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Landleben

«Der Umwelt Sorge tragen»

Junglandwirt Christian Schüttel ist überzeugter Biobauer. Auf seinem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb im Kanton Aargau probiert er gerne Neues aus. Sein Können stellte er bereits bei mehreren Meisterschaften unter Beweis.

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freie Mitarbeiterin, LID

Bio-Junglandwirt

Auf Bio hat sein Vater bereits im Jahr 2000 umgestellt. Ein radikaler und ehrgeiziger Entscheid findet der heute 20-jährige Christian Schüttel, der im elterlichen Betrieb angestellt ist. «Wer nichts wagt, gewinnt nichts» ist die Devise des Jungbauern. Für ihn ist klar, dass – wenn die betriebliche Übernahme ansteht – er den Hof auch biologisch weiterführen wird. Er will der Umwelt Sorge tragen und sieht keinen Sinn darin, Hormone, Antibiotika oder Pestizide einzusetzen. Der rund 50 ha grosse Bio-Bauernhof im beschaulichen Hirschthal AG lebt von Milchvieh und Ackerbau. Gegen Unkraut auf dem Feld setzt Christian Schüttel keine Spritzmittel ein, sondern geht mit mechanischen Mitteln gegen sie vor. Zudem setzt er auf Getreidesorten, die weniger anfällig sind auf Krankheiten. Den Folgen des möglichen Freihandelsabkommens zwischen den USA und Europa blickt er deshalb skeptisch entgegen. Er findet es widersinnig, das Wachstum von Tieren medikamentös zu puschen oder Pflanzen gentechnisch so zu verändern, dass sie resistenter sind oder schneller wachsen. «Biobetriebe sind ein gutes Beispiel dafür, dass es auch anders geht», meint er überzeugt. «Nicht ein maximaler, sondern ein optimaler Ertrag ist mein Ziel». Christian Schüttel ist es wichtig, dass der Boden nicht zu intensiv bewirtschaftet wird und damit die Bodenaktivität und die Struktur des Bodens erhalten bleiben. Auch beim Einsatz von Kraftfutter bei seinen Kühen ist er zurückhaltend, weil bei zu hohen Mengen der Pansen der Kuh übersäuern kann. Der Einsatz von Kraftfutter ist bei biologisch betriebener Milchwirtschaft limitiert auf 10%.

Bis anhin wächst auf den Feldern des Talhofes der Familie Schüttel Weizen, Dinkel, Körner- und Silomais sowie Gras. Im Ackerbau will der Jungbauer im nächsten Frühjahr aber Soja säen. Soja ist in der Schweiz nicht so verbreitet. Ob es mit den Böden rund um den Talhof aber auch wirklich klappt, ist unsicher. «Soja ist eine schmale Pflanze, nur ein Stängel mit Schoten dran», meint Schüttel. «Da kann bei der Unkrutregulierung, insbesonders beim Striegeln, die Pflanze schnell kaputtgehen, das ist heikel». Aber er liebt die Herausforderung und will auch mal etwas Neues probieren.

Ausgezeichneter Bauer

Christian Schüttel holte sich zwei Auszeichnungen in den letzten beiden Jahren. Auf dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen war er 2015 während seinem letzten Ausbildungsjahr unter den sieben besten Schülern und hatte damit die Chance, an den aargauischen Berufsmeisterschaften teilzunehmen. Er holte sich glatt den Meistertitel. Der junge Landwirt musste sich intensiv mit Pflanzen auseinandersetzen. Geprüft wurde nebst Pflanzenbau aber auch die Berechnung eines Neubaus, Tierhaltung, Geschicklichkeitsfahren mit Traktor und Anhänger sowie Schlachtviehbeurteilung. Durch den Sieg konnte er den Kanton Aargau im September 2016 bei den Schweizermeisterschaften im Berufsfeld Landwirtschaft, den Agriskills, vertreten und belegte den hervorragenden 3. Rang. Auch da wurden Pflanzenkenntnisse samt ihren Krankheiten geprüft, das Umgehen mit verschiedenen Maschinen, das Kuhmelken und er musste einen Marktstand gestalten. Das viele Lernen für die Teilnahme an diesen Berufsmeisterschaften brachten ihm vor allem fundiertere Kenntnisse in den verschiedenen Fachgebieten. Dass er auf dem elterlichen Betrieb arbeitete, war für ihn in dieser Zeit ein entscheidender Vorteil. Christian Schüttel konnte sich zwischen der Arbeit auch einmal absetzen und büffeln. Zwar schluckte er anfangs leer, als er realisierte, wie viel Know-how an den Meisterschaften gefragt war. Sein Einsatz und sein Ehrgeiz haben sich aber gelohnt. Es bescherte ihm nebst Bronze auch vermehrte Präsenz in verschiedenen Medien und eine Einladung an die Generalversammlung des Bauernverbands Aargau. Auf diesen Lorbeeren will sich Schüttel aber nicht ausruhen. Seine nächsten Zukunftsschritte sind klar: zuerst will er die Betriebsleiterschule machen und dann die Meisterprüfung. Auf dem Talhof in Hirschthal scheint ein weiterer ehrgeiziger Biobauer heranzuwachsen. 

AutorinLis Eymann, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID, Weststrasse 10, 3000 Bern 6, www.lid.ch

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