Landleben

Inforama Wildobst – Die Feinen Wilden in St. Gallen

In St. Gallen wurde die öffentliche Wildobst-Sammlung eröffnet. In der Nähe des Botanischen Gartens werden mehr als 350 Pflanzen von über 40 Arten gezeigt. Gartenfreunde, aber auch Landwirte finden hier eine grosse Quelle der Inspiration. Mit QR-Codes können sie bei jeder Art wichtige Informationen im Internet abrufen. Die Sammlung ist Teil der grössten Wildobstsammlung Europas.

(Bild: Miklos Kamor)

Publiziert am

Hinter Wildobst steckt Superfood. Das weiss, wer die in Mode gekommen Goji-Beeren noch als „Gemeiner Bocksdorn“ kennt. Bekannt sind sicherlich Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren, die am Waldrand wachsen. Aber was ist mit der Zierquitte, Berberitze und Hartriegel? Wildobst sind Sträucher oder Bäume, die kaum züchterisch bearbeitet und oft mühsam zu ernten sind. Dennoch ist Wildobst gut an das Klima gut angepasst und leistet einen wichtigen Beitrag zur Biodivesität. Denn Wildobst bietet Futter, Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Kleintiere.
Klimawandel, industrielle Landwirtschaft und Biodiversitätsverlust sind drei Stichworte, die in den Medien eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Wildobst verbessert nicht nur die Biodiverstität, es ist auch anpassungsfähig oder schon an lokale Klimaverhältnisse angepasst. Zudem bietet es als Hecken oder an Waldrändern eine Möglichkeit, das in der industriellen Landwirtschaft monoton gewordene Landschaftsbild aufzuwerten.
Wildobst bietet Landwirten die Möglichkeit, mit einer Nischenproduktion ein zusätzliches Standbein zu aufzubauen. Erste Anbauerfolge etwa mit kleinen Goji-Beeren-Plantagen weisen in diese Richtung. Auch Gartenfreunde oder Einfamilienhausbesitzer können sich bei der, jederzeit öffentlich zugänglichen Sammlung beim Botanischen Garten in St. Gallen, inspirieren lassen.

Wildobst – Fremdes und Vertrautes

Bisher hat noch niemand wirklich geprüft, was und wie viele Arten und Sorten eigentlich unter dem Begriff „Wildobst“ in Europa existieren. Mit Unterstützung des Lotteriefonds St. Gallen und einigen Stiftungen und Gönnern hat sich SAVE Foundation 2017 an die Arbeit gemacht: Im „Inforama Wildobst" wurden die Ergebnisse der umfassenden Recherchearbeit verständlich erfasst. Anfangs ging SAVE von über 100 Arten und 500 Sorten aus, doch bald stellte sich heraus,  dass Arten- und Sortenzahl weit höher liegen. Aktuell umfasst die Internetplattform mehr als 270 Arten und rund 2 000 Sorten. Neben Herkunft, Aussehen und Eigenschaften werden auch Bezugsquellen, Kulturhistorisches, Rezepte, Tipps und Tricks aufgeführt. Noch sind nicht alle Arten und Sorten umfassend beschrieben.

Ein Erweiterungsprojekt

In einem weiteren Projekt will die SAVE-Foundation Ergebnisse der Recherchen nutzen und Broschüren herausgeben mit Rezepten, Tipps und Tricks, aber auch mit Tradition und Geschichten, die beweisen, wie stark früher Wildobst Teil der kulturellen Entwicklung war. Was hat Frau Holle mit dem Holder zu tun? Was bedeuten sechs Haselnüsse an einem Stiel? Workshops und Degustationen sind ebenfalls vorgesehen. Diese werden aber in der europaweit grössten Sammlung von Wildobst in Mogelsberg stattfinden. Wegen der vielen Sorten und Arten wird dort beim Baumwipfelpfad die neue Pflanzung entstehen. Wenn es soweit ist, werden die Medien wieder informiert.

Für das Erweiterungsprojekt in Mogelsberg werden noch weitere Gönner gesucht.

Das Projekt geht also weiter.

Wildobst ist in vielen Bereichen relevant

Wildobst als Superfood: Aroniabeeren, Preiselbeeren, Heidelbeeren…. Die Liste lässt mit Früchten lässt sich beliebig lang fortsetzen, die durch besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften bekannt sind.

Wildobst und Landwirtschaft: Landwirten bietet Wildobst die Chance, ein zweites Standbein aufzubauen. Dies vor allem, weil sie die immer populärer werdenden Hoflädeli mit Produkten aus Wildobst bestücken können und die Wertschöpfungskette auf dem Hof bleibt.

Wildobst und Biodiversität: Wildobst bietet über Monate hinweg ein reichhaltiges Blüten- und Früchteangebot für Insekten und kleine Säugetiere. Es bietet zudem Unterschlupf und Schutz.

Wildobst und Landschaftsschutz: Zur klassischen Landschaft der Schweiz gehören weitläufige Hecken, deren Schönheit man erst erkennt wenn man eine Landschaft mit Hecken gesehen hat. Die Schweizer Landschaft ist ausgeräumt, doch das Projekt soll zeigen, dass man Landschaftsschutz, Förderung der Biodiversität, die Produktion eines gesunden Nahrungsmittels und eine alternative Einkommensmöglichkeiten unter einen Hut bringen kann. Angesprochen sind aber auch Einfamilienhausbesitzer, die ihren Umschwung von seiner Sterilität befreien könnten und etwas für die Biodiversität tun.

 Quelle: Waltraud Kugler/ SAVE Foundation Projektbüro St. Gallen

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