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Landleben

Geliebte Kräuter vermehren

Die meisten einjährigen Kräuter wie Basilikum, Dill, Koriander und Co. können über die Aussaat angezogen werden. Bei den mehrjährigen Kräutern sieht dies anders aus. Die Stecklingsanzucht bietet hier eine Alternative.

Bis die Salbeistecklinge Wurzeln gebildet haben, braucht es etwas Geduld. 

Bis die Salbeistecklinge Wurzeln gebildet haben, braucht es etwas Geduld. 

(Carole Kündig)

Publiziert am

Obergärtner und Fachlehrer Gartenbau, Wallierhof

Spezielle Sorten von Minzen, Salbei, Thymian, Goldmelisse, Lavendel und vielen weiteren Kräutern fallen durch die Samenvermehrung nicht sorten- und geschmacksecht aus. Durch die Erstellung von Stecklingen ist es möglich, Lieblingskräuter zu erhalten.

Material und Zeitpunkt

Das Ausgangsmaterial sollte gesund und wüchsig sein. Blühende Triebe sind zu vermeiden, denn die Bewurzelung geht hier nur mühsam vonstatten. Der optimale Zeitpunkt für die Vermehrung ist zwischen April und Mai (Erstaustrieb). Zu diesem Zeitpunkt sind die ausgewählten Triebteile noch in weichem Zustand und bewurzeln relativ schnell. Im Herbst ist die Vermehrung ebenfalls möglich; die Bewurzelungsdauer verlängert sich aber.

Technik und Anzucht

Mit einem scharfen Messer werden die Stecklinge in eine Länge von drei bis sechs Zentimeter geschnitten. Es wird dabei ein gerader Schnitt unterhalb eines Blattes (Nodienpunkt) gemacht. Bei grossblättrigen Kräutern können die Blätter noch eingekürzt werden; dies reduziert die Wasserverdunstung. Je nach Pflanzenmaterial können Spitzentriebstecklinge oder Teiltriebstecklinge geschnitten werden. Die unteren ein bis zwei Blattetagen werden sorgfältig abgeschnitten, damit die Blätter nicht in die Erde kommen, wo sie faulen könnten. Gesteckt werden die Stecklinge in eine lockere, ungedüngte und möglichst torffreie Anzuchterde. Kunststoffschalen, Eierkartons, Joghurtbecher (mit Löchern für den Wasserablauf) oder auch Kunststoff- oder Tontöpfe, sind geeignete Behältnisse. Nur an der Schnittstelle ist es dem Steckling möglich, Wasser aufzunehmen. So ist es wichtig, das Substrat gut anzudrücken, um eine Verbindung zwischen diesem und dem Steckling zu gewährleisten.

Folienabdeckung

Damit die Bewurzelung schneller abläuft, hält man die Stecklinge «unter gespannter Luft». Dafür werden diese mit einer dünnen Plastikfolie überdeckt (auch Frischhaltefolie eignet sich). Ein direktes Aufliegen der Folie auf den Pflanzen ist zu vermeiden. Ein kleiner Aufbau, beispielsweise aus Holzspiessen schafft hier Abhilfe. Damit sich unter der Folie nicht zu viel Kondenswasser ansammelt, wird die Folie einmal pro Tag ausgeschüttelt und gewendet. Sobald sich Wurzeln gebildet haben, kann die Folie ganz entfernt werden.

Die Standortfrage

Ein heller, aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützter Standort bei rund 20°C bietet optimale Bedingungen für das Anzuchtverfahren. Die Stecklinge werden dabei feucht, aber nie nass gehalten. Sind die Stecklinge gut bewurzelt, können sie mit einer Blumen- oder Kräutererde in Pflanzgefässe getopft werden. Wichtig ist, dass man mit dem Topfen wartet, bis die Wurzeln gut ausgebildet sind. 

Sortenvorschläge mehrjähriger Kräuter

  • Breitblättriger Salbei, zum Beispiel Sorte «Berggarten», und Krauseminze (auch Marokkanische Minze genannt) sind zwei typische Heilpflanzen- und Teeminzen mit intensivem Menthol-Gehalt. 
  • Goldmelisse der Sorten «Cambridge Scarlet» und «Squaw» mit einheitlich roten Blüten, letztere relativ resistent gegen echten Mehltau. 
  • Thymian Sorte «Compactus», ein Küchenthymian mit kompaktem Wuchs und intensivem Aroma.

Anzuchterde selber herstellen

  • 30 % Sand 
  • 20 bis 30 % Landerde (je nach Schwere) 
  • 30 % gut ausgereifter Kompost 
  • 10 bis 20 % Perlit
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