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fenaco-LANDI

«Wir wollen auch für die nächste Generation attraktiv sein»

Der ehemalige und der neue Präsident des Verwaltungsrats der fenaco sprechen über die Übergabe des Präsidiums. Gemeinsam werfen sie einen Blick zurück und in die Zukunft.

«Wir wollen auch für die nächste Generation attraktiv sein»

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fenaco Genossenschaft / Leiter Public Relations

Wie geht es Ihnen kurz nach der Übergabe des Präsidentenamts?

Pierre-André Geiser: Nach zwanzig Jahren im Verwaltungsrat war das ein emotionaler Moment. Gleichzeitig gebe ich das Amt mit viel Zuversicht weiter, denn ich weiss die fenaco Genossenschaft in guten Händen. Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht. Ich glaube, ich überlasse meinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld (lacht).
Jean-Daniel Heiniger: Ich bin stolz, dass ich diese verantwortungsvolle Aufgabe von Pierre-André übernehmen darf. Gleichzeitig habe ich Respekt davor. Aber ich kenne die fenaco seit über 25 Jahren in verschiedenen Rollen und fühle mich für das Amt gut vorbereitet.

Pierre-André Geiser, was waren Meilensteine Ihrer Amtszeit?

Pierre-André Geiser: Da gibt es viele! Sicher dazu zählt die Einführung der fenaco Erfolgsbeteiligung 2018. Mit diesem Instrument können wir die Landwirtinnen und Landwirte direkt an unserem Erfolg beteiligen. Hervorheben möchte ich auch unsere Investitionen. Rund eineinhalb Milliarden Franken sind in den letzten zehn Jahren in Silos, Verarbeitungs- und Logistikbetriebe und weitere Infrastrukturen geflossen, die direkt oder indirekt der Schweizer Landwirtschaft zugutekommen.

Welche Entwicklungen machen Ihnen besonders Freude?

Pierre-André Geiser: Finanziell steht die fenaco-LANDI Gruppe auf einem soliden Fundament. Die Eigenkapitalquote der fenaco ist in den letzten Jahren auf über 66 % gestiegen. Auch die Zusammenarbeit mit den LANDI hat sich positiv entwickelt. Wir haben eine klare Rollenteilung: Die LANDI konzentrieren sich auf Geschäftsbereiche und Funktionen, die von der geografischen Nähe und der regionalen Verankerung profitieren. Die fenaco sorgt für die nötigen Skaleneffekte. Wir sind näher gerückt und Hand in Hand unterwegs.

Der Umsatz der fenaco ist während Ihrer Amtszeit von sechs auf über sieben Milliarden Franken gewachsen. Wie wichtig ist Grösse?

Pierre-André Geiser: Wir suchen nicht Wachstum per se, setzen aber unsere Grösse im Sinne unserer Mitglieder ein. Sie hilft uns, mit Lieferanten und Abnehmern auf Augenhöhe zu verhandeln und damit bessere Konditionen für die Landwirtinnen und Landwirte zu erzielen.

Jean-Daniel Heiniger: Dank unserer Grösse und der soliden finanziellen Basis können wir langfristig in die Land- und Ernährungswirtschaft investieren. Wir können Zukunftsprojekte vorantreiben und Innovationen fördern. Die Landwirtschaft braucht beispielsweise Lösungen, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Dieser führt zu grossen Ertragsschwankungen. Als Genossenschaft können wir einen Beitrag leisten, indem wir ressourceneffiziente Produktionsmethoden und Anpassungsstrategien fördern, wie etwa die Züchtung resilienter Sorten. Diesen von Pierre-André eingeschlagenen Weg werde ich aus Überzeugung weiterführen.

Pierre-André Geiser, gibt es Bereiche, wo Sie nicht ganz soweit kamen, wie gehofft?

Pierre-André Geiser: Der administrative Aufwand in der Landwirtschaft ist stark gewachsen. Wir haben früh erkannt, dass die Digitalisierung hier unterstützen kann. Mit dem digitalen Hofmanager Barto haben wir heute eine Lösung, die funktioniert und Wirkung erzielt. Die Entwicklung der Nutzerzahlen zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich bin ein Fan von Barto! Als wir 2019 gestartet sind, hätte ich allerdings gedacht, dass wir schneller vorwärtskommen. Die Digitalisierung in der Landwirtschaft ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Jean-Daniel Heiniger, wo sehen Sie die künftigen Herausforderungen?

Jean-Daniel Heiniger: Landwirtschaftliche Genossenschaften wurden vor über 150 Jahren geschaffen, um Krisen zu meistern – und sie tun es heute noch. Das hat die Corona-Pandemie eindrücklich gezeigt. Künftige Herausforderungen gibt es einige. Den Klimawandel habe ich bereits erwähnt. Auch die schwankenden Produktionsmittelpreise bleiben ein Thema, etwa bei den Düngemitteln. Als Genossenschaft federn wir diese ab, zum Beispiel durch unser Vorbezugssystem und eine vorausschauende Lagerhaltung.

