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Landleben

Lust auf einen Landgarten?

Romantische Bauerngärten stehen erneut hoch im Kurs. Mit ihrem ländlichen Charme bringen sie ein Stück Natur zurück direkt vor unsere Haustür. Ein Landgarten lässt sich längst nicht nur stilecht vor behäbigen Riegelhäusern gestalten, sondern auch improvisiert vor neueren Bauten.

Bauerngarten

Kraut und Rüben kunterbunt: Die Blütenpracht verleiht dem Nutzgarten einen unwiderstehlichen Charme.

(ele-joe / pixelio)

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Aktualisiert am

Freie Journalistin

Prunkvolle Parks zum Lustwandeln und verschwiegene Gärtchen mit heilkräftigen Pflanzen haben Historiker einst minuziös beschrieben. Wie das gemeine Volk seine Scholle urbar machte, um Hungers nöte zu überleben, hat die Studierten damals keinen Deut interessiert.

Des Schreibens meistens unkundig, vererbte sich gärtnerisches Wissen von Generation zu Generation. Erst als Töchter und Söhne in die Stadt zogen, riss die Jahrhunderte alte Kette der mündlichen Überlieferung. Heute werden die Weisheiten mit Akribie zusammengetragen und erleben im naturnahen Anbau eine wahre Renaissance.

Und dies aus gutem Grund: Pflanzen, die Jahrzehnte überdauert haben, sind robust und pflegeleicht. Bei der traditionellen fröhlich bunten Mischkultur von Blumen, Gemüse, Kräutern und Beeren ergänzen sich die Gewächse harmonisch im Wachstum und halten sich gegenseitig Pilzkrankheiten und Schädlinge ab.

Gebändigter Wildwuchs

Die wesentlichen Elemente eines Bauerngartens laden ein zur Improvisation: Kletterpflanzen und Spalierbäume begrünen Fassaden und schaffen eine harmonische Verbindung zwischen Garten und Haus. Eine rechteckige oder quadratische Anordnung ist meistens die Norm. Der Garten wird mit einen halben Meter breiten Wegen in Kreuzform unterteilt. Das Zentrum bildet eine Rondelle mit Springbrunnen, einem Rosenbäumchen, einer Skulptur oder einer Säule, auf die man eine Schale mit wechselnder Bepflanzung stellen kann.

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Traumhaft schönes Gespann: Artischocken umschmeicheln das hübsche Rosenbäumchen.

(Peter Meyer / pixelio)

Ursprünglich waren die Wege mit Gerberlohe, der zum Gerben verwendeten Eichenrinde, bedeckt; heute sind es Rindenmulch oder Holzschnitzel. Das kunterbunte Durcheinander von Gemüse, Blumen und Kräutern wird mit geometrischen Beeteinfassungen in Schach gehalten. Als gestalterische Elemente ist alles erlaubt, was natürlich ist: Natursteine, kleine Holzpfähle oder der klassische Buchs als Beeteinfassung. Er ist allerdings mit beachtlichen Kosten für die vielen Laufmeter verbunden und muss jährlich geschnitten werden. Zudem wird er von Buchsbaumzünslern bedroht und ist anfällig für Pilzkrankheiten.

Hübsche Alternative sind Einfassungen mit anderen Pflanzen wie Thymian, Schnittlauch, Lavendel, Steinkraut (Alyssum saxatile), Frauenmantel, Monatserdbeeren, Hauswurz oder Mauerpfeffer (Sedum acre).

Nur das umfriedete Land stand einst unter Eigentumsschutz. Doch zeigte man seine Gartenpracht mit Stolz und konstruierte einen Lattenzaun, der Einblick gewährte. Die Besucher schritten meist durch einen kunstvoll geschmiedeten Rosenbogen.

Kräuter für die Hausapotheke

Die Schönheit der Blumen und ihr vielfältiger Nutzen gehen im Bauerngarten Hand in Hand. Die meisten fanden als Heil- und Färberpflanzen Verwendung: Königskerzen gegen Husten und Erkältung, genauso wie Malven; ihre dunkelvioletten Blütenblätter färbten einst den Wein. Die in Alkohol eingelegten Blüten der Madonnenlilie dienten der Wundheilung, die «Veilchenwurz», geschälte Rhizome (Wurzelstock) der Bartiris, als Beissring für zahnende Kleinkinder.

