Management

Barto startet durch

Digitale Systeme sollen den Bäuerinnen und Bauern helfen, das Hofmanagement zu vereinfachen. Eines davon ist die Plattform Barto, an der gleich mehrere Branchenakteure beteiligt sind. 365FarmNet, die technische Basis von Barto, wird jetzt den Schweizer Verhältnissen angepasst.

Einsatz von Drohnen im Pflanzenbau: Zur Digitalisierung der Schweizer Landwirtschaft gehört auch das Precision Farming. Es erlaubt, Hilfsstoffe bedarfsgerechter auszubringen.

Einsatz von Drohnen im Pflanzenbau: Zur Digitalisierung der Schweizer Landwirtschaft gehört auch das Precision Farming. Es erlaubt, Hilfsstoffe bedarfsgerechter auszubringen. 

(Bild: agrarfoto.com)

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ehemalige Redaktorin UFA-Revue

Wie oft muss ein Landwirtschaftsbetrieb mit Tierhaltung seine Daten erfassen oder zumindest kontrollieren, ob die Daten stimmen? «Für die Direktzahlungen über das Internetportal Agate, für Identitas, für die Alkoholverwaltung und die Oberzolldirektion. Hinzu kommen die Labels; bei uns ist es IP-Suisse. Für die Tierhaltung muss ich weitere Daten für die Düngerbilanz, das Tierarzneimittel- und Auslauf-Journal sowie das Medikamentenlager erfassen», zählt Marc Zbinden auf. Er überlegt einen Moment und sagt: «Hoffentlich habe ich nichts vergessen.» Zusammen mit seiner Ehefrau Damaris führt er in Zumholz (FR) einen 32-Hektaren-Milchproduktionsbetrieb mit 25 Milchkühen und etwa gleich vielen Aufzuchttieren. «Zum Glück gibt es Agate. Aber der administrative Aufwand ist immer noch enorm», sind sich beide einig.

Barto mit mehreren Akteuren

Digitale Systeme sollen künftig helfen, das Hofmanagement zu vereinfachen und den administrativen Aufwand auf den Landwirtschaftsbetrieben zu senken. Eine dieser Lösungen ist die Plattform Barto. Die fenaco und die Identitas AG sind mit je 34,5 Prozent die beiden grössten Aktionäre der Barto AG.

Warum setzt die fenaco auf diese und nicht eine andere Plattformlösung? Dazu sagt Heinz Mollet, bei der fenaco Genossenschaft Leiter der Division Agrar: «Bei der Plattform Barto überzeugte uns, dass sie offen für alle bäuerlichen Branchenpartner ist.» Zudem verfolge Barto beim Datenschutz den Grundsatz, dass die Daten dem Betrieb gehören. Mollet: «Allein die Betriebsleitung entscheidet über die Weitergabe und Verwendung der Daten.»

Marco Mattmann, bei der fenaco Leiter für das Smart Farming, erwähnt ein weiteres Plus für Barto: «Die Plattform ist modular aufgebaut, will heissen, dass jeder Nutzer genau die Module verwenden kann, die er für seinen Betrieb benötigt.» Zudem eigne sich die technische Basis von Barto, 365FarmNet, sowohl für den Pflanzenbau wie für die Nutztierhaltung. Mattmann weist darauf hin, dass 365FarmNet europaweit die zurzeit grösste Smart-Far-ming-Plattform mit über 40 000 Nutzerinnen und Nutzern sei.

Digitaler Hofmanager Barto

Daten bündeln, verarbeiten, vernetzen und Informationen generieren – Barto powered by 365FarmNet ist ein digitales Portal für die Erfassung und Vernetzung von landwirtschaftlichen Betriebs- und Produk tionsdaten. Die fenaco Genossenschaft und die Identitas AG sind mit je 34,5 Prozent die beiden grössten Aktionäre der Barto AG. Weitere Aktionäre sind Swissgenetics mit 10 Prozent, Agridea mit 6,3 Prozent, Swissherdbook mit 5 Prozent, Braunvieh Schweiz ebenfalls mit 5 Prozent, Verband Schweizer Milchproduzenten SMP mit 2,5 Prozent, Holstein Switzerland mit 2 Prozent und Mutterkuh Schweiz mit 0,2 Prozent. Die Plattform Barto ist unabhängig und steht allen Akteuren der Land- und Ernährungswirtschaft offen.

Unabhängige Plattform

Und wieso sollte ein Bauer Barto wählen? Betriebs- und Produktionsdaten schnell, einfach und direkt auf dem Feld oder im Stall erfassen sowie Doppelspurigkeiten vermeiden – genau dieses Ziel verfolge Barto, erklärt Jürg Guggisberg, Geschäftsführer der Barto AG. «Mit Barto beschleunigen sich die Prozesse im Betrieb; das führt zu weniger Administrationsaufwand und vereinfacht die tägliche Planung auf dem Hof.»

