Als Betriebsleiterin hatte ich zu Beginn Angst vor den vielen Gesetzen und davor, Fehler zu machen. Die Hofübernahme war nicht leicht, aber mittlerweile geht es gut. Als Frau ist es nicht immer einfach, sich in einer von Männern dominierten Berufswelt durchzusetzen. Ich habe mich zum Glück überall eingelesen, viele Fragen gestellt und Erfahrungen gesammelt. Nun fühle ich mich sicher. Unser Sohn lernt jetzt Landwirt und somit können wir uns austauschen. Ich will mit meiner Familie und unserem Betrieb glücklich und erfolgreich sein.»

Marina Boller

Marina Boller hat die Ausbildung zur Bäuerin nach einer KV-Ausbildung absolviert. Sie pachtete einen Bio-Betrieb in der Nähe von Baden. Sie hält eine Herde Mutterkühe und betreibt Acker- und Futterbau. Ihr grosses Hobby ist die Fotografie. Ihre Tiere und den Betrieb präsentiert sie gekonnt auf Instagram (lucky__farm).

«Mein grosses Hobby, die Fotografie, begleitet mich schon lange. Schon auf dem vorherigen Pachtbetrieb wollte ich die Landwirtschaft an die Öffentlichkeit bringen. Instagram ist die Plattform, auf welcher schöne Fotos im Zentrum stehen. Leider bedingen die Algorithmen heute, dass man dauerhaft online ist und regelmässig Fotos postet. Deshalb bin ich nicht mehr so aktiv auf Instagram. Geblieben ist mein Wunsch, der Bevölkerung die Landwirtschaft zu präsentieren und meinen Tieren ein tolles Leben zu ermöglichen. In Zukunft könnte ich mir eine Spielgruppe oder Schule auf den Bauernhof gut vorstellen. Meinen Pachtbetrieb habe ich auf Bio umgestellt, den Ackerbau reduziert und meine Mutterkuhherde aufgebaut. Natürlich hätte ich gerne gemolken, doch es gefällt mir jetzt auch sehr, dass die Kälber bei ihren Müttern aufwachsen. Ich schätze die Zusammenarbeit mit anderen Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern sehr.

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Marina Boller (37)

(Bild: Marco Zanoni)

«Frauen bringen Diversität und haben neue Ideen»

 

 

 

 

 

 

Ich finde es wichtig, dass Frauen in der Landwirtschaft erkannt werden und vermehrt das Bild prägen. Frauen bringen Diversität, haben neue und andere Ideen. Es tut mir einfach gut, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen – mit anderen Frauen, die auch einen Landwirtschaftsbetrieb führen, gleichzeitig die Familie managen und alles unter einen Hut bringen müssen.»

Vernetzen und profitieren

Das Netzwerk Betriebsleiterinnen steht allen Frauen offen, die einen Landwirtschaftsbetrieb führen und an einem Austausch mit Berufskolleginnen interessiert sind.

Die Kontaktaufnahme:

Wirtschaftlichkeit im Schweinestall

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