Bereiten Ihnen die Tiefpreisstrategien im Detailhandel Sorgen?

Jean-Daniel Heiniger: Daran habe ich als Landwirt keine Freude. Vier von fünf Franken ihres Einkommens erwirtschaften Bauernfamilien am Markt. Für ihre wirtschaftliche Situation sind die Abnahmepreise entscheidend, nebst der Ertragssicherheit. Die Preise ergeben sich in erster Linie aus dem Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage. Auch der Grenzschutz spielt eine entscheidende Rolle. Als Genossenschaft können wir diese Mechanismen nicht aushebeln. Aber wir schaffen effiziente Strukturen für die Mengenbündelung und Vermarktung. Und wir setzen uns in den Branchenorganisationen für eine gute Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette ein. Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern auf der Abnehmerseite den Markt entwickeln und die Präferenz der Konsumentinnen und Konsumenten für Schweizer Lebensmittel weiter fördern.

Wie kann die fenaco auf Märkte einwirken, die aus der Balance geraten sind, bei den Schweinen oder beim Wein?

Jean-Daniel Heiniger: Wie gesagt: Wir können Marktmechanismen nicht aushebeln. Aber wir können Marktsignale und Konsumentenbedürfnisse an die Produktion zurückgeben – de la table à la terre. Unsere Fachleute in den Volg und LANDI Läden sehen ganz genau, was funktioniert und was nicht. Ihnen müssen wir zuhören.
Pierre-André Geiser: Bei einer strukturellen Überproduktion wie das auf dem Schweine- und Weinmarkt der Fall ist, sind mitunter Massnahmen nötig, die für einzelne Betriebe einschneidend sind. Für die Branche insgesamt sind sie aber notwendig.

Spielt es eine Rolle, dass der Verwaltungsratspräsident der fenaco einen landwirt­schaftlichen Hintergrund hat?

Pierre-André Geiser: Mit Sicherheit. Nicht nur der Präsident, sondern die Mehrheit des Verwaltungsrats sind gemäss unseren Richtlinien aktive Landwirtinnen und Landwirte. Das ist essenziell für die fenaco. So stellen wir sicher, dass die Interessen unserer Mitglieder vertreten werden.
Jean-Daniel Heiniger: Das sehe ich genauso. Meine Erfahrungen auf dem Hof prägen meine Entscheidungen im Verwaltungsrat. Als Landwirt denke und handle ich langfristig: Wenn ich zum Beispiel Obstbäume pflanze, plane ich für 20 bis 25 Jahre. Auch im Verwaltungsrat treffen wir Entscheidungen, die ihre Wirkung oft erst Jahre später entfalten.

Welche Rolle möchten Sie als Präsident gegen innen und aussen übernehmen?

Jean-Daniel Heiniger: Für mich ist zentral, dass wir unsere Werte leben: verwurzelt, verlässlich, engagiert. Unser Genossenschaftszweck gibt uns eine klare Orientierung: Wir unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen. Als Präsident stelle ich sicher, dass die fenaco im Interesse der Landwirtinnen und Landwirte handelt. Gleichzeitig erhalte ich tiefe Einblicke in die Marktstrukturen und Prozesse entlang der Wertschöpfungskette. Dieses Wissen möchte ich mit meinen Berufskolleginnen und Berufskollegen teilen, damit sie auch Entscheide der fenaco, die aus bäuerlicher Sicht nicht auf der Hand liegen, nachvollziehen können.

Verändern sich die Erwartungen der Mitglieder an die fenaco?

Jean-Daniel Heiniger: Wer Mitglied in einer Genossenschaft ist, erwartet einen finanziellen Vorteil. Gleichzeitig spielen das Netzwerk, der Solidaritätsgedanke und die Mitbestimmungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Und wir spüren auch den Generationenwechsel. Die jungen Bäuerinnen und Bauern stellen neue Anforderungen an uns, etwa bei innovativen Technologien oder in der Kommunikation. Diesen wollen wir gerecht werden, um auch für die nächste Generation attraktiv zu sein.

Sind Genossenschaften also ein Zukunftsmodell?

Pierre-André Geiser: Auf jeden Fall! In einer repräsentativen Studie haben wir die Schweizer Bäuerinnen und Bauern letztes Jahr zur Bedeutung von Genossenschaften befragt: 95 % wünschen sich, dass sie ihre starke Stellung halten oder sogar ausbauen.
Jean-Daniel Heiniger: Wenn es die fenaco nicht gäbe, müsste man sie erfinden (lacht). Gerade in unsicheren Zeiten und volatilen Märkten braucht es Organisationen, die Stabilität und eine langfristige Perspektive geben. Genau dafür stehen Genossenschaften. Und genau dafür setzen wir uns bei der fenaco ein – heute und in Zukunft.

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