Vor Kurzem ist es 365FarmNet gelungen, MyJohnDeere als neuen Kooperationspartner zu gewinnen. Was bedeutet das für Barto? Guggisberg erklärt, diese neue Zusammenarbeit unterstreiche, dass die Plattform unabhängig und offen für alle Branchenpartner sei. «Für Barto bedeutet es, dass wir mit 365FarmNet auf das richtige Pferd setzen», ist er überzeugt. Über die neue Schnittstelle «DataConnect» könnten die Bäuerinnen und Bauern auch weiterhin das von ihnen bevorzugte Datenportal des jeweiligen Herstellers nutzen. DataConnect biete den Vorteil, Daten von den anderen Maschinen zu übertragen.

Barto-Module verfügbar

Barto powered by 365FarmNet ist seit März 2018 online und wird bereits von 2600 Schweizer Produzentinnen und Produzenten genutzt. «Wir arbeiten zurzeit daran, Barto zusammen mit unseren Partnern auszubauen und weiterzuentwickeln», sagt Jürg Guggisberg. Konkret:

  • Verfügbar ist das kostenlose Modul «Tierverkehrsdatenbank-Rind (TVD-Rind)». Es zeigt den tagesaktuellen Rinderbestand des Betriebes auf. Das Modul erlaubt, Meldungen direkt an die TVD zu machen, das Begleitdokument bei Abgangsmeldungen zu erzeugen oder Ohrmarken zu bestellen.
  • Das Modul «Suisse-Bilanz» bietet eine Online-Methode zur jährlichen Berechnung der Plan- und Kontrollbilanzen an. Es kostet 43 Franken pro Betrieb und Jahr. Die Applikation wird laufend den Vorgaben des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) angepasst und von einer Kontrollstelle im Auftrag des BLW getestet.
  • Das Modul «Wiesen- und Auslaufjournal» bringt mit der App «Barto Input» die mobile Lösung für den Hosensack. Damit können die Nutzer die Bewirtschaftung ihrer Grünlandparzellen und den Auslauf der gehaltenen Nutztiere dokumentieren.
  • Für das Erntejahr 2020 steht mit 365FarmNet ein kostenloser Feldkalender zur Verfügung. Darin enthalten sind ein Parzellenverzeichnis und die Schweizer Kulturen-, Sorten-, Dünger- und Pflanzen-schutzmittel-Listen.
  • Innerhalb von 365FarmNet können im «Shop» weitere Bausteine von der Mitarbeiterverwaltung bis zum Profiwetter gebucht werden.
  • Die fenaco plant zudem mit dem Baustein «Cockpit» eine direkte Schnittstelle zu den Mitgliedern.
Landwirtin bei der Eingabe von Daten aus dem Milchviehstall

Landwirtin bei der Eingabe von Daten aus dem Milchviehstall: Digitale Systeme sollen künftig helfen, das Hofmanagement zu vereinfachen. Im Optimalfall entfällt die Mehrfacherfassung der Betriebsdaten vollständig.

(Bild: agrarfoto.com)

Weitere Bausteine geplant

Barto verfolgt das Ziel, dass auf der Plattform eine Rundumsicht auf das Feld und das Tier entsteht. Guggisberg dazu: «Basierend auf den gesammelten Daten können die Bäuerinnen und Bauern die für ihren Betrieb wichtigen Entscheide treffen.» Und: «Barto soll in fünf Jahren DAS Instrument sein, mit dem die Schweizer Landwirtschaft arbeitet.»

Barto wird Schritt für Schritt erweitert. Es gilt der Grundsatz: Je grösser das Angebot, desto attraktiver ist die Plattform für die Bäuerinnen und Bauern; und je mehr Landwirtschaftsbetriebe Barto nutzen, desto interessanter wird sie für die Anbieter neuer digitaler Lösungen.

Damit dies gelingt, engagieren sich die Aktionäre von Barto nicht nur für die Basisplattform, sondern investieren auch in konkrete Bausteine. Geplant ist etwa, dass Barto zusammen mit den beteiligten Zuchtorganisationen die Rinder-Bausteine ausbaut. Und die fenaco entwickelt im Hintergrund bereits neue Module wie einen UFA-Milchviehfütterungsplan, einen Pflanzenschutzberater, einen Düngerstreuplan, ein Info-Cockpit sowie einen Eierplan zur Dokumentation der Legeleistung. «Voraussichtlich 2020 werden wir unsere bereits bestehenden Applikationen bei Barto aufschalten», erklärt Marco Mattmann. 

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