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Nutztiere

Aufzucht ist Zukunft

Die Fütterungsempfehlungen in der Schweizer Kälberaufzucht haben sich in der Vergangenheit immer wieder verändert. Die Meinungen bezüglich zu verabreichenden Milchmengen änderten sich stets. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über die verschiedenen Empfehlungen der letzten 60 Jahre.

Frohwüchsige Aufzuchtkälber im Ratgeber von 1971.

Frohwüchsige Aufzuchtkälber im Ratgeber von 1971.

(Bild: Archiv UFA-Revue)

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Mitarbeiter Marketing, UFA AG

Über die Jahrzehnte haben sich die Empfehlungen in der Kälberaufzucht stark verändert. In einem Punkt war man sich aber bis anhin einig. Auf einem Milchviehbetrieb spielen die Aufzuchtkosten eine wesentliche Rolle. Eine kostengünstige und effiziente Aufzucht war und ist das Ziel. Die Kosten können gesenkt werden, indem ein frühes Abkalben angestrebt wird. Dies bedingt, dass das Aufzuchtkalb so aufgezogen wird, dass es später in der körperlichen Entwicklung bereit ist, ein Kalb zu gebären. 1971 wurde empfohlen, das Erstkalbealter auf 2,5 Jahre zu verkürzen, um die Kosten zu senken. Je nach Rasse hat sich dies geändert. Heute wird bei den intensiven Milchrassen ein Erstkalbealter von 24 Monaten angestrebt. Ein Abkalben bei unter 23 Monaten anzustreben ist nicht rentabel, da diese Tiere nach dem Abkalben nicht ihr volles Leistungspotenzial ausschöpfen können.

UFA Junior-Support

Eine hohe Lebenstagsleistung wird in der Milchviehhaltung angestrebt. Dies kann nur mit einer optimalen Haltung und Fütterung in den ersten Lebenswochen erreicht werden. Mit UFA Junior Support wird der Grundstein für eine langlebige und wirtschaftliche Milchkuh gelegt. Folgende Punkte stehen dabei im Zentrum.

  • Metabolische Programmierung 
  • Spezialisierte Beratung 
  • Aufzuchtfutter mit ProRumin 
  • UFA-Kälbermash 
  • Fütterungsintensität nach Abkalbealter 
  • Fütterungsplan nach UFA W-FOS 
  • Aufzuchtmilchen für jede Situation 
  • Tränkeautomaten inklusive 365-Tage-Service 
  • Gezielte Galtphasenfütterung

Viel oder wenig Milch?

Viele unterschiedliche Empfehlungen gab es bezüglich der zu verabreichenden Milchmenge. Während in den 70er Jahren eine Gesamtmenge von 800 Liter Milch pro Aufzuchtkalb empfohlen wurde, waren es im Jahr 1992 nur noch 300 Liter. Heute sind 450 bis 500 Liter die Regel. Auch die täglich angebotenen Milchmengen waren unterschiedlich. 1964 verabreichte man den Kälbern maximal vier Liter Milch pro Tag, während man im Jahr 1980 rund neun Liter vorlegte. 1992 war man mit sechs Litern wieder auf einer tieferen Empfehlung. Heute spricht man von einer ad libitum Tränke. Das heisst, die Kälbern erhalten Milch zur freien Verfügung. Die sehr tiefen Milchgaben in den 90er Jahren wurden in der UFA-Revue von 1992 folgendermassen begründet. «Das Kalb muss möglichst schnell zum Raufutterverzehrer erzogen werden.» Mit tiefen Milchgaben sollte das Kalb aus Hunger mehr Kraft- und Raufutter fressen. Dank verschiedenen Untersuchungen ist heute bekannt, dass sich hohe Milchgaben positiv auf die Kraft- und Raufutteraufnahme auswirken. Laut einer österreichischen Untersuchung aus dem Jahr 2015 fressen ad libitum Kälber nach dem Absetzen mehr Heu und Kraftfutter als restriktiv getränkte Kälber. Zudem sind höhere Tageszunahmen ein weiterer positiver Effekt.