Ein gepresstes Sträusschen mit Riechpflanzen wie Eberreis (Artemisia abrotanum), Rainfarn und Pfefferminze lag als Antischlafmittel im Kirchengesangsbuch. Wenn das Sandmännchen die von der harten, körperlichen Arbeit erschöpften Bäuerinnen und Mütter vieler Kinder zu übermannen drohte, atmeten sie die intensiven, ätherischen Öle der Kräuter ein.

Andere Blütenpflanzen wie Ringelblumen, Kapuzinerkresse und Tagetes verbessern die Bodenstruktur und halten Schädlinge vom Gemüse ab. Lavendel und Knoblauch fördern das gesunde Wachstum von Rosen, deren Hagebutten Konfitüre und Tee liefern, sowie Rosenwasser für feines Gebäck.

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Augen- und Gaumenschmaus: Rubinroter Krautstiel zaubert Farbe in den Garten – und auf den Teller.

(Martin Jäger / pixelio)

Vielfältige Nutzpflanzen

Aus den Wurzeln des Seifenkrauts (Saponaria officinalis) entstand Lauge zum Waschen. Dazu werden die Wurzeln gereinigt, in kleine Stücke geschnitten und in Wasser ausgekocht. Die duftenden, lilarosafarbenen Blüten öffnen sich überaus üppig von Juni bis September. Vorsicht: die buschige, etwa 70 Zentimeter hohe Staude neigt zum Wuchern!

Flachs ist der Stoff, aus dem Leinen gewoben wird. Chemiefasern haben das seit dem 16. Jahrhundert bekannte, robuste Gewebe weitgehend verdrängt. In Form von Leinöl und Leinsamen für die gesunde Ernährung steht die altehrwürdige Flachspflanze (Linum usitatissimum) nun erneut hoch im Kurs. Mit ihren zartblauen Blüten ist sie einfach himmlisch: Von Mai bis September öffnen sich unermüdlich jeden Morgen neue Blüten, die am Nachmittag verwelkt abfallen. Flachs wird im Frühjahr aus Samen gezogen und muss weder gegossen noch gedüngt werden.

Die Wurzeln von Färberkrapp sowie die Blätter und Blüten der Färberweid sind Ursprung der roten Hosen und blauen Jacken der Franzosenuniform Napoleon III. Für naturgefärbte Wolle sind sie jetzt erneut gefragt.

Gärtnern mit Köpfchen

Die kunterbunte Mischkultur mit Gemüse, Salat, Kräutern und Blumen im Hausgarten steigert den Ertrag. Denn viele Pflanzengemeinschaften fördern sich gegenseitig im Wachstum und halten sich gegenseitig Schädlinge und Pilzbefall vom Leib. Es gibt aber auch Gewächse, die sich buchstäblich nicht riechen können.

Jede Pflanze stellt bestimmte Anforderungen und kämpft um ihre besten Nährstoffe. Dabei ist sie nicht zimperlich, lästige Konkurrenten auszuschalten. Bereits der Fruchtwechsel schafft die Voraussetzung, dass der Humus nicht einseitig ausgelaugt wird und Schädlinge und Pilzkrankheiten überhandnehmen können.

Klug ist, wer auf dem gleichen Beet nie zweimal hintereinander dasselbe Gemüse anbaut. Falls Sie Peterli am gleichen Ort wie im Vorjahr ausgesät haben, wissen Sie, was gemeint ist: Ausser ein paar kümmerlichen, gelben Blättchen keine Spur von Suppengrün …

Gute Resultate ergibt der Turnus von Frucht-, Blatt- und Wurzelgemüse. Fruchtgemüse sind Gurken, Tomaten, Bohnen; Blattgemüse alle Kohlarten, Salate, Fenchel, Spinat, Lauch; Wurzelgemüse Rüebli, Randen, Sellerie.

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Zwei die sich mögen und sich gegenseitig mit gesundem Wachstum unterstützen: Rotkohl zu Füssen von Tomaten. 

