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Landleben

Wie aus Wasser Wein wurde

Zeininger Wein wird regelmässig mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Dem war nicht immer so – warum dieses kleine Dorf im Fricktal zum Geheimtipp für Weinliebhaber geworden ist.

Die überragende Qualität der Zeininger Weine ist auch der Professionalisierung, Mengenbegrenzung, neuen Sorten und der günstigen, sonnigen Lage geschuld...

Die überragende Qualität der Zeininger Weine ist auch der Professionalisierung, Mengenbegrenzung, neuen Sorten und der günstigen, sonnigen Lage geschuldet.

(Andrea Freiermuth)

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Freie Journalistin

Der Zeininger hatte einst einen überaus lausigen Ruf: Der Wein aus dem 2400-Seelen-Dorf im Fricktal galt als sauer und wässrig. Inzwischen hat er sich zum edlen Tropfen gemausert, der des Öfteren einen Preis abräumt. Wie kommt es zu dieser bemerkenswerten Qualitätssteigerung?

Profis im Weinberg

Bis Anfang der 90er-Jahre wurde der Rebberg am Eingang des Wegenstettertals von rund einem Dutzend Bauern bewirtschaftet. Heute sind es bis auf ein paar private Hobbywinzer eigentlich bloss noch zwei Betriebe: Jeck Weine und Weinbau Gerhard Wunderlin. Daniel Jeck ist Meisterlandwirt und diplomierter Weintechnologe, Gerhard Wunderlin diplomierter Winzermeister und seine Frau Andrea, geborene Bachmann, studierte Önologin. Kurz: Heute wird der Rebberg nicht von Laien bewirtschaftet, sondern von Profis.

Keltern oder keltern lassen

Daniel und Désirée Jeck betreiben einen Mischbetrieb mit 41,5 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche, wovon 15 Hektaren Ackerfläche und 1,7 Hektaren Rebberg sind. Zudem halten sie 36 Mutterkühe. Sie lassen ihre Trauben bei der zur fenaco gehörenden Rutishauser Divino SA in Winterthur keltern. Wobei Daniel Jeck seine Trauben hier nicht nur abliefert, sondern auch seine Kompetenz einbringen kann. Gerhard und Andrea Wunderlin konzentrieren sich derweil ganz auf den Rebensaft, betreiben eine eigene Kellerei und stellen sich auch als Lohnkelterer zur Verfügung. Das Paar bewirtschaftet total vier Hektaren Reben in Zeiningen, Magden und Elfingen.

Mengenbegrenzung und Qualität

Die Professionalisierung ist aber nicht der einzige Grund für die Qualitätssteigerung, sondern auch die Mengenbegrenzung: «Anfang der 80er-Jahre gab es eine Weinschwemme. Daraufhin führte der Bund eine Mengenbegrenzung ein. Heute dürfen bei weissen Trauben nur noch maximal 1,3 kg, bei blauen sogar nur noch 1,1 kg pro Quadratmeter gelesen werden», erklärt Andrea Wunderlin. Sowohl bei Jeck Weine wie auch bei Weinbau Gerhard Wunderlin wird diese Menge stets unterschritten: «Qua lität kommt klar vor Quantität», sagt Daniel Jeck. Anders könnten sie sich auf dem Markt gar nicht behaupten. Pro Schoss lässt Jeck noch zwei Trauben hängen und schneidet bei diesen die Spitzen ab. Die verbleibenden Trauben werden so aromatischer und zuckerreicher.

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2020 übernahm Daniel Jeck mit seiner Ehefrau Désirée den Landwirtschaftsbetrieb von seinen Eltern. Sie sind bereits die 3. Generation, die den Betrieb führt.

(Andrea Freiermuth)

«Qualität kommt klar vor Quantität.»

Daniel Jeck

Sortenexperimente

Ein weiterer Grund für die Qualitätssteigerung sind neue Rebsorten. Früher baute man im Fricktal bloss Riesling-Silvaner und Blauburgunder (Pinot Noir) an, alles andere war nicht zugelassen. Der Bund hob diese Vorschrift in den 90er-Jahren auf und heute dürfen Winzer mit neuen Sorten experimentieren. Daniel Jeck hat in seinem Rebberg inzwischen auch Chardonnay und Zweigelt – also Traubensorten aus Frankreich beziehungsweise Österreich: «Mit Zweigelt etwa können kräftigere Weine mit mehr Gerbstoff erzeugt werden», so Jeck. Sein Cuvée Pizwei aus Pinot Noir und Zweigelt ist von einem dunklen Rot mit vollem Bouquet. Die im Eichenfass gereifte Assemblage hat mit dem Jahrgang 2019 Silber beim Grand Prix du Vin Suisse gewonnen.

