Management

Transparenz in der bäuerlichen Hauswirtschaft

Auf einem Bauernhof gibt es vom Stall bis hin zur Waschküche immer viel zu tun. Meist teilen Mann und Frau betriebliche Aufgaben und die Familien- und Hausarbeit intuitiv unter sich auf. Der Umfang der geleisteten hauswirtschaftlichen Arbeiten spiegelt sich jedoch oft betrieblich nicht wieder. Die Online-Anwendung «LabourScope» hilft nun aber, sämtliche Betriebszweige gleichberechtigt darzustellen.

Publiziert am

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Agroscope

Präsidentin Schweizerischer Bäuerinnen und Landfrauenverband

Der Umfang der Arbeiten im Haushalt eines bäuerlichen Familienbetriebes richtet sich insbesondere nach den Personen, die zu versorgen sind. Grundsätzlich ist zu klären, inwieweit hauswirtschaftliche Tätigkeiten dem Betrieb oder dem Privatbereich zuzurechnen sind. Mitarbeitende beispielsweise verursachen zum einen Fixkosten, zum anderen zusätzliche Managementaufgaben hinsichtlich Buchhaltung, Arbeitsanweisungen und Aufsicht, aber eben auch hinsichtlich der Grundversorgung.

Fehlende Abgrenzung

Häufig fallen die Arbeiten rund um Wäsche, Reinigung, Mahlzeiten oder Verwaltung in den Aufgabenbereich der Bäuerin. Sehr oft ist diese Mehrarbeit eng mit den häuslichen und organisatorischen Tätigkeiten verflochten, die sie ohnehin für die Familie erledigt. Wird dennoch ein entsprechender Betrag vom Gehalt des Mitarbeitenden abgezogen, verbleibt dieser Betrag auf dem Konto des landwirtschaftlichen Betriebes. Diese fehlende Abgrenzung zwischen Tätigkeiten zugunsten der Familie und denen im Zusammenhang mit dem Betrieb trägt dazu bei, dass die hauswirtschaftliche Arbeit unsichtbar und unbezahlt bleibt.

Diese Situation bekommt eine weitere Dimension, wenn die gesamte Arbeitsbelastung der Bäuerin betrachtet wird. Viele Bäuerinnen führen nicht nur den Haushalt, sondern übernehmen wichtige Aufgaben im Betrieb wie beispielsweise bei der Direktvermarktung oder bei der Buchhaltung, aber auch im Stall und auf dem Feld. Andere gehen zusätzlich einer ausserlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach. Wie lässt sich diese zeitliche Arbeitsbelastung quantifizieren und in einem erträglichen Mass halten?

Hauswirtschaft sichtbar machen

Diese Frage haben sich Forschende von Agroscope gestellt und gemeinsam mit der Agridea ein drittmittelfinanziertes Projekt durchgeführt, um die Arbeiten in der Hauswirtschaft zu quantifizieren. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann unterstützte das Projekt im Rahmen der Finanzhilfen nach dem Gleichstellungsgesetz. Die erhobenen Arbeitszeiten stehen nun in der Online-Anwendung «LabourScope» zur Verfügung. Mit der Anwendung kann ein Arbeitsvoranschlag sowohl für den landwirtschaftlichen Betrieb als auch für die bäuerliche Hauswirtschaft erstellt werden. Die Anwenderinnen und Anwender können spezifische Arbeitsverfahren auswählen und auf diese Weise individuelle Produktionsverfahren zusammenstellen. Die Ergebnisse werden grafisch und tabellarisch dargestellt.

Arbeitsabläufe vergleichen

In der Rubrik «Kennzahlen für Arbeitsverfahren» von «LabourScope» stehen Planzeiten für zahlreiche vordefinierte Arbeitsabläufe aus den verschiedensten Betriebsbereichen zu Verfügung. Somit können die Nutzerinnen und Nutzer den Arbeitszeitbedarf für ausgewählte Verfahrensvarianten und Grössenklassen auf einen Blick miteinander vergleichen.

Ein Benutzer-Login ermöglicht das Speichern und Bearbeiten eigener Varianten. Die Ergebnisse können zur Weiterverwendung und individuellen Ergänzung exportiert werden. Die Nutzung von LabourScope ist auf allen Endgeräten (PC, Tablet, Smartphone) möglich. Die Daten befinden sich auf einem zentralen Server. Somit stehen den Anwenderinnen und Anwendern stets aktuelle Kennzahlen zur Verfügung. Ein Update ist nicht erforderlich. Die Anwendung ist kostenlos. Die Agridea bietet auch Kurse zur Anwendung von «LabourScope» an.

Fakten als Verhandlungsbasis

Die Kenntnis des Arbeitszeitbedarfs in allen Bereichen des bäuerlichen Familienbetriebes ist die Voraussetzung für eine vertiefte Analyse der zeitlichen Arbeitsbelastung aller beteiligten Personen. Präzise arbeitswirtschaftliche Planungsdaten für die unterschiedlichen Arbeitsprozesse in Betrieb und Familie ermöglichen es, Optimierungspotenziale zu erkennen und eine faire Arbeitsteilung auszuhandeln mit dem Ziel durch bewusste, faktenbasierte Entscheidungsprozesse die Arbeits- und Lebensqualität zu verbessern. Damit kann das Betriebsleiterpaar eine solide Basis für eine nachhaltige Partnerschaft und nicht zuletzt ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit, Familie und Freizeit sicherstellen.

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