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fenaco-LANDI

Aus Agroline wird Landor

Im Interview erklärt Jürg Friedli, Leiter Pflanzennahrung der fenaco Genossenschaft, die neue Düngerstrategie der fenaco Genossenschaft. «Wir fokussieren uns auf eine klare Einmarkenstrategie mit Landor», sagt er. So kann das Düngergeschäft noch effizienter betrieben und der Landwirt kostenseitig entlastet werden.

Logistikhalle von Landor am Basler Auhafen.

Logistikhalle von Landor am Basler Auhafen.

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Leiterin Unternehmenskommunikation, die Mobiliar

Düngerhandel

Anfang Mai kündigte die fenaco an, dass der Düngeranbieter Agroline Ende 2018 aufgelöst wird. Jürg Friedli geht auf die Gründe für diesen Schritt ein.

UFA-Revue: Weshalb hat die fenaco entschieden, Agroline in die Landor zu integrieren?

Jürg Friedli:Es waren zwei externe Auslöser, die zu diesem Entscheid geführt haben. Im vergangenen Jahr hat der Spezialitätenchemiehersteller Lonza entschieden, seine Stickstoffdüngerproduktion an seinem einzigen Schweizer Standort in Visp im 1. Quartal 2018 einzustellen. Zweitens hat CU Uetikon angekündigt, die Düngerproduktion in Uetikon (ZH) per Juni 2017 aufzugeben. Diese externen Auslöser haben uns dazu bewogen, unsere Düngerstrategie auf den Prüfstand zu stellen.

Was geschieht mit der bekannten Schweizer Düngermarke Agroline?

Friedli:Lonza und CU Uetikon bilden die beiden Pfeiler von Agroline. Da diese beiden Unternehmen die Produktion von Schweizer Dünger einstellen und diese einzigartigen Agroline-Dünger von keinem Drittanbieter in der Schweiz geliefert werden können, sehen wir für Agroline keine nachhaltigen Zukunftsaussichten. Wir haben daher entschieden, uns ab 2019 auf eine klare Einmarkenstrategie mit Landor zu fokussieren.

Was heisst das für die Düngerpreise?

Friedli:Unser Auftrag ist es, die LANDI und die Produzentinnen und Produzenten mit preiswerten Düngemitteln zu versorgen. Die Schweizer Landwirtschaft steht unter grossem Kostendruck. Entsprechend klar sind auch die Forderungen nach möglichst günstigen Produktionsmitteln. Wir sind überzeugt, dass wir mit der geplanten Einmarkenstrategie für die Schweizer Landwirte, in einer engen Partnerschaft mit den LANDI, noch effizienter werden und daraus resultierende Gewinne in Form von tieferen Preisen an die Landwirte weitergeben können.

Wird Landor bei den Logistikkosten Einsparungen erzielen können?

Friedli:Wir fokussieren uns auf den Auhafen. Ein Teil der Düngermengen wird weiterhin über die Logistikplattform Roggwil abgewickelt. Wir gehen davon aus, dass wir damit Effizienzsteigerungen erzielen können.

Was geschieht mit den Mitarbeitenden von Agroline?

Friedli:Wir führen derzeit Gespräche mit den 11 Agroline-Mitarbeitenden mit dem Ziel, für alle Beschäftigten eine möglichst optimale Lösung zu finden. So wird der Landor-Beratungsdienst mittelfristig ausgebaut, hier entstehen für Agro-line-Mitarbeitende neue Perspektiven. Dasselbe gilt für die Mitarbeitenden der regionalen Düngerbüros, die wir künftig am Standort Birsfelden zusammenziehen werden.

Agroline stand für einzigartige Düngerprodukte wie der NPK-Dünger «Suplesan». Was wird daraus?

Friedli:Die bekannten Produktemarken von Agroline wie «Suplesan» werden nach Möglichkeit das Landor-Sortiment ergänzen. Mit der Schliessung von CU Uetikon werden die genau gleichen Formulierungen aber leider nicht mehr möglich sein (siehe auch Kasten).Die zukünftige Sortimentsgestaltung von Landor werden wir noch im Detail erarbeiten müssen.

Wird es in Zukunft noch Schweizer Dünger geben?

Friedli:Ja, im Bereich Haus- und Gartendünger sowie Biodünger durch die renommierte Firma Hauert. Was unser Unternehmen betrifft, so werden wir in den nächsten Jahren ausser im Bio-Bereich sämtlichen Dünger importieren müssen, weil es in der Schweiz nach der Schliessung der Düngerproduktion von CU Uetikon und Lonza keine inländische Felddüngerproduktion mehr gibt. Mittelfristig sehen wir aber Möglichkeiten, die Schweizer Düngerproduktion wieder zu aktivieren: Wir arbeiten derzeit an vielversprechenden Projekten im Bereich Phosphor-Recyclingdünger. Wenn das gelingt, könnte die Schweizer Landwirtschaft im Phosphorbereich mit viel weniger Düngerimporten auskommen.

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Jürg Friedli Leiter Pflanzennahrung fenaco Genossenschaft

Unter der Marke Agroline finden jedes dritte Jahr die Feldtage statt. Wird die Pflanzenbauveranstaltung künftig anders heissen?

Friedli:Die Agroline Feldtage werden wir auf jeden Fall fortführen. Fakt ist, dass wir am bewährten Konzept festhalten werden. Die nächsten Agroline-Feldtage finden am 7. bis 9. Juni 2017 statt.

Wie sieht der zeitliche Fahrplan aus?

Friedli:Bis und mit Vorbezug 2018 wird Agroline in der heutigen Form am Markt tätig sein.

Ab 2019 werden wir mit der neuen Einmarkenstrategie unter der Marke Landor arbeiten. 

Ende der Düngerproduktion in Visp bedeutet das Aus für den schwarzen Ammonsalpeter

Agroline ist ein Gemeinschaftsunternehmen der fenaco Genossenschaft und des Spezialitätenchemieherstellers Lonza. Zu den bekanntesten Agroline-Produkten gehören der schwarze, weil schieferhaltige, Lonza-Ammonsalpeter 27,5 und der Lonza-MgS-Ammonsalpeter 25. «Diese Produkte, hergestellt von Lonza in Visp, gibt es nur in der Schweiz», sagt Jürg Friedli, Leiter Pflanzennahrung bei der fenaco Genossenschaft. Weil Lonza entschieden hat, ab Ende April 2018 keinen Dünger mehr zu produzieren, gibt es künftig auch den einzigartigen, schwarzen Lonza-Ammonsalpeter 27,5 nicht mehr. Jürg Friedli bedauert dies, weil damit ein grosses Kapitel Schweizer Düngergeschichte zu Ende geht. «Wir sind jedoch bemüht, auch in Zukunft agronomisch vergleichbare Produkte anbieten zu können», sagt er.

AutorinAlice Chalupny, Leiterin Unter-nehmenskommunikation fenaco, 8401 Winterthur

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