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Nutztiere

Gut gepuffert durch den Sommer

Ist der Pansen im Gleichgewicht, bleibt auch die Kuh gesund. Auskunft darüber gibt der pH-Wert. Sinkt er zu stark, steigt das Risiko einer Azidose. Ursachen sind meist Fütterungsfehler oder Hitzestress. Bis zu einem gewissen Grad puffert die Kuh Säuren selbst. Reicht dies nicht, können Puffersubstanzen helfen.

Heu und andere strukturreiche Futtermittel bringen die Kuh zum Wiederkauen. Das ist wichtig, weil der Speichel Säuren im Pansen puffert. 

Heu und andere strukturreiche Futtermittel bringen die Kuh zum Wiederkauen. Das ist wichtig, weil der Speichel Säuren im Pansen puffert. 

(Nicole Matt)

Publiziert am

Agronomin Technischer Dienst, UFA AG

Rindviehspezialist, UFA AG

Der pH-Wert im Pansen einer gesunden Kuh bewegt sich im neutralen bis leicht sauren Bereich. Abhängig von der Ration entstehen bei der Futterverdauung unterschiedliche Fettsäuren in unterschiedlichen Mengen, welche den pH‑Wert im Pansen absenken und aus dem Gleichgewicht bringen können. Damit der Pansen nicht übersäuert, verfügt die Kuh über ein natürliches Puffersystem. Dazu bildet sie grosse Mengen Speichel. Bei etwa 20 kg Trockensubstanzaufnahme sind dies rund 100 bis 200 l Speichel pro Tag. Dieser enthält Phosphate und Hydrogencarbonate mit einem pH-Wert von 8,2, welche die entstandenen Säuren im Pansen neutralisieren. Um diesen Vorgang zu unterstützen, braucht es eine trockene, grobstrukturierte und wiederkäuergerechte Ration.

Zu viel Säure schadet dem Pansen

Übersäuert der Pansen dennoch, spricht man von einer fütterungs- oder umweltbedingten Pansenazidose. Bei der akuten Pansenazidose wird innerhalb kurzer Zeit viel Säure gebildet, vor allem Milchsäure. Dadurch sinkt der pH‑Wert im Pansen stark ab, und es kommt zum Massensterben der Pansenflora. In der Folge entzündet sich die Pansenwand, was wiederum zu Geschwüren und Rissen darin führt. Über die geschädigte Pansenwand gelangen Bakterien und Giftstoffe in den Blutkreislauf und verursachen weitere Schäden im Körper der Kuh. Einer akuten Pansenazidose beugt man vor, indem man abrupte Futterwechsel vermeidet und stärkereiche Komponenten sorgfältig einsetzt.

Zu viel Stärke und zu wenig Rohfaser erhöhen das Risiko einer Pansenazidose.

Jede dritte bis vierte Kuh ist betroffen

Neben der akuten gibt es auch die subakute Pansenazidose. Untersuchungen zeigen, dass jede dritte bis vierte Milchkuh davon betroffen ist. Bei einer subakuten Azidose liegt der Pansen-pH per Definition mehr als 3 h pro Tag unter einem Wert von 5,6. Häufig liegt das daran, dass die Ration zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrate und zu wenig Rohfaser enthält. Typische Beispiele sind zu feingeschnittene Rationen, viel junges Gras oder Maissilage sowie hohe Kraftfuttergaben. Dadurch werden im Pansen vermehrt flüchtige Fettsäuren wie Propion‑ und Buttersäure gebildet. Das Risiko erhöht sich, wenn die Fütterung umgestellt wird. Betroffen sind etwa Übergangstiere beim Wechsel von der Transitphase in die Frühlaktation oder erstlaktierende Tiere, die zum ersten Mal eine energiereiche Ration erhalten. Auch Hitzestress kann eine Pansenazidose begünstigen. Bei Temperaturen über 20 °C atmet die Kuh schneller und gibt mehr CO 2 ab. Als Reaktion darauf scheidet der Körper vermehrt Bicarbonat aus. Gleichzeitig fressen die Tiere weniger und bilden entsprechend weniger Speichel. Beides schwächt die Fähigkeit der Kuh, Säuren im Pansen zu puffern. In heiklen Phasen lässt sich gegensteuern, indem man die Ration gleichmässig mischt, mehrmals täglich Futter vorlegt und genügend Fressplätze sicherstellt. Je nach Situation kann es zudem sinnvoll sein, gezielt puffernde Substanzen einzusetzen.

Puffer müssen zur Situation passen

Bei Puffersubstanzen kommt es vor allem darauf an, wie gut sie sich lösen und wie viel Säure sie neutralisieren können. Das bereits erwähnte Bicarbonat wirkt sehr rasch im Pansen und besitzt eine hohe Pufferkapazität. Es wirkt schnell, weil es fein strukturiert ist und sich gut in Wasser löst. Allerdings wird es auch schnell verbraucht, sodass die Pufferkapazität unter Umständen bereits ausgeschöpft ist, bevor sich der pH‑Wert im optimalen Bereich stabilisiert. Aus diesem Grund kommen zusätzliche Puffersubstanzen zum Einsatz, wie Kalziumcarbonat (Kalk). Je nach Körnung wirkt dieser schnell oder langsam. Ein langsam wirkender Puffer ist das Magnesiumoxid. Es hat theoretisch die höchste Pufferkapazität. In der Praxis kann es vorkommen, dass es je nach Körnung zu langsam wirkt und kaum pH‑stabilisierende Effekte im Pansen zeigt. Am wirksamsten lässt sich eine pansenbedingte Übersäuerung ausgleichen, wenn man verschiedene Puffersubstanzen kombiniert. Wie gut die Kühe Säuren im Pansen puffern, beurteilt man immer auf Herden- oder Gruppenebene. Massgebend ist, ob die Kühe mehr als 55 Wiederkauschläge pro Minute zeigen, der Kot fest ist und kein unverdautes Futter enthält, der Fett-Eiweiss-Quotient (FEQ) in der Milch über 1 liegt und sich die Leistung konstant entwickelt. Langfristig trägt ein stabiler pH-Wert im Pansen dazu bei, dass weniger Kühe lahmen, mehr Kühe fruchtbar bleiben und unspezifische Erkrankungen seltener auftreten. Der pH-Wert im Pansen bleibt stabil, wenn die Ration passt, das Management stimmt und Puffer gezielt eingesetzt werden. Wer früh eingreift, verhindert eher, dass Milchleistung und Tiergesundheit leiden. Besonders in Hitzeperioden können Puffer nicht nur korrigieren, sondern auch vorbeugend helfen, den Pansen im Gleichgewicht zu halten.

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