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Nutztiere

Klebsiellenmastitis: Eine unterschätzte Gefahr?

Häufig ist von gefürchteten «Coli-Vierteln» die Rede. Doch auch Klebsiellen können schwere, sogenannt toxische Euterentzündungen verursachen – oft mit noch gravierenderem Verlauf. Es lohnt sich daher, die Risikofaktoren zu kennen.

Klebsiellenmastitis: Eine unterschätzte Gefahr?
(Nicole Matt)

Publiziert am

Fachtierärztin FVH für Wiederkäuer, Tierarzt Siebnen AG

«Meine Kuh liegt plötzlich fest. Sie wirkt schläfrig, hat eingesunkene Augen und eine kalte Körperoberfläche. Ein Viertel ist vergrössert, verhärtet und gibt wässrige Milch.» Wenn ein solcher Notruf eingeht, gilt es schnell zu handeln. Die Kuh hat vermutlich eine Vergiftung durch Toxine aus abgestorbenen coliformen Mastitis-Erregern. Diese gelangen vom Euter in den Blutkreislauf und verursachen schwere Allgemeinsymptome. Zu diesen coliformen Keimen zählen neben Escherichia coli und anderen auch die Klebsiellen. Ihre Unterscheidung ist unter Praxisbedingungen nicht möglich und erfordert einen Labortest. Betroffene Viertel sind oft nicht mehr zu retten. Ohne adäquate und rasche Behandlung ist sogar das Leben der Kuh akut gefährdet. Überlebende Tiere sind oft derart stark ausgezehrt und tief in der Milchleistung, dass sie geschlachtet werden.

Das hilft der Kuh

Entscheidend sind nebst häufigem Ausmelken eine intensive Flüssigkeitstherapie via Pansen Sonde und / oder intravenösem Katheter, um die Giftstoffe auszuschwemmen. Ebenso wichtig ist der gezielte Einsatz von Entzündungshemmern. Viertelspülungen können zusätzlich unterstützen. Eine antibiotische Therapie wird bei Fällen mit schweren Vergiftungssymptomen empfohlen. Ergänzend helfen Substanzen mit antioxidativer Wirkung wie Selen, Vitamin E und Kalzium.

Wo kommen Klebsiellen vor?

Klebsiellen sind Umweltkeime, die Feuchtigkeit lieben und in jedem Stall vorkommen können. Gelangen sie über Futter oder Wasser in den Verdauungstrakt der Kühe, werden sie, ohne das Tier krank zu machen, mit dem Kot wieder ausgeschieden und kontaminieren so die Umgebung. Gefährlich wird es erst, wenn sie ins Euter gelangen. Alle Einstreumaterialien können mit Klebsiellen kontaminiert sein. Bei einem Verdacht lässt sich deren Klebsiellenbelastung im Labor überprüfen. Besonders risikoreich sind feuchte Materialien wie Kompost oder Güllefeststoffe sowie alle Holznebenprodukte. Auch andere Einstreu kann problematisch werden, wenn sie zum Beispiel im Kopfraum der Liegeboxen gelagert und durch Atemluft und Speichel zu feucht wird. Im Winter kann eine hohe Luftfeuchtigkeit im Stall das Problem verstärken.

Wie vorbeugen?

Bei potenziell belasteter Einstreu ist es wichtig, dass sich die Kühe nach dem Melken nicht sofort hinlegen. Zudem sollten die Zitzen vor dem Melken mittels Vordippen desinfiziert und Hyperkeratosen (Verhornungen am Strichkanal) durch einen optimalen Melkprozess verhindert werden. Um die Euterverschmutzung mit Kot gering zu halten, sind korrekte Boxenlänge, gute Boxenpflege und regelmässige Entmistung der Laufgänge zentral. Die Deckschicht in den Boxen sollte häufig erneuert und möglichst trocken gehalten werden. Eine gute Belüftung des Stalls hilft beim Austrocknen von feuchten Einstreumaterialien. Kalk oder andere Zusätze können hier unterstützend zum Einsatz kommen. Weiter muss die Biofilmbildung in Tränken oder am Melkroboter verhindert werden. Auch die Kuh selbst spielt eine Rolle: Stress (etwa durch Hitze) und Begleiterkrankungen (zum Beispiel eine Ketose) sollten vermieden und das Immunsystem gestärkt werden. 

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