Gerhard und Andrea kultivieren unter anderem Cabernet Cubin. Die relativ neue Sorte ist eine Kreuzung zwischen Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon. Sie liefert farbintensive und tanninbetonte Weine mit Cassisnote, die komplex und extraktreich sind. 30 Prozent Cabernet Cubin stecken etwa im Cuvée Andrea. An der Mondial des Pinots 2021 in Sierre in der Sparte Assemblagen mit Hauptanteil Pinot Noir wurde dieser Wein aus Zeiningen für den Jahrgang 2018 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

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Nach der Winzerlehre gründete Gerhard Wunderlin 1984 mit 15 Aren den Weinbaubetrieb.

(Patrick Sayer)

Resistenz statt Fungizid

Grosse Hoffnungen setzt Önologin Andrea Wunderlin auf pilzresistente Neuzüchtungen wie etwa den Divico. Diese Sorte ist eine Kreuzung zwischen Gamaret und Bronner, einer resistenten Traubensorte, was sie widerstandsfähig gegen falschen Mehltau macht. Die Pilzerkrankung wurde wie die Reblaus Mitte des 19. Jahrhunderts von Übersee eingeschleppt. Dies ist der Grund, warum alte einheimische Sorten damit mehr Probleme haben als Neuzüchtungen und darum oft mehr Spritzmittel benötigen. Heute versucht man in Zeiningen so wenig Fungizide wie möglich einzusetzen. Und auf Herbizide verzichtet man vollständig. Früher wurde das Gras zwischen und unter den Rebstöcken mit Unkrautvernichter bekämpft, damit sich dort kein feuchtes Mikroklima bilden konnte. Heute wird das Gras regelmässig geschnitten, wofür man spezielle Maschinen benötigt.

Sonne im Fricktal

Die Klimaveränderung ist ein Faktor, von welchem der Zeininger Wein wahrscheinlich profitiert. «Wenn wir das vergangene Jahr einmal ausblenden, dann sind die Sommermonate generell sonniger und trockener, was dem Wein zugute kommt», meint Gerhard Wunderlin. Klimatisch brachte Zeiningen jedoch schon immer einen Vorteil mit, denn hier bläst der Möhlinjet. Dieser Wind ist nach dem Nachbarsdorf benannt und wird durch eine Engstelle zwischen Jura und Schwarzwald auf der Höhe von Stein erzeugt. Er sorgt dafür, dass im Fricktal weniger Nebel als etwa im Mittelland entsteht und häufiger die Sonne scheint. Zudem trocknet dieser Wind aus Südost die Reben nach Regen schneller ab, wodurch Pilze weniger gut entstehen können.

Mit vollem Engagement

Last but not least ist die Leidenschaft zu erwähnen, mit welcher Daniel Jeck sowie das Ehepaar Wunderlin bei der Sache sind. «Es ist toll, wenn man vom Rebsetzling bis zum Ausschenken mit dabei sein darf», sagt Andrea Wunderlin, die ihren Wein auf Anlässen wie etwa dem Wyschiff gerne selbst präsentiert. Und Daniel Jeck ergänzt: «Ich kann voll und ganz hinter meinem Produkt stehen, weil ich genau weiss, was drinsteckt. So zu arbeiten, macht einfach Spass.» Beide Familien laden übrigens regelmässig zu Degustationen auf den Hof beziehungsweise in den Keller. 

Die zwei Weinbaubetriebe in Zahlen

Jeck Weine

– 1,7 Hektaren Rebberg
– 13 000 bis 15 000 Flaschen pro Jahr 
– 4 verschiedene Traubensorten 
– 60 Prozent Direktvertrieb 
– 29 Franken kostet die teuerste Flasche, der Pinot Noir Réserve mit 13,5 Volumenprozent

www.jeck-weine.ch

Weinbau Gerhard Wunderlin

– 4 Hektaren Rebberg 
– 30 000 bis 40 000 Flaschen pro Jahr 
– 12 verschiedene Traubensorten 
– 75 Prozent Direktvertrieb 
– 32 Franken kostet die teuerste Flasche, der Monoceros aus Pinot Noir mit 15 Volumenprozent

www.wubaweine.ch

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