Nutztiere

Gewappnet für das Absetzen?

In der Ferkelaufzucht gilt es, einige kritische Phasen zu meistern. Management und Fütterung sind dabei entscheidende Faktoren. Das Ferkel ist dabei nicht isoliert zu betrachten, denn auch die Versorgung vom Muttertier hat einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Ferkel.

Absetzferkel müssen genügend fressen. 

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Leiter Schweineproduktionsprogramm UFA, 3360 Herzogenbuchsee

Ressortleiterin Schweine, UFA-Beratungsdienst

Die erfolgreiche Ferkelproduktion beginnt schon vor der Geburt der Ferkel mit der optimalen Geburtsvorbereitung der Sau. Oft finden in dieser Phase Fütterungsumstellungen statt, da das Tier den Stall oder den Betrieb wechselt. Ohne sanften Futterwechsel sind Verdauungsstörungen möglich, welche zu einem verzögerten Abferkeln bis hin zum Auftreten des Postpartalen Dysgalaktie-Syndroms (PPDS) führen können. Totgeburten oder geschwächte Ferkel sind die Folgen davon. Zusätzlich gilt es auch, Managementregeln einzuhalten. Gereinigte und desinfizierte Abferkelbuchten reduzieren den Krankheitsdruck. Das Vorheizen des Stalles auf 18 bis 22 °C für die Muttersau sowie des Ferkelnestes auf mindestens 35 °C entsprechen dem physiologischen Wohlbefinden der Tiere.

Für mehr Sicherheit

Die Absetzspezialität UFA top-securo und das Absetzfutter UFA 308-6 bringen Sicherheit und unterstützen die Ferkel mit natürlichen Zusatzstoffen über die Absetzphase. Sie enthalten organische Säuren zur Unterdrückung krankmachender Keime, Toxinbinder sowie natürliche Antioxidantien zur Reduktion von oxidativem Stress. Dank der verschiedenen Inhaltsstoffe werden die Vitalität gefördert und der Appetit und die Gewichtszunahme der Ferkel verbessert.

Von der passiven zur aktiven Immunität

In den ersten Lebensstunden ist das Kolostrum für die Ferkel die einzige und entscheidende Nahrungsquelle. Die Versorgung mit der ersten Muttermilch in den ersten drei Stunden liefert Energie für den Erhalt der Körpertemperatur und sorgt für die Ausbildung der passiven Immunität. Diese bietet dem Ferkel einen sofortigen Schutz gegen krankmachende Keime, da die Neugeborenen ohne ausgebildetes Immunsystem auf die Welt kommen. Die Fähigkeit, diese Abwehrstoffe aus dem Darm in den Stoffwechsel zu überführen, verlieren die Ferkel schon nach wenigen Stunden.

Wird der Muttersau ein Hochenergiekonzentrat mit speziellen Fettsäuren und schnell verfügbaren Kohlenhydraten verabreicht, wird die Kolostrumqualität erhöht.

Nach zwei bis drei Wochen müssen die Ferkel ihre eigene Immunität aufbauen. Diese aktive Immunisierung kann mittels Impfung unterstützt werden, indem das Immunsystem mit einer unschädlichen Dosis an Erregern stimuliert wird und so Antikörper gebildet werden. Eine Impfung gegen Circoviren und Lawsonia ist zu empfehlen. Je nach Situation auf den Betrieben ist es angezeigt, den Impfplan mit dem Tierarzt zu besprechen und nach Bedarf betriebsspezifische Impfstoffe einzusetzen.

Anfütterung als solide Basis

Ferkel haben von Anfang an den Drang, ihre Umgebung zu erkunden. Ihr natürliches Verhalten, mit der Rüsselscheibe nach Nahrung zu suchen, kann genutzt werden, um möglichst früh und spielerisch mit dem Anfüttern zu starten. In der Praxis eignet sich dazu eine Mischung von Prestarter und Wühlerde, welche auf den Boden gestreut wird. Kleine Portionen, mehrmals täglich, sorgen für bleibende Schmackhaftigkeit und unterstützen eine gute Hygiene. Ein Prestarter soll einen hohen Milchanteil haben, da das Verdauungssystem auf Milchkonsum ausgerichtet ist. Getreide und Sojaprodukte sind in dieser Phase weniger erwünscht, da sie im Verdauungstrakt das Bilden unerwünschter Bakterien fördern können. Gleichzeitig ist auch die Eisenreserve der Frischlinge auf wenige Tage limitiert. Eine Zugabe ist daher zwingend. Eisenmangel bei den Ferkeln führt zu einer erhöhten Infektionsanfälligkeit mit Durchfall, Appetitmangel und Wachstumsverzögerung. Eine Kombination aus Eiseninjektion zwischen dem dritten und fünften Lebenstag sowie oraler Zugabe mittels Eisenzucker oder Eisenpaste hat sich in der Praxis bewährt. Eisenzucker kann auch mit dem Prestarter vermischt werden. Auf keinen Fall darf die Injektion vor dem dritten Lebenstag erfolgen, da Eisen das Wachstum von einigen krankmachenden Keimen fördert.

