Ein Landwirt berichtet der Tierarztpraxis: «Meine Kuh hatte letzte Nacht im fünften Trächtigkeitsmonat einen Abort. Das ist bereits der zweite Fall innerhalb von vier Wochen.» Diese Meldung ist gemäss Tierseuchenverordnung (Art. 129) Pflicht. Treten in einem Bestand innerhalb von vier Monaten mehrere Aborte auf, müssen Proben von Muttertier, Fötus und Nachgeburt untersucht werden. Auf Alpen und in Händlerställen gilt für jeden Abort eine Abklärungspflicht. Das kantonale Veterinäramt übernimmt die Kosten. Mit diesen Untersuchungen erkennen Tierärztinnen und Tierärzte Tierseuchen frühzeitig und schützen andere Betriebe und Menschen.
Hochinfektiös
Die Coxiellose gehört zu den überwachten Tierseuchen. Das widerstandsfähige Bakterium Coxiella burnetii überlebt jahrelang in der Umwelt, besonders im Staub. Der Wind kann den Aborterreger über mehrere Kilometer verbreiten. Das Bakterium infiziert Säugetiere, darunter den Menschen, sowie Vögel und Zecken. Bei Wiederkäuern verursacht der Erreger Aborte, Früh- und Totgeburten, lebensschwache Jungtiere, Gebärmutterentzündungen und Fruchtbarkeitsprobleme. Viele Infektionen verlaufen symptomlos, obwohl die Tiere das Bakterium über Wochen bis Monate mit Kot, Harn, Milch und Vaginalsekret ausscheiden. Besonders stark ist die Ausscheidung bei Geburten und Aborten: Ein Gramm Nachgeburt kann über eine Milliarde Erreger enthalten. Bereits ein bis zehn Coxiellen-Erreger reichen für eine Infektion.
Q-Fieber beim Menschen
Menschen infizieren sich durch engen Kontakt mit Wiederkäuern, insbesondere bei der Geburtshilfe, durch kontaminierte Aerosole oder Rohmilch. 2019 erkrankten im Tessin und 2023 auch im Wallis zahlreiche Menschen an Q-Fieber. Das Q in Q-Fieber steht für das englische Wort «query», ungeklärt. Die Erkrankung verläuft beim Menschen meist grippeähnlich oder symptomlos. Etwa zehn Prozent der Infizierten entwickeln Lungen- oder Leberentzündungen, seltener Herz- oder Hirnhautentzündungen. Bei Schwangeren erhöht eine Infektion das Risiko für Fehl- und Frühgeburten stark.
Bekämpfung und Vorbeugung
Für die Coxiellose existiert beim Tier keine etablierte Behandlung. Der Nutzen von Antibiotika ist nicht eindeutig bewiesen. Im Idealfall stoppt die Erregerausscheidung bei infizierten Tieren nach mehreren Wochen und diese bleiben immun. Fachleute schliessen jedoch eine Reaktivierung in der nächsten Trächtigkeit nicht aus. Auf Herdenebene reduziert ein Impfstoff (Import mit BLV-Sonderbewilligung) die Erregerausscheidung deutlich. Massnahmen zum Schutz von Mensch und Tier:
- Geburten in geschlossenem Raum, Geburtshilfe mit Handschuhen und Maske
- Geburtsbereich mit geeignetem Mittel desinfizieren
- Geschlossenes Aufbewahren und korrektes Entsorgen der Nachgeburt
- Risikopersonen wie Schwangere, kranke und immunsupprimierte Personen vom Stall fernhalten
- Separate Stallkleidung, Waschen bei mind. 70 °C
- Milch vor dem Konsum pasteurisieren
Entscheidend ist, dass Landwirtinnen und Landwirte sowie Tier- und Humanmedizinerinnen und -mediziner an Coxiellen als Infektionserreger denken und bei Verdacht entsprechende Abklärungen einleiten.
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