Quer gelesen
- Zink und Kupfer unterstützen die Hornhärte, Wundheilung und Hautbarriere.
- Biotin verbessert die Hornhärte und Hornqualität, zeigt seine Wirkung aber erst nach mehreren Monaten.
- Organisch gebundene Spurenelemente gehen weniger Wechselwirkungen im Pansen ein und erhöhen die Versorgungssicherheit.
Die Klauengesundheit der Herde hat einen erheblichen Einfluss auf die Milchleistung und somit auf die Wirtschaftlichkeit des Milchviehbetriebs. Die meisten Betriebsleitenden wissen, dass eine Kuh, die lahmt, weniger frisst, weniger Milch produziert und erheblich mehr Arbeitsaufwand generiert. Je nach Schweregrad verursacht eine Lahmheit pro Laktation einen Milchverlust von 175 bis 1000 kg, im Durchschnitt rund 360 kg. Deshalb ist es sinnvoll, für die Klauengesundheit der Herde gezielt in die Fütterung zu investieren, um sowohl mechanischen als auch metabolischen Klauenerkrankungen wie Weisse-Linie-Defekt, Sohlengeschwür oder auch infektiösen Erkrankungen wie Mortellaro oder Ballenhornfäule vorzubeugen. Die Fütterung ist wichtig für die Klauengesundheit, behebt aber keine baulichen Fehler im Stall. Vielmehr leistet eine bedarfsgerechte Fütterung einen wichtigen Beitrag innerhalb eines präventiven Gesamtkonzepts für eine gute Klauengesundheit.
Biotin verbessert die Härte und die Qualität der Klauen.
Biotin für harte Klauen
Ein entscheidender Faktor für die Klauengesundheit ist die Härte des Horns. Je stärker und härter das Horn ist, desto besser ist die Kuh vor mechanischen Verletzungen geschützt. Eine Untersuchung der Universität Zürich zeigt, dass mit einer Biotinsupplementierung der Heilungsprozess von Sohlengeschwüren besser verläuft. Eine japanische Studie hat den Einfluss von Biotin auf die Hornqualität bei Holsteinkühen untersucht. Die Versuchsgruppe erhielt zusätzlich 20 mg Biotin, was etwa der Dosierung eines handelsüblichen Schweizer Mineralstoffs mit Biotin entspricht. Die japanischen Wissenschaftler konnten zeigen, dass mit der Biotinergänzung die Klauenhärte um bis zu 20 % gesteigert wird. Gleichzeitig war die Feuchtigkeit der Klauen signifikant tiefer, was ebenfalls für eine bessere Härte der Klauen spricht. Allerdings zeigte sich die effektive Wirkung von Biotin auf die Klaue erst nach rund vier Monaten. Die Hornqualität verbesserte sich sichtbar, die maximale Wirkung zeigte sich aufgrund des Klauenwachstums jedoch erst nach rund zehn Monaten. Biotin verbessert die Klauengesundheit also nachhaltig, muss dafür aber über längere Zeit eingesetzt werden.
Die zwei Einflussreichen
Die Spurenelemente Zink und Kupfer tragen wesentlich zur Klauengesundheit bei. Zink ist massgeblich an der Keratinbildung beteiligt und beeinflusst dadurch die Hornhärte. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass eine bedarfsgerechte Zinkversorgung das Auftreten von Sohlenblutungen, Weisse-Linie-Defekten und Klauengeschwüren verringern kann. Zink unterstützt die Zellteilung und fördert dadurch die Wundheilung sowie das Wachstum der Klaue. Dies ist besonders bei Weisse-Linie-Defekten, Mortellaro oder Sohlengeschwüren von Bedeutung. Auch Kupfer unterstützt die Hornhärte, indem es Keratinstrukturen miteinander verbindet. Dadurch wird das Horn weniger brüchig und belastbarer. Zusätzlich beeinflusst Kupfer die Bildung und Vernetzung von Kollagen und Elastin. Damit verbessert es die Zugfestigkeit und Elastizität von Bändern, Sehnen und Lederhaut.
Jeder zweite Betrieb ist betroffen
In den Jahren 2010 und 2011 waren laut Erhebungen 73 % aller Milchviehbetriebe von der Infektionskrankheit Mortellaro betroffen. Neuere Zahlen aus dem Jahr 2021 sprechen noch von 55 % betroffenen Milchviehherden. Die Bekämpfung von Mortellaro scheint also Wirkung zu zeigen, jedoch ist die Krankheit nach wie vor ein relevantes Problem in Schweizer Milchviehställen. Die Bekämpfung von Mortellaro beginnt bereits bei der Unterstützung des Immunsystems der Tiere. Je stärker die körpereigene Abwehr ist, desto geringer ist das Risiko für eine Infektion. Die genannten Spurenelemente stärken das Immunsystem und die Widerstandsfähigkeit der Haut. Dadurch ent stehen weniger Verletzungen und mögliche Eintrittspforten für Erreger werden reduziert. Das gilt sowohl für Mortellaro als auch für Panaritium, umgangssprachlich Grippeli genannt.
Geschützt wirken sie besser
Bei der Aufnahme im Tier können Spurenelemente miteinander konkurrieren. So führt nicht nur die Unterversorgung eines Elements zu einem Mangel bei der Kuh. Hat ein Tier beispielsweise einen massiven Kupferüberschuss, kann dieser die Aufnahme von Zink hemmen und so zu einem Mangel führen, obwohl der Landwirt oder die Landwirtin über die Ration genügend Zink zugeführt hat. Dieser Vorgang wird als Antagonismus bezeichnet. Um solche Wechselwirkungen im Pansen zu verhindern, lohnt sich der Einsatz organisch gebundener Spurenelemente wie Zink und Kupfer. Diese kommen direkt im Dünndarm an und reagieren im Pansen nicht mit anderen Elementen. Zusätzlich zur besseren Versorgungssicherheit erhöhen organisch gebundene Spurenelemente die Effizienz, weil bereits tiefere Einsatzmengen den Bedarf der Kuh decken.