Aufzuchtfutter hat Geschichte

Schon 1964 enthielt das UFA-Sortiment drei verschiedene Aufzuchtfutter für jede Phase der Aufzucht. Die Futter von damals (UFA 116, UFA 118, UFA 219) gibt es auch heute noch zur Auswahl. 1985 kam das erste thermisch behandelte Futter für Kälber auf den Markt. Mit dem Futter UFA 114 wurde eine Neuheit eingeführt. Aufgrund der thermischen Behandlung wurde die Futterverwertung und somit die Nährstoffverfügbarkeit verbessert. Durch die hohe Nährstoffdichte konnten kleinere Mengen verabreicht werden. Dies begünstigte eine höhere Raufutteraufnahme, ohne dass das Kalb während dem Absetzen unterversorgt war. Heute sind nebst verschiedenen Aufzuchtmilchpulvern und Spezialitäten insgesamt sieben spezifisch für die Aufzucht formulierte Futter vorhanden.

Wussten Sie, dass…

… Die UFA bereits im Jahr 1964 Aufzuchtfutter für jede Aufzuchtphase angeboten hat  … 1992 empfohlen wurde, die Kälber mit einer Milchgabe von total 300 Liter Milch abzusetzen  … Hohe Milchgaben die Rau- und Kraftfutteraufnahme nach dem Absetzen nicht negativ beeinflussen

Rinder nicht vergessen

Eine optimale Aufzucht endet nicht nach dem Absetzen der Kälber. Oft wird vergessen, dass die Aufzuchtrinder während des ganzen ersten Lebensjahres intensiv und mit Futter von bester Qualität zu füttern sind.
Bereits im Ratgeber aus dem Jahr 1970 wurde auf diese Thematik hingewiesen. Dies zieht sich über alle Ratgeber und UFA-Revue Artikel der Vergangenheit und hat auch heute noch seine Berechtigung.
Bezüglich der Raufutterqualität bei Rindern ab dem ersten Lebensjahr wurde vor rund 50 Jahren festgehalten, dass man Raufutter mit mittlerer Qualität vorlegen kann. Die Begründung war, dass die Nährstoffversorgung mit diesem Futter sichergestellt werden kann und nur die Mineralstoffversorgung ergänzt werden müsse. In den heutigen spezialisierten Aufzuchtsystemen kann dies nicht so pauschal gesagt werden. Vielmehr sollte man sich bei der Fütterung auf die körperliche Entwicklung und nicht auf das Alter eines Rindes konzentrieren. Wichtig ist, dass die Rinder im Belegungsalter nicht verfetten, damit eine gute Fruchtbarkeit gewährleistet werden kann.

Die Kühe von morgen

Die Aufzuchtkälber von heute sind die Milchkühe von morgen. Wer eine leistungsstarke Milchkuh will, muss vom ersten Tag an in das Aufzuchtkalb investieren. Die Aufzucht ist ein wichtiger Kostenpunkt in der Milchviehhaltung. Diese sollten nicht auf einem Minimum, sondern auf einem Optimum gehalten werden. Eine intensiv gefütterte Milchkuh muss schon als Kalb dementsprechend gefüttert werden. Im Fachjargon nennt sich dies metabolische Programmierung. Je intensiver ein Kalb in den ersten drei Lebenswochen gefüttert wird, desto mehr Nährstoffe kann es später als adultes Tier aufnehmen und verwerten. Durch die hohe Nährstoffaufnahme bilden sich zudem mehr Milchbildungszellen im Euter des jungen Kalbes. Verschiedene Studien belegten, dass intensiv gefütterte Aufzuchtkälber später als Milchkuh eine höhere Milchleistung erzielen als restriktiv gefütterte Kälber. Die Programmierung muss allerdings früh erfolgen, da sie in der neunten Lebenswoche grösstenteils abgeschlossen ist. Die Kälber mit Milchentzug zur Kraft- und Raufutteraufnahme zu zwingen, wie es in den 90er Jahren praktiziert wurde, ist deshalb der falsche Weg. Kälber sind in den ersten drei Lebenswochen nicht dazu gemacht, grössere Mengen an Kraft- und Raufutter aufzunehmen.

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Rationenplan 1992.

(Bild: Archiv UFA-Revue)

Eine hohe Nährstoffaufnahme ist nur durch hohe Milchmengen oder konzentrierte Tränke möglich. Ebenso wichtig ist die Energieversorgung des Muttertiers. Wenn Kühe in den letzten Wochen der Trächtigkeit eine ungenügende Nährstoffaufnahme hatten, wird der Effekt der metabolischen Programmierung vom jungen Kalb um ein Vielfaches verringert. Der Effekt der metabolischen Programmierung kann aber auch reduziert werden. Eine starke Lungenentzündung oder andere schwere Erkrankungen vermindern die bereits stattgefundene Programmierung. Eine intensive Fütterung führt somit nicht unwiderruflich zu einer leistungsstarken Kuh. Die Haltung und Umweltbedingungen sind ebenso wichtig.

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