category icon

Nutztiere

Signale frühzeitig erkennen

Die Gesundheit des Kalbes während der Aufzuchtphase stellt die Weichen für die Zukunft einer leistungsbereiten und langlebigen Kuh. Kälber senden viele Signale aus. «Schau hin und sehe fast alles» ist der erste wichtige Schritt zum Erfolg in der Jungviehaufzucht.

Besonders kleine Kälber liegen noch bis zu 90 Prozent des Tages, daher ist die Gesundheitsbeurteilung beim liegenden Kalb zentral.

Besonders kleine Kälber liegen noch bis zu 90 Prozent des Tages, daher ist die Gesundheitsbeurteilung beim liegenden Kalb zentral.

(Bild: Nathalie Roth)

Publiziert am

Beraterin Fachstelle Rindvieh, LZSG Flawil

Beobachtungen zum Liegeverhalten können erste Hinweise zum Allgemeinzustand, zum Stallklima oder auch zur Einstreu geben. Liegen die Kälber dicht beieinander, an der Wand oder verstreut in der Bucht, gibt uns das erste Informationen. Ein Kalb verbringt in den ersten Lebenswochen bis zu 22 Stunden am Tag liegend, das Jungvieh bis zu 18 Stunden. Der Gesundheitszustand der Jungtiere muss daher unbedingt im Liegen beurteilt werden. Grosszügiges Einstreuen hat viele Vorteile wie beispielsweise ein trockenes und weiches Liegebett. Sind beim liegenden Kalb die Hinterbeine im Stroh eingebettet, kann sich das Kalb bei tiefen Temperaturen wärmen.

Erster Eindruck zählt

Kälber sind besonders neugierig, aufmerksam und aktiv. Das Ohrenspiel ist lebhaft, die Augen trocken und die Nase glänzend, feucht und sauber. Ein fittes, vitales Kalb trinkt ohne Unterbruch, macht Kopfstösse und wedelt mit dem Schwanz. Allgemein angezogene Schwanzhaltung deutet auf Unwohlsein, Frieren oder Stress hin. Letzteres kann neben anderen Ursachen wie Hunger, unbefriedigtem Saugtrieb oder Langeweile durch intensives Besaugen zum Ausdruck kommen. Kälber haben mit zunehmendem Alter eine ausgesprochene Spielfreude und einen grossen Bewegungsdrang. Sie nehmen Spielzeug gerne an.

alt_text

Kälber nehmen Spielzeug wie an einer Kette aufgehängte Bälle oder Kanister gerne an.

(Bild: Nathalie Roth)
alt_text

Kälber nehmen Spielzeug wie an einer Kette aufgehängte Bälle oder Kanister gerne an.

(Bild: Nathalie Roth)

Teilnahmslose Tiere mit abgesenktem Kopf und solche, die nicht am Geschehen teilnehmen, sind genauer zu beobachten. Einseitig hängende Ohren bis hin zu Gleichgewichtsstörungen sind Anzeichen einer schmerzhaften Ohrenentzündung. Tränende Augen oder grosse Mengen an Augensekret weisen auf schlechte Luft oder eine Erkrankung hin. Eine trockene Nase hingegen ist ein Zeichen für trockene Schleimhäute. Solche sind anfälliger auf Infektionserreger. Normalerweise sind die Schleimhäute rosa. Bei erhöhten Entzündungswerten sind sie sichtlich gerötet. Die Körpertemperatur wird bei einem auffälligen Kalb als Erstes überprüft. Die Temperatur beim Jungvieh liegt zwischen 38,5 und 39,5 °C, neugeborene Kälber können Normaltemperaturen von bis zu 40 °C aufweisen.

Häufige Kälberkrankheiten

Atemwegserkrankungen gehören neben Durchfall zu den häufigsten Kälberkrankheiten. Die Atemfrequenz eines Kalbes liegt im Normalfall zwischen 20 und 40 Zügen pro Minute. Eine schnelle und oberflächliche oder angestrengte und tiefe Atmung weist auf eine Erkrankung der Atemwege hin. Ein zusätzlich feuchter Unterkiefer ist die Folge einer angestrengten Atmung mit offenem Maul (schwere Atemnot). Husten oder Nasenausfluss sind weitere Symptome. Zuerst wässriger, dann trüb-weisslicher bis eitriger Nasenausfluss zeigt eine fortschreitende Atemwegserkrankung. Blasse Schleimhäute werden mit niedriger Kreislauftätigkeit und Blutarmut in Verbindung gebracht.

Beim gesunden Kalb ist der Bauch entspannt und gefüllt. Ein aufgezogener Bauch ist ein Zeichen von Bauchschmerzen, eventuell mit Blähungen oder Durchfall. Werden häufiges Aufstehen und Abliegen sowie Fusstritte gegen den Bauch beobachtet, hat das Kalb möglicherweise Schmerzen. Ideal ist ein leicht pastöser, gelblicher Kot (Milchtränke). Ist der Kot wässrig und mit Blut vermischt, deutet das auf schwergradigen Durchfall hin. Trockener Kot eventuell in Kombination mit häufigem Pressen beim Kotabsetzen ist ein Zeichen von Flüssigkeitsmangel. Auch eingefallene Augen deuten auf einen solchen hin.

Schutzfunktion von Haut und Fell

Eine unbeschädigte Haut frei von äusseren Parasiten und Flechten wie auch ein glänzendes und glattanliegendes Fell ohne Kahlstellen oder Verklebungen sorgen für den wichtigen Kälteschutz bei Jungtieren. Ist das Kalb mit genügend Flüssigkeit versorgt, liegt die Hautfalte am Hals beim Anheben innerhalb weniger Sekunden glatt an und bleibt nicht stehen. Beim Streicheln des gesunden Kalbes ist eine leichte Körperspannung, wohliges Zucken oder Dehnen sichtbar. Tiere, die frieren, zeigen dies mit aufgestellten Haaren, krummem Rücken oder sie liegen nahe beieinander.

Wie im vorliegenden Artikel beschrieben, beginnt eine erfolgreiche Aufzucht mit guter Beobachtung und gezieltem Verfolgen betriebseigener Meilensteine, damit Wachstumseinbussen schnell erkannt werden: «Schau hin!» In einem weiteren Schritt werden getreu dem Kuhsignale-Prinzip die Ursachen geklärt: «Denk nach!» und Verbesserungen umgesetzt: «Handle!» 

Unser Tipp

Meilensteine der Jungviehaufzucht für grossrahmige Milchviehrassen

Wird das Gewicht regelmässig überprüft, können Wachstumseinbussen rasch erkannt werden.

Gewicht

bei der Geburt

45 kg

nach 50 Tagen

90 kg

mit 4 Monaten

140 kg

mit 6 Monaten

230 kg

mit 12 Monaten

350 kg

bei der Besamung

420 kg

bei der 1. Abkalbung

630 kg

Wirtschaftlichkeit im Schweinestall

Wirtschaftlichkeit im Schweinestall

Testen Sie Ihre Fachkenntnisse. Machen Sie mit am Agrar-Quiz der UFA-Revue. Was ist der grösste Kostenpunkt auf dem Schweinzuchtbetrieb? Oder welcher Faktor hat einen starken Einfluss auf den Schlachtpreis der Schweine?

Zum Quiz

Meistgelesene Artikel

Diese Website verwendet Cookies.

Einige dieser Cookies sind unerlässlich, während andere uns helfen, Ihr Nutzererlebnis zu verbessern, indem sie uns Einblicke in die Nutzung der Website geben.

Ausführlichere Informationen über die von uns verwendeten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.

Einstellungen anpassen