Management

Weltmarkt beeinflusst den hiesigen Milchpreis

In der Schweiz gibt es immer weniger Milchproduzenten und trotzdem bleibt der Milchpreis tief. Warum ist das so? Diese Frage abschliessend zu beantworten, ist kaum möglich. Wenn man aber weiss, wie der Milchmarkt funktioniert, hilft das dem Verständnis.

Käse

Ein Teil, der in der Schweiz produzierten Milch, wird exportiert. 2017 beliefen sich die Schweizer Käseausfuhren auf 601 Millionen Franken.

(Bild: Schweizer Käse)

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Leiterin Kommunikation, mooh Genossenschaft

In der Schweiz gibt es knapp 20 000 Milchproduzenten und über acht Millionen Konsumenten. Es stehen also zahlreiche Anbieter noch mehr Nachfragern gegenüber. Zwischen Konsument und Produzent stehen die Verarbeitung und der Handel, welche in geringer Zahl auftreten. Dies ergibt eine sogenannte X-Struktur auf dem Markt. Das führt dazu, dass die Unternehmen in der Mitte verhältnismässig viel Marktmacht erhalten.

PO und PMO

Um als einzelner Landwirt nicht alleine einem marktmächtigen Unternehmen gegenüberzustehen, organisieren sich die Milchproduzenten in Produzentenorganisationen (PO) oder Produzenten-Milchver-werter-Organisationen (PMO). PO kaufen die Milch als Erstmilchkäufer beim Produzenten und verkaufen sie an verschiedene Kunden, also Verarbeiter, weiter. Bei einer PMO ist ein Milchverwerter Teil der Organisation. Dieser übernimmt und verarbeitet die Milch der Produzenten. Die PMO Mitglieder beliefern so als Direktlieferanten einen Verarbeiter oder eine Käserei. Der Milchpreis, den der Produzent erhält, wird von eben diesen Erstmilchkäufern festgelegt. Wie hoch dieser ausfällt, hängt neben verschiedenen Faktoren auch vom Verhandlungsergebnis des Erstmilchkäufers ab. Bei der PMO bestimmt der Verarbeiter mit seinen Lieferanten den Milchpreis direkt. Bei der PO verhandeln die Verantwortlichen den Verkaufspreis mit verschiedenen Verarbeitern. Neben dem Verhandlungsergebnis gibt es weitere Faktoren, die den Milchpreis beeinflussen.

Marktindikatoren international

Um die Entwicklung des internationalen Marktes einzuschätzen, stützen sich die Marktpartner auf verschiedene Indikatoren:

Kieler Rohstoffwert Milch: Der Kieler Rohstoffwert Milch ist ein Frühindikator für die Preisentwicklungen auf dem Milchmarkt in Deutschland und gilt für eine Standardmilch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiss ab Hof des Milchproduzenten ohne Mehrwertsteuer. Er wird auf Basis der durchschnittlichen Marktpreise für Butter (Fett) sowie für Magermilchpulver (Proteine) berechnet.

LTO: Der LTO-Preis ist der durchschnittliche Milchpreis, welchen die grössten europäischen Verarbeiter bezahlen. Dieser wird von LTO Nederland, dem Bauernverband der Niederlande, erhoben, indem der Durchschnittspreis der grössten europäischen Milchkäufer berechnet wird.

GDT: Der Global Dairy Trade (GDT) ist ein Indikator der neuseeländischen Börse, wie viel Milchprodukte und deren Inhaltsstoffe auf dem Weltmarkt wert sind. Zwei Mal im Monat gibt es GDT-Events, wo diese Produkte gehandelt werden. Hier gilt der Marktgrundsatz: Je grösser die Nachfrage ist, desto teurer wird das Produkt.

Teiloffener Markt

In der Schweiz lag der Selbstversorgungsgrad 2016 für Milch und Milchprodukte bei 114 Prozent – als einzige Lebensmittelgruppe in der Schweiz über 100 Prozent. Was in der Schweiz nicht konsumiert wird, wird exportiert. Der zu exportierende Anteil ist aber mit rund einem Viertel noch deutlich höher, da Milchprodukte auch importiert werden. Hier zeigt sich, dass die Schweizer Milchpreise auch vom Export und damit von den Weltmarktpreisen abhängig sind. Hinzu kommt, dass der Milchmarkt ein teiloffener Markt ist. 2007 wurde der Käsehandel mit der EU liberalisiert. Konsummilch oder Butter befinden sich bis heute im geschützten Markt, die weisse Linie ist also noch geschlossen.

Einfluss Weltmarkt

Die genannten Gründe zeigen, dass die Schweizer Milchpreise stark von den Weltmarktpreisen abhängig sind. Eine Reduktion der Milchmenge, wie sie teilweise gefordert wird, hätte einen viel kleineren Einfluss auf den Milchpreis als der Weltmarktpreis. Der Grund dafür ist einfach: Die gesamte Schweizer Milchproduktion ist im globalen Vergleich mit rund einem halben Prozent der weltweiten Gesamtmilchmenge verschwindend klein.

Milchpreisfestlegung

Wie genau der Milchpreis nun festgelegt wird, hängt von den einzelnen Organisationen ab. Grundsätzlich unterscheiden sich die Preise hinsichtlich der Verwendungsart. Bei der mooh Genossenschaft werden für die Milchsorten ÖLN Silomilch, ÖLN Silofrei, Bio Silomilch und Bio Silofrei verschiedene Basispreise festgelegt. Es gilt, dass sich jede Milchsorte selber tragen muss. Die Geschäftsstelle berechnet den zu erwartenden Milcherlös hauptsächlich auf Basis der aktuellen Einlieferungsentwicklungen, den Transportkosten sowie der Absatzeinschätzung (Menge und Preis). Gerade die Absatzeinschätzung ist stark von den internationalen Marktsignalen abhängig. Schlussendlich entscheidet aber bei der mooh Genossenschaft der Verwaltungsrat, welcher mehrheitlich aus Milchproduzenten besteht, über die Höhe des Basispreises. Der effektiv ausbezahlte Preis hängt dann von der Milchqualität, eventuellen Zu- Anzeige satzprogrammen oder Abzügen für Transportkosten ab.

Ausblick

Nach der Tiefpreisphase im Proteinmarkt während der letzten zwei Jahre steigen die Proteinpreise auf dem Weltmarkt wieder an. Im Gegenzug aber sinken derzeit die Fettpreise, welche sich lange Zeit auf einem hohen Niveau bewegten. Aufgrund dieser Entwicklungen ist der Markt unsicher und es ist nicht möglich, eine verlässliche Prognose abzugeben. 

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