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Landtechnik

Achtung, Verletzungsgefahr!

In der Landwirtschaft kommt es immer noch viel zu häufig zu schweren Unfällen. In Sensibilisierungs- und Informationskursen für Landwirtschaftsprofis werden Wissen aufgefrischt und Hinweise gegeben, wie man mit einfachen Vorkehrungen Unfälle am Arbeitsplatz vermeiden kann.

Die schwersten Unfälle geschehen im Umgang mit grossen Maschinen.

Die schwersten Unfälle geschehen im Umgang mit grossen Maschinen.

(Bild: Jean-Pierre Burri)

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Aktualisiert am

Redaktor, UFA-Revue

Erfreulicherweise kann man feststellen, dass die Unfallprävention Früchte trägt. Dennoch ist die Zahl der Unfälle, für die Versicherungsleistungen beansprucht werden, im landwirtschaftlichen Umfeld nach wie vor hoch. 2015 stieg die Zahl der Verunfallten in der Landwirtschaft auf 130 pro 1000 in der Landwirtschaft tätigen Personen. Im Vergleich zu den 1990er Jahren gingen die Unfallzahlen jedoch erheblich zurück. Das gleiche gilt auch für Unfälle mit tödlichem Ausgang.

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Angepasste Ausrüstung und Ausbildung helfen auch bei Waldarbeiten Unfälle zu vermeiden.

(Bild: BUL/SPAA)

Gefahren lauern in den Gebäuden

Stürze sind die Ursache für die meisten Unfälle. «Leitern bilden eines der grössten Risiken. Wenn immer möglich sollten Leitern durch fest installierte Aufgänge, die mit einem Schutzgeländer versehen sind, ersetzt werden. Dies gilt insbesondere für Aufgänge zum Laufkran oder zu den Galerien und Balken», erklärt Etienne Junod anlässlich eines Gesprächs mit der UFA-Revue im Büro der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) in Moudon. Besondere Aufmerksamkeit muss den Böden geschenkt werden. Mit einem rutschfesten Belag können Stürze von Personen und Vieh auf oftmals nassem und rutschigem Untergrund vermieden werden. Aber auch herunterfallende Gegenstände bilden eine Gefahr: Da in den Betrieben immer mehr Futterrundballen und Strohballen gelagert werden, ereignen sich Unfälle nicht nur bei der Handhabung sondern auch während der Lagerung. Bei einem in die Höhe gestapelten Lager besteht ein grösseres Risiko, dass die Ballen herunterfallen oder wegrollen können. Auch bei Fahrzeugmanövern in Gebäuden sind Personen, die sich in der Nähe befinden, besonders gefährdet. Bei gefährlichen Stoffen muss festgehalten werden, dass wiederholt Vergiftungen aufgrund unsachgemässer Lagerung zu beklagen sind.

Maschinen und Fahrzeuge

Die schweren Unfälle werden am häufigsten beim Umgang mit Maschinen und Fahrzeugen verursacht. «Zwar ist es ein Glücksfall, dass man die Arbeit auf dem Betrieb gemeinsam mit der Familie erledigen kann, es birgt aber auch Risiken. Fakt ist, dass alle Fahrzeuge, die bewegt werden, im toten Winkel nichts sehen und somit eine Gefahr darstellen», stellt Junod klar.

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Ein fest installierter Aufgang zum Laufkran ist ein lohnenswerter Ersatz für die Leiter.

(Bild: Jean-Pierre Burri)

Die BUL führt alljährlich schweizweit Kurse durch, die auch einen praktischen Teil enthalten, beispielsweise die Handhabung eines Kompaktladegeräts oder eines Teleskopladers. Eine Kippkabine macht eindrücklich auf die Bedeutung von Sicherheitsgurten aufmerksam. Die Kabine ist ein gemeinsames Projekt von Safe at Work, dem Label für Arbeitssicherheit des Bundes, des Secos und der Kantone. Die Handhabung eines modernen Geräts, das mit einem Multifunktionshebel ausgestattet ist, erleichtert zwar die Arbeit, ist aber für Personen in fortgeschrittenem Alter zum Teil schwierig zu kontrollieren. Die Jüngeren zeigen sich meist sehr gewandt im Umgang mit diesen Maschinen, einzig die 18- bis 24-Jährigen sind äusserst häufig an Unfällen damit beteiligt.

