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Landleben

50 000 potenzielle Kunden

Früher allein auf weiter Flur in Wettingen, grenzen heute Wohnblocks direkt an den Landwirtschaftsbetrieb der Familie Lüscher. Die Stadtnähe ermöglicht den Direktverkauf ihrer Produkte. Sorgen bereitet den Lüschers die Siedlungsentwicklung.

Tobias Lüscher (l.), Gaby Moser und Ueli Lüscher

Tobias Lüscher (l.), Gaby Moser und Ueli Lüscher haben ihren Betrieb auf die Direktvermarktung ausgerichtet.

(Michael Wahl)

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Der letzte Wohnblock wurde im August 2017 fertiggestellt. Damit rückte die Stadt Wettingen wiederum einen Schritt näher an den Hof der Familie Lüscher. Noch vor 20 Jahren lag dieser allein auf weiter Flur, heute sind die Häuserblocks lediglich einen Steinwurf entfernt. In unmittelbarer Nähe des 25-Hektaren-Betriebs befinden sich Fussballplätze, ein Einkaufs- und Sportzentrum, die Autobahn sowie ein Kieswerk. Ueli Lüscher steht auf seinem Erdbeeren-Feld, lächelt und sagt: «Wir haben im Umkreis von fünf Kilometern 50 000 potenzielle Kunden. Das ist doch toll.» Lüscher, der mit seiner Partnerin Gaby Moser und seinem Sohn Tobias den Hof nach IP-Suisse-Richtlinien bewirtschaftet, empfindet die Nähe zur Stadt nicht als Bedrohung, sondern als Chance. «Wir können unsere Produkte vollumfänglich in der Region verkaufen – direkt ab Hof und in lokalen Läden», sagt Tobias Lüscher.

Nahe bei den Konsumenten

Die Familie Lüscher hat den Vorteil, welcher die Lage am Stadtrand bietet, erkannt und ihren Betrieb vor rund zehn Jahren auf die Direktvermarktung ausgerichtet. Den Grundstein dazu gelegt haben Traugott und Elda Lüscher, Uelis Eltern und Tobias’ Grosseltern. Die beiden heute 94und 90-Jährigen haben früher am Strassenrand Erdbeeren feilgeboten. Heute verfügen die Lüschers über einen Hofladen, in dem sie eine breite Palette an Lebensmitteln aus der Region anbieten. Das Sortiment reicht von Obst, Gemüse, Eiern, Salatsaucen, Konfitüren bis hin zu Teigwaren und Zöpfen. Einen Teil der Produkte beziehen sie von anderen Bauern, die Lüschers selber haben sich auf den Anbau von Erdbeeren, Kürbissen, Zwetschgen und Kirschen spezialisiert. Dazu kommen ein Blumenfeld zum Selberpflücken, Pensionspferde, Christbäume, Cheminéeholz, Ackerbau und Hühner.

Freiland-Hühner im mobilen Stall

Diese geniessen – im Vergleich mit ihren Artgenossen auf anderen Betrieben – auf dem Lüscherhof ein paradiesisches Leben. Ganztägig dürfen die Hühner bei Lüschers auf die Weide. Möglich machen dies zwei mobile Ställe, welche die Lüschers kürzlich angeschafft haben. Diese verschieben die Stadtbauern regelmässig auf ihren Weiden. Früher wurden die Hühner im Stall gehalten. «Das war einfach nicht mehr zeitgemäss», sagt Gaby Moser. Viele Kunden hätten sich nach Eiern aus Freilandhaltung erkundigt. «Deshalb habe ich gesagt: Die Hühner müssen raus. Seither verkaufen wir viel mehr Eier», freut sich Moser. Auch bei den Pensionspferden steht das Tierwohl an oberster Stelle. Die zehn Tiere dürfen Tag und Nacht auf die Weide.

Mit Qualität punkten

Beim Obst legen die Lüschers grossen Wert auf Qualität. «Die Früchte müssen frisch sein und auch geschmacklich überzeugen. Durchschnittlich zu sein reicht nicht, wir müssen uns von der Konkurrenz abheben», betont Stadtbauer Ueli Lüscher. Um Erfolg in der Direktvermarktung zu haben, müsse man kontaktfreudig sein, gibt Tobias Lüscher zu bedenken. «Man muss sich auch mal in stressigen Momenten Zeit für ein Gespräch mit Kunden nehmen.» Die Konsumenten würden das schätzen, ebenso wie die Transparenz. «Die Leute wollen vermehrt wissen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden», ergänzt Gaby Moser. «Unser Hof steht allen Interessierten offen.»

Bedrohliche Stadtentwicklung

Sorgen bereitet den Lüschers die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. «Es gibt Stadtentwicklungs-Pläne, wo unser Hof nicht mehr eingezeichnet ist», so Tobias Lüscher. «Die ungewisse Zukunft macht uns am meisten Angst», betont Gaby Moser. Tobias Lüscher wird im nächsten Jahr zusammen mit seiner Frau Larissa auf den Hof ziehen, Vater Ueli und Gaby Moser werden ein neues Zuhause suchen, aber weiterhin auf dem Betrieb mithelfen. Als Nächstes wollen sie im alten Hühnerstall einen neuen Hofladen einrichten, weil der heutige zu klein ist. Die Vergrösserung des Betriebs ist kein Ziel. Zusätzliche Flächen zu pachten ist ohnehin fast unmöglich. «Man muss auch mal zufrieden sein», sagt Ueli Lüscher. «Wir wollen lieber das Bestehende gut machen», ergänzt Tobias Lüscher. 

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