Landtechnik

Unkrautregulierung möglichst dicht an der Pflanze

Hacken war lange nur zwischen den Pflanzenreihen möglich. Die Kress-Fingerhacke ist bei den aktuellen Bearbeitungsmaschinen für Pflanzen innerhalb der Anbaureihe bereits vielerorts im Einsatz. Mit den komplexeren Systemen ist es dank rotierender oder drehbarer Schare möglich, die Kulturen noch dichter zu bearbeiten.

Dank einer drehbaren Schar erfolgt die Unkrautbeseitigung ganz dicht bei den Pflanzen.

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Redaktor, UFA-Revue

Der Hackstriegel zur mechanischen Unkrautentfernung wurde anfangs vor allem im Bio-Anbau eingesetzt. Eine der Schwierigkeiten liegt weiterhin in der Beseitigung von Unkräutern zwischen den Pflanzen in Reihenkulturen. Reicht die Unkrautentfernung mit dem Hackstriegel nicht aus, kann sich der Einsatz eines Hackgeräts lohnen. Die Hersteller bieten verschiedene Lösungen an, um möglichst dicht bei den Pflanzen zu hacken.

Hacken zwischen den Reihen

Zur Beseitigung der Unkräuter zwischen den Pflanzenreihen ist der Hackstriegel nach wie vor das schnellste und preisgünstigste System. Solche Maschinen arbeiten reihenunabhängig und sorgen ausserdem für eine Oberflächenlockerung vor allem bei mittleren bis leichten Böden. Nur bei flach verwurzelten Unkräutern ist die Wirksamkeit hoch und der Mineralisierungseffekt bleibt eher gering. Der Hauptvorteil liegt darin, dass die Maschine bei allen Kulturen einsetzbar ist. Das Hackgerät bietet den Vorteil einer intensiveren Oberflächenbearbeitung. Die Hersteller verfügen je nach Kultur und Bodentyp über sehr spezielle Scharsysteme und -kombinationen. Die wichtigsten Schartypen sind die Gänsefussschare, die flachen A-Schare und die Messer, mit denen möglichst dicht an den Kulturpflanzen gearbeitet werden kann, ohne die Wurzeln zu verletzen.

Hacken in der Reihe

Es gibt mehrere Lösungen zur Unkrautbeseitigung in der Reihe. Der Einsatz von Kress-Fingern, auch Fingersterne genannt, ist die üblichste und bei praktisch allen derzeitigen Hackmaschinen verfügbar. In Frankreich haben Versuche an verschiedenen Kulturen gezeigt, dass die Wirksamkeit bei zweikeimblättrigen Unkräutern und einjährigen Gräsern je nach Bodenbedingungen mehr als 90 Prozent betragen kann. Diese Ausrüstung wird ab dem Drei- bis Vier-Blattstadium der Kultur eingesetzt. Die Kunststofffinger werden von einem Spurkranz unter dem Stern angetrieben und heben die Oberflächenschicht der Erde zwischen den Kulturpflanzen, ohne sie zu verletzen. Die Unkrautwurzeln werden bei diesem Vorgang freigelegt. Eine sorgfältige Einstellung ist nötig, um Schäden an der Kultur zu vermeiden.

Die Fingersterne sind in mehreren Grössen und Härtegraden erhältlich. Die weicheren Finger sind für empfindliche Kulturen und leichte Böden bestimmt, während sich die harten Finger gut für schwere Böden und robustere Kulturen eignen. Diese Fingersterne kommen bei vielen Kulturen wie beispielsweise Mais, Sonnenblumen, Rüben, Soja und Gemüse zum Einsatz. Der Hersteller Hak bietet eine Kippverstellung der Sterne an, mit der Erde zur Reihe geführt oder von der Reihe weggetragen werden kann.

«Die Robocrop InRow von Garford ermöglicht das Hacken bis nah an die Pflanzen», Anthony Wypart, Landwirt und Lohnunternehmer   

Rotierende Schare

Rotierende Schare sind eine weitere Lösung zur Unkrautregulierung in der Reihe. Die Unternehmen Steketee und Garford sind Pioniere in diesem Bereich. Der Lohnunternehmer und Landwirt Anthony Wypart aus Suscévaz (VD) hat sich mit drei Garford Hackmaschinen ausgerüstet. Der junge Landwirt ist von der mechanischen Unkrautregulierung überzeugt und bewirtschaftet knapp hundert Hektar im Bio-Anbau und im Verbund. Mit seinem Lohnunternehmen führt er die Bodenvorbereitung, die Aussaat und die Unkrautbereinigung von Kulturen für seine Kunden durch. Die Gülleausbringung für Dritte ist ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich.