Drei Fragen an Etienne Junod, BUL Moudon

UFA-Revue: Weshalb ereignen sich in der Landwirtschaft so viele Unfälle?

Etienne Junod: Das hat verschiedene Gründe. Erstens handelt es sich bei der Landwirtschaft um ein äusserst vielfältiges Berufsfeld, bei dem man in den unterschiedlichsten Bereichen alle anfallenden Arbeiten erledigt. Zweitens haben die Landwirte keinen festen Arbeitsplatz, von dem aus sie alle notwendigen Tätigkeiten ausführen können. Und drittens ist die Gesamtzahl der Arbeitsstunden hoch, mit Zeiten grosser Arbeitsbelastung, was zu erheblichem Stress führt. Aber auch Routine und Gewohnheit können eine Gefahr darstellen, da die Risiken dann jeweils unterschätzt werden.

In welchen Bereichen der Landwirtschaft ist die Unfallgefahr am höchsten?

Junod: Die Sturz- und Rutschgefahren sind besonders ausgeprägt. An zweiter Stelle folgt das Arbeiten mit Maschinen und Fahrzeugen. Statistisch gesehen werden die schwersten Unfälle mit den Futtermischwagen, Siloentnahmegeräten, Traktoren und Kettensägen verursacht. Mit Blick auf die Unfallzahlen sind aber auch die Gerätewartung und die Arbeit mit den Tieren zu erwähnen.

Was bedeutet Unfallprävention in der Landwirtschaft?

Junod: Prävention heisst, alle Vorkehrungen zu treffen, damit es zu keinem Unfall kommen kann. Daher müssen die Landwirte sensibilisiert werden, sich im Alltag an die Vorschriften zu halten. In der Praxis bedeutet dies, einfachste Handgriffe auszuführen, etwa das Ausschalten des Arbeitsgeräts oder das Herausziehen des Schlüssels, um ein Wegfahren durch Drittpersonen zu verhindern. Weiter darf man sich einer Maschine erst dann mit den Händen oder Füssen nähern, wenn sie völlig stillsteht. Das Tragen von Sicherheitsgurten beim Fahren bietet Schutz – auch dann, wenn eine Kabine kippt. Informationen und Unterlagen zur Prävention stehen allen zur Verfügung, auch jungen Leuten, die sich in Ausbildung befinden.

Etienne Junod ist Zweigstellenleiter der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) für die Romandie. Die BUL organisiert alljährlich Kurse für Landwirte im Bereich Unfallprävention und Sicherheit und instruiert die Kursleiter. Etienne Junod interessiert sich insbesondere für die Techniken und das Verhalten von Personen sowie für Material und Geräte (z. B. die Bud Box), mit denen das Gefahrenpotential beim Umgang mit Tieren gesenkt werden kann.

Arbeit mit Tieren

«Bei der Arbeit mit Tieren sind mangelhafte Kenntnisse über deren Verhalten die Hauptursache von Unfällen. Die BUL bietet Weiterbildungen an, um Sicherheit bei der Arbeit mit Tieren zu erlangen», führt Junod weiter aus. In diesen Kursen wird die Sicherheit von Viehanhängern beleuchtet sowie die Handhabung und das ruhige Manövrieren gezeigt. Dieses Angebot richtet sich auch an die nicht-bäuerliche Bevölkerung, die mit Herdentieren Kontakt hat, beispielsweise auf einer Alp. Das Befolgen von Regeln und einfachen Handgriffen trägt zu einer erheblichen Senkung des Angriffsrisikos durch Tiere bei.

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Eine Abschrankung mit einem Zurrgurt (Spanset) verhindert Stürze im Fütterungsbereich. 

(Bild: Jean-Pierre Burri)

Know-how ist erforderlich

Die modernen Landwirte sind heute sehr gut vernetzt und ihr Arbeitsbereich ist äusserst vielfältig. Entsprechende Kenntnisse der grundlegenden Sicherheitsregeln sind doppelt wichtig, da die Zeit bei hoher Arbeitsbelastung knapp ist. Die mit Sicherheitsvorrichtungen ausgestatteten Maschinen leisten einen wichtigen Beitrag zur absolut sicheren Handhabung, immer vorausgesetzt, dass diese Ausstattungen nicht entfernt werden. 

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