Enzymtraining für die Zukunft

Die Natur stellt sicher, dass in den ersten Lebenstagen für die Verdauung der Muttermilch die Enzyme Laktase (Abbau von Milchzucker) und Lipase (Spaltung von Milchfett) zur Verfügung stehen. Die Energie- und Eiweissbasis in den Ferkelaufzuchtfuttern bilden aber Getreide in Form von Stärke und pflanzlichen Proteinträgern. Das Verdauungssystem baut die entsprechenden Enzyme Amylase (Stärkeabbau) und Pepsin (Proteinabbau) erst nach drei bis vier Lebenswochen auf.

Daher soll ein Prestarter oder Starterfutter eine Mindestmenge an aufgeschlossenem Mais oder Weizen enthalten. Dies gewährleistet, dass sich die Verdauungsenzyme im Magen-Darm-Trakt der Ferkel entwickeln können (Grafik).Gleichzeitig werden auch die Darmzotten entsprechend ausgebildet. Diese bilden die Basis für eine optimale Nährstoffaufnahme im Darm während der Aufzuchtphase.

Bio Tipp

Ferkel im Bio-Betrieb unterstützen

Das Absetzen der Ferkel ist im biologischen Landbau eine besondere Herausforderung. Zur Unterstützung während der Absetzphase oder weiteren Stressphasen hat UFA zwei neue Produkte entwickelt. UFA 476 – 7 unterstützt das Ferkel über die schwierige Absetzphase und sorgt für eine hohe Ferkelgesundheit vom Absetzen bis hin zum Verkauf der Ferkel.

UFA 391 securo natur unterstützt die Ferkel mit natürlichen Zusatzstoffen über die Absetzphase. Das Einstallen in die Mast, verbunden mit Stressfaktoren wie Transport, neues Futter und neue Artgenossen, wird erleichtert.

Absetzen als Herausforderung

Rund ums Absetzen werden die Ferkel verschiedenen Stressfaktoren ausgesetzt. Es gibt den sozialen Stress mit dem Trennen vom Muttertier, den Umweltstress mit neuen Artgenossen in neuer Umgebung und den fütterungsbedingten Stress, da sie nun ohne Muttermilch auskommen müssen. Durch diese Faktoren werden Stresshormone (Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) produziert. Eine erhöhte Energiemobilisation (Abbau von Glukose und Fett) ist die Folge und dient dem Ferkel dazu, Energie zur Verfügung zu stellen. Bei Dauerstress führt dies zu einer chemischen Reaktion, wobei freie Radikale entstehen. Dieser sogenannte oxidative Stress kann das Gewebe (Bindegewebe, Nervenzellen, Muskelfasern, Darmzellen) beschädigen, wodurch die Stoffwechselfunktionen gestört werden. Die Verdauung läuft nicht mehr rund, was zu Immunschwäche und Durchfall führen kann. Mit geeigneten Managementmassnahmen gilt es, die Stressfaktoren zu reduzieren. Gereinigte, desinfizierte, trockene und warme Jagerbuchten mit Beschäftigungsmaterial für die natürliche Neugierde erleichtern die Umstellung. Fütterungstechnisch sollte zehn Tage vor bis eine Woche nach dem Absetzen keine Umstellung der Ration erfolgen.

Flexibilität in der Aufzucht

Ist die schwierige Phase rund um das Absetzen erfolgreich gemeistert, folgt mit der Ferkelaufzucht ein ruhigerer Abschnitt. Der Magen-Darm-Trakt mit seinen komplexen Funktionen ist weitestgehend ausgereift, das Immunsystem hat Fahrt aufgenommen und die körpereigene Produktion von Antikörpern ist in vollem Gange. Bei der Gestaltung der Futtermischungen können neben schmackhaften und hochverdaulichen Rohkomponenten nun auch weniger stark veredelte Komponenten wie herkömmliches Sojaschrot eingesetzt und der Fokus auf das Ausschöpfen des Wachstumspotenzials gelegt werden. Auch in dieser Phase gilt es, mit geeigneten diätetischen Massnahmen wie organischen Säuren oder Tanninen als natürliche Antioxidantien und Prä- oder Probiotika den Darm gesund zu halten. 

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Dem Unkraut an den Kragen
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