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Betriebsführung

Vielfalt fordert Meisterwissen

Auf dem vielseitigen Familienbetrieb in Wädenswil leitet Michael Haab den Gemüsebau und organisiert den Marktstand. Die Meisterausbildung hilft ihm, Mitarbeitende zu führen, Zahlen auszuwerten und Investitionen zu planen. Sein Businessplan aus der Weiterbildung bildete die Grundlage für den Ausbau des Hofladens.

Michael Haab zwischen verschiedenen Salatsorten auf dem Familienbetrieb. Schon sein Vater spezialisierte sich auf Gemüse und Beeren und begann 2006 mit...

Michael Haab zwischen verschiedenen Salatsorten auf dem Familienbetrieb. Schon sein Vater spezialisierte sich auf Gemüse und Beeren und begann 2006 mit der Direktvermarktung.

(Renate Hodel)

Publiziert am

Redaktorin, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Auf den Feldern der Familie Haab wachsen Zwiebeln, Gurken, Bohnen, Salate, Kräuter, Chilis und viele weitere Kulturen. Rund 60 Gemüse- und Ackerkulturen zählt der Betrieb insgesamt. Hinzu kommen Obst und Beeren, Legehennen und einige Freilandschweine. Die Familie baut nur so viel Gemüse an, wie sie direkt vermarkten kann. Obst und Beeren verkauft die Familie fast ausschliesslich im Hofladen. Einen Teil der Ernte verarbeitet sie auf dem Betrieb weiter.

Die Nachfolge beginnt in der Werkstatt

Michael Haab führt den Betrieb gemeinsam mit seinen Eltern Fredy und Theres Haab. Als Leiter des Gemüsebaus plant er die Ernte, teilt die Mitarbeitenden ein und führt neue Angestellte ein. Zudem organisiert er den Verkauf am Marktstand und ist dort meist selbst im Einsatz. Seine Mutter betreut vor allem den Hofladen und die Verarbeitung. Sein Vater ist für den Ackerbau und den Pflanzenschutz zuständig und erledigt einen grossen Teil der Büroarbeit.

Michael Haab, Gemüsegärtnermeister

Die Hofnachfolge war auf dem Betrieb Haab seit jeher gesetzt: «Wir sind in der vierten Generation hier auf dem Betrieb – für mich war immer klar, dass ich einmal weitermachen möchte», sagt Michael Haab. Seine Eltern bestanden jedoch darauf, dass er zuerst einen anderen Beruf erlernte. Er absolvierte deshalb eine Lehre als Landmaschinenmechaniker und profitiert noch heute vom technischen Wissen seiner Erstausbildung: Einen Grossteil des Maschinenunterhalts und viele Reparaturen erledigt Michael Haab selbst. Zugleich gibt ihm die Ausbildung ein zweites berufliches Standbein.

Strategischer zweiter Bildungsweg

Für die anschliessende landwirtschaftliche Ausbildung suchte er einen Weg, der zum Betrieb passte. «Mir bringt es nichts, etwas über Kühe zu lernen», begründet er seinen Entscheid, eine Lehre als Gemüsegärtner statt als Landwirt zu absolvieren. Schon während der Grundbildung gewann Michael Haab an den SwissSkills den Wettbewerb der Gemüsegärtner. Nach dem EFZ besuchte er direkt die Betriebsleiterschule, absolvierte zunächst die Berufsprüfung zum Betriebsleiter und später die höhere Fachprüfung zum Gemüsegärtnermeister.

Der Weg zum Gemüsegärtnermeister

Die Betriebsleiterschule Gemüsebau vermittelt betriebswirtschaftliches und produktionstechnisches Wissen für die Führung eines Gemüsebaubetriebs. Die modular aufgebaute Weiterbildung führt zunächst zur Berufsprüfung als Betriebsleiter Gemüsebau mit eidgenössischem Fachausweis. Darauf baut die höhere Fachprüfung zum Gemüsegärtnermeister mit eidgenössischem Diplom auf www.agri-job.ch.

Mit Blick auf die spätere Übernahme wollte er sich vor allem betriebswirtschaftlich besser rüsten. Nach dem EFZ wusste er zwar, wie eine Bilanz und eine Erfolgsrechnung aufgebaut sind, aber noch nicht genau, was man aus den Zahlen herauslesen kann. «Mit einem so vielfältigen Betrieb muss man die Zahlen einfach im Griff haben», ist Michael Haab überzeugt. Auch Fächer wie Personalwesen, Recht und Agrarpolitik hätten ihn interessiert und seien für seine heutige Tätigkeit wertvoll. Die Weiterbildung absolvierte er berufsbegleitend. Schule, Arbeit und saisonale Spitzen unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer einfach gewesen.

Michael Haab Gemüsegärtnermeister, 8820 Wädenswil (ZH)

«Die Zahlen muss man einfach im Griff haben.»

Generationengemeinschaft | 19 ha LN (Gemüsebau, Ackerbau, Obst und Beeren) | 400 Legehennen, Freilandschweine | Gemüsegärtnermeister seit 2025

Drei Varianten für den Betrieb

Wie schulisches Wissen in die Betriebsentwicklung einfliessen kann, zeigte sich beim Umbau des Hofladens. In der Betriebsleiterschule analysierte Haab in einer Betriebsstudie den Hof. Für die Meisterprüfung erstellte er darauf eine Planerfolgsrechnung und verglich drei Investitionsvarianten.

Die erste Variante verband den Umbau des Hofladens mit einer Erweiterung des Gemüsebaus. Als Alternative berechnete Haab zusätzliche Folientunnel auf 50 bis 60 Aren. In der dritten Variante prüfte er einen Stall für 6000 Legehennen. Die Familie entschied sich am Ende für das Hofladenkonzept. Für den Businessplan hatte Haab das Projekt bereits vertieft ausgearbeitet, Pläne erstellt und Offerten eingeholt. «Das war wertvoll beim Umbau im letzten Winter», sagt er. Die Arbeit für die Meisterausbildung blieb damit keine schulische Übung, sondern wurde zur Grundlage einer realen Investition.

Den Hof auseinandernehmen

Im Betriebsalltag fehlt oft die Zeit, den Hof als Ganzes zu analysieren. Die Ausbildung zwang Haab, Arbeitsabläufe, Zahlen und Entwicklungsmöglichkeiten systematisch zu prüfen.

«Man nimmt den Hof richtig auseinander.»

«Es ist sicher aufwendig, die ganzen Businesspläne zu schreiben, aber so schaut man den Betrieb einmal genau an», sagt er. Dabei wurden auch ineffiziente Stellen sichtbar, welche die Familie künftig verbessern kann. «Man nimmt den Hof richtig auseinander», so Michael Haab weiter.

Insgesamt sieht er den Betrieb mit Gemüsebau, Ackerbau und Direktvermarktung gut aufgestellt. Die Breite passt aus seiner Sicht zu den regionalen Bedingungen und den Absatzmöglichkeiten. Auch den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Weiterbildung schätzt er. Die Gespräche drehen sich stärker um Personal, Investitionen und die langfristige Führung eines Betriebs. Für Haab hat sich der Weiterbildungsaufwand gelohnt.

Serie Berufsbildung

2026 stellt der LID in seiner Serie Personen vor, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Grundausbildung weiterqualifiziert haben oder über einen höheren Bildungsweg den Einstieg in die Landwirtschaft gefunden haben.Unterstützung und Hilfsmittel zur Öffentlichkeitsarbeit auf:  www.lid.ch/baeuerinnen-und-bauern

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