(Kladu / pixelio)

Gut zu wissen

Für die Selbstversorgung einer 4-köpfigen Familie rechnet man mit rund 100 Quadratmeter Nutzgarten. Das entspricht in etwa auch einem Einsatz von 100 Arbeitsstunden. Klug ist, wer auf gestaffelte Ernten achtet und lagerfähigem Gemüse und tiefkühlgeeigneten Sorten den Vorzug gibt. 

  • Beete von einem Meter Breite sind leichter zu bestellen als solche mit dem Normalmass von 120 Zentimetern. 
  • Praktisch sind Gehplatten: Sie ermöglichen einen sauberen Zugang bei Regen, speichern Wärme und sparen das Jäten in den Wegen. 
  • Buschbohnen lassen sich am Beetrand einfacher Pflücken, Rüebli, Radiesli und Rettich besser vereinzeln (erdünnern). 
  • In der Beetmitte Gemüse mit wenig Handarbeit wählen, etwa Kohlarten, Stangenbohnen, Kopfsalat oder Tomaten. 
  • Achten Sie bei der Sortenwahl auf Bezeichnungen wie «robust» oder «resistent» und halten Sie sich an die Kulturanleitung auf den Samentütchen.

Kulturen bunt gemischt

Das Gegenteil von Mischkulturen sind Monokulturen – riesige Flächen etwa mit Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais oder ein Wald bestand, der nur aus schnellwüchsigen Tannen besteht. Solche künstlich geschaffenen Bepflanzungen sind anfällig für Krankheiten sowie Schädlinge.

Im Hausgarten kann man die Natur nachahmen und harmonische Pflanzengemeinschaften schaffen. So fördern Leguminosen wie beispielsweise Erbsen, Bohnen und Lupinen mit ihren Stickstoffansammlungen in den Wurzeln das Blattwachstum von anderen Pflanzen, wie Kohlarten, Spinat, Lauch und Salat.

Gute Nachbarschaften

Einige Gemüsekombinationen schützen sich gegenseitig vor Schädlingen: Rüebli vertreiben die Lauchmotte, Lauch die Möhrenfliege. Kopf- und Schnittsalat zwischen Kohlgewächsen helfen gegen Erdflöhe. Tomaten neben Kohlgewächsen halten die Kohlfliege ab. Knoblauch und Zwiebeln schützen Erdbeeren vor Pilzkrankheiten und Erdbeermilben. Lavendel oder Knoblauch, die ins Rosenbeet gesetzt werden, intensivieren den Duft der Rosen und halten sie gesund.

Mischkulturen steigern den Ertrag, weil Pflanzen, die schlank und rank nach oben wachsen, mit solchen, die niedrig bleiben und sich ausbreiten, kombiniert werden. Zum Beispiel Rüebli, die den Raum tief im Boden nutzen, zusammen mit Lauch oder Zwiebeln, die sich an der Oberfläche ausbreiten. Zugegeben, einfach ist es nicht mit Mischkulturen. Für Unerfahrene genügt es jedoch, schlechte Nachbarschaften zu kennen und zu vermeiden.

Grüne Tipps für den Nutz- und Ziergarten im Februar

  • Saattermin auf der Fensterbank ist für Artischocken, Auberginen, Peperoni und Chili, Kopfsalat, Eisberg, Kohl und Blumenkohl, Kohlrabi, Knollen- und Stangensellerie. 
  • Um der «Umfallkrankheit» vorzubeugen, (sterile) Aussaaterde und saubere Gefässe verwenden! 
  • Saatschalen für gleichmässige Feuchtigkeit mit Haushaltfolie oder einer Glasscheibe abdecken, bis erstes Grün sichtbar wird. 
  • Pflanzen vereinzeln (pikieren), sobald man sie mit zwei Fingern gut fassen kann. 
  • Kresse und Keimsprossen sowie Küchenkräuter auf der Fensterbank kultivieren. 
  • Frühkartoffeln an einem hellen Platz bei 10 bis 12 °C vorkeimen lassen. 
  • Für eine frühe Blüte die Knollen von Begonien, Calla, Canna, Dahlien und Lilien in Töpfen mit Erde antreiben.
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