Landleben

Verschiedene Standbeine sind nötig

Die ländliche Idylle trügt. Neben dem Hof von Susanne und Ueli Iseli rauscht die Autobahn, ihre Äcker grenzen an die nahen Überbauungen der Stadt Frauenfeld, das Naherholungsgebiet liegt vor der Haustüre – inklusive Hundesäcklein.

Susanne und Ueli Iseli beim Füttern der Alpakas.

Publiziert am

freie Journalistin

Stadtbauern  «Ein Geben und Nehmen»

Der Hof von Susanne und Ueli Iseli ist eine Begegnungsoase. Ein Ort, wo sich Menschen und Tiere näherkommen, erklärt Susanne Iseli (46) und zeigt auf das neu gebaute Blockhaus und die verschiedenen Tiere, die sich auf dem grosszügigen Hofplatz tummeln. Ueli Iseli (51) ist auf diesem Hof aufgewachsen und betreibt ihn zusammen mit seiner Frau Susanne in der vierten Generation. «Verschiedene Standbeine sind auf unserem Betrieb nötig», sagt Susanne und beginnt zu erzählen.

Spielgruppe als Milchgeldersatz

2005 entschied man sich, von der Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umzusteigen und so kamen die ersten drei Rätischen Grauviehkühe mit ihren Kälbern auf den Hof. Bis heute sind deren Nachkommen zu einer Herde von acht Mutterkühen mit Kälbern, vier Rindern und acht Ochsen herangewachsen. Gleichzeitig liess sich Susanne zur Spielgruppenleiterin ausbilden. «Waldspielgruppen hatte man schon, doch mit einer Spielgruppe auf dem Bauernhof waren wir bei den Pionieren im Thurgau», erzählt sie strahlend. Die Idee schlug ein, man baute ein grosses Tipi für das Geschichtenerzählen, ansonsten waren die Kinder mit ihren Leiterinnen draussen bei den Tieren. Zu Grauvieh, Esel, Pferden, Ziegen, Hasen, Hühnern und Gänsen kamen noch sieben Alpakas und drei Milchschafe dazu. Das Einkommen liess sich sehen, der Lohn ersetzte das Milchgeld.

Hundesäcklein und graues Brot

Nach neun Jahren Spielgruppenbetrieb auf dem Hof war das Ehepaar Iseli müde. Es reifte die Idee, das Tipi abzubrechen und am selben Platz ein Blockhaus zu bauen, in dem man Gäste bewirten kann. Zwischenzeitlich habe man auch angefangen, das eigene Fleisch, saisonales Gemüse und Eier zu verkaufen. Spaziergänger kaufen gerne ab Hof ein und viele Velofahrer nutzen das Angebot ebenfalls. «Es ist ein Geben und Nehmen», sagt Ueli und erzählt, dass es natürlich auch Negatives gebe in der Landwirtschaft in Stadtnähe. Heute sei es nicht mehr möglich, die Strassenränder als Futter zu nutzen. Zu viele Hundesäcklein liegen zuweilen im Gras. Wenn dieser Unrat im Tierfutter landen würde, wäre es noch viel schlimmer als ohne Sack. Als zunehmend Spaziergänger und Velofahrer anfingen, ihre Tiere zu füttern, mussten Iselis eingreifen. Sie haben ein Schild angebracht, dass sie gerne altes Brot für die Tiere annehmen, aber nicht wollen, dass das Brot selber verfüttert werde. Die meisten Leute fragen nach, doch es gebe auch diejenigen, die den Tieren achtlos weiches oder graues Brot hinstrecken. Auch gehen einzelne Spaziergänger während der Vegetationszeit achtlos über die Felder und zertreten das Gras. «Wir haben uns arrangieren müssen, denn allgegenwärtiger Ärger frisst zu viel Energie», sind sie sich einig. «Es gibt beim Zusammenleben einfach immer zwei Seiten.» Sie seien sich auch bewusst, dass die Geruchsemissionen und der Lärm beim Ausbringen der Jauche, je nach Windrichtung, auch nicht sehr angenehm seien, erklärt das Paar.

Information tut Not

Was in finanzieller Sicht früher die Spielgruppe leistete, haben heute die Schule auf dem Bauernhof (SchuB) und die Anlässe für Gesellschaften im Blockhaus wettgemacht. Susanne ist vom Projekt SchuB begeistert. Noch seien die Vor- und Nachbereitungen der Lektionen intensiv und das Vortragen herausfordernd, erzählt die Bäuerin. Doch Herausforderungen bringen auch Erfolg, stellt sie fest und erwähnt gleichzeitig, dass auch der Betrieb im Blockhaus nicht ganz so reibungslos angelaufen sei. «Unsere Stärken und Schwächen mussten sich zuerst herauskristallisieren», erzählt das Paar. Heute habe sie es besser im Griff und können 30 Personen mit Grilladen, Salaten, Pizzen oder mit Fondue bewirten. Vorgenommen haben sie sich noch eine bessere Information für Gäste, Spaziergänger und Velofahrer. «Wir müssen den Leuten erklären, was wir auf unserem Hof machen, weshalb wir so viele verschiedene Tiere haben und was wir ihnen auch Spannendes zu bieten haben», erklärt Susanne Iseli. 

AutorinRuth Bossert, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID, Weststrasse 10, 3000 Bern 6, www.lid.ch

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