«Meiner Meinung nach baut Garford die leistungsstärksten Hackmaschinen mit einem wirklich präzisen System», erklärt Anthony Wypart. «Das Modell Robocrop In-Row ist besonders effizient, denn es lässt die Unkrautbeseitigung innerhalb der Anbaureihen von Rüben, Mais und anderen Hackfrüchten zu», fährt er fort. Dieses in der Schweiz einzigartige, vollelektrische Hackgerät mit einer Arbeitsbreite von drei Metern oder sechs Reihen ist zum Anbau vorn am Traktor bestimmt. Der Generator, der das Hackgerät mit Energie versorgt, ist am Heckkraftheber angebaut. Die beiden Führungsräder des Hackgeräts werden von kolorimetrisch kalibrierten Kameras gelenkt, die den Reihen folgen. Sie korrigieren die Spur und übertragen die Informationen in Echtzeit an den Verschieberahmen.

An der Maschinenfront beseitigt eine mondsichelförmige Schar das Unkraut dicht bei den Pflanzen mit einer Rotationsbewegung. «Die Maschine hinterlässt je nach Einstellung einen kreisförmigen Bereich von 4 bis 8 cm um die Pflanzen, in dem das Unkraut nicht beseitigt wird. Voraussetzungen für eine präzise Unkrautentfernung sind eine ebene Bodenoberfläche, eine genaue Aussaat und Einstellung der Hackmaschine», erklärt Anthony Wypart, der mit der Maschine bei mehreren Kulturen gute Erfahrungen gemacht hat.

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Eine sichelförmige Klinge dreht zwischen den Salatflanzen.

Kombiniertes System

Der Hersteller Steketee bietet mit seinem Modell IC Weeder ein Hackgerät zur Unkrautreduzierung in der Reihe. Diese Maschine wurde bei einem Gemüsebauern im Seeland bei einer Salatkultur präsentiert. Bei dieser Vorführung wurde ein Prototyp vorgestellt, der mechanische Unkrautregulierung und die Einzelstockbehandlung der Salatpflanzen kombiniert. Dieses Hackgerät ist mit einem Computersystem ausgestattet, das die Öffnungsdauer der Düsen in Abhängigkeit der Salatgrösse berechnet. Damit soll 40 bis 70 Prozent an Pflanzenschutzmitteln eingespart werden. Die mechanische Unkrautregulierung zwischen den Salaten erfolgt durch eine drehbare, sichelförmige Schar. Die Schar folgt der Salatreihe mit jeweils einer Vierteldrehung zwischen zwei Pflanzen. Die beiden Mechanismen – Spritzen und drehbare Schare – werden in Echtzeit von einer Kamera gesteuert, welche die Salatpflanzen erkennt. Das Unkraut im Zwischenreihenbereich wird mit Gänsefussscharen entfernt.

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Das Kress-Fingerhacksystem ist das gängigste zur Unkrautregulierung zwischen den Pflanzen.

Maschinenführung

Die Unkrautregulierung in der Reihe erfordert grosse Präzision und das Erkennen der Kulturpflanzen. Elektronische Führungssysteme sind daher unerlässlich. Die Präzision beginnt bereits bei der Aussaat mit einem genauen Reihenabstand, bei dem das Hackgerät möglichst dicht an den Reihen zum Einsatz kommen kann. Bei der Führung des Hackgeräts kann mithilfe eines GPS-Systems mit Korrektursignal in etwa zwei Zentimetern Abstand von den Anbaureihen gearbeitet werden. Der Einsatz einer aufgebauten Kamera ist die gängigste Methode.

Für die Seitenführung bieten mehrere Hersteller eine Führungsschnittstelle zwischen Traktor und Maschine an. Diese Schnittstellen, unter anderem Precicam (Carré), DynaTrac (Laforge) oder Lynx vom französischen Hersteller B.C.Technique sind mit einer Dreipunktaufhängung ausgelegt und es können Hackgeräte anderer Hersteller angebaut werden. Zur Unkrautbeseitigung in der Reihe wird bei den heutigen Maschinen eine Kress-Fingerhacke installiert. 

Dass Fingerhacken nicht nur in Kombination mit einem Traktor funktionieren, wurde an der Bioackertagung 2019 auf der Schwand gezeigt. Hier wurde eine zweireihige Fingerhacke nämlich von einem Pferd gezogen. Bei den technologisch ausgereifteren Methoden, mit denen mehr als 95 Prozent der Fläche bearbeitet werden können, geht es immer um die Präzisionssteigerung der Systeme, um die Unkrautregulierung möglichst dicht bei den Kulturpflanzen durchzuführen. 

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