Nutztiere

Ergänzung oder Konkurrenz?

Oftmals haben Produzenten im Inland Mühe, ihr selber produziertes, überschüssiges Raufutter (Heu und Silage) am Markt zu verkaufen. Regelmässig über das ganze Jahr werden aber Raufutter importiert. Doch ist dies als Ergänzung oder Konkurrenz zu betrachten?

Nur einwandfreies Heu ist geeignet für die Fütterung von Pferden.

(pixabay.com)

Publiziert am

fenaco GOF

In der Schweiz findet immer mehr eine Spezialisierung der Landwirtschaft zu Lasten der Mischbetriebe statt. Der Landwirt muss sich vor allem bei Investitionen im Klaren sein, ob er auf Tierhaltung oder Ackerbau setzen will. Um im Ackerbau bei einem ökologischen Programm mitmachen zu können, wird auf den extensiven Flächen oftmals Heu produziert. Diese extensive Qualität wird nachhaltig und ökologisch zur Förderung der einheimischen Wildblumen und Insekten mit verspätetem Schnittzeitpunkt produziert. Diese Massnahmen sind zum Teil Pflicht und werden finanziell abgegolten.

Pferdeheu

In vielen Büchern steht geschrieben, dass Öko-Heu an Pferde (oder Jungvieh) verfüttert werden kann. Dies entspricht aber in den meisten Fällen nicht mehr den Erwartungen der heutigen modernen Pferdehalter. Diese erwarten zwar eine gut strukturierte, aber nicht schlechte Qualität. Weiter wird eine Vielfalt an Gräsern, schmackhaft und arttypisch gewünscht. Die Ware darf nicht verklebt oder verunreinigt sein, muss einen tiefen Staubanteil aufweisen und möglichst frei von Blacken und Giftpflanzen (Herbstzeitlose, Jakobskraut, etc.) sein. Öko-Heu in Pferdequalität zu produzieren, ist zwar nicht unmöglich, verlangt jedoch eine grosse Aufmerksamkeit der Produzenten sowie etwas Wetterglück. Auch ist die Haltung der Pferdehalter zu Öko-Heu teils kritisch. Daher wird immer mehr nach warm belüfteter Qualität gefragt.

Zudem ist neu für Pferdehalter das Qualitätsprodukt Hippoluz (Luzerne in handlichen 20 kg Plastikballen, 48 Ballen/Palette) als interessante und sichere Fütterungsalternative empfehlenswert.

Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion

Mit dem GMF-Programm fördert das Bundesamt für Landwirtschaft die standortgerechte Milch- und Fleischproduktion. Beitragsberechtigt ist, wer in der Jahresration aller auf dem Betrieb gehaltenen raufutterverzehrenden Nutztiere mindestens 90 Prozent aus Grundfutter gemäss vorgeschriebener Liste (www.blw.admin.ch) verfüttert. Weiter muss die Jahresration im Talgebiet zu mindestens 75 Prozent und im Berggebiet zu mindestens 85 Prozent aus frischem, siliertem oder getrocknetem Wiesen- und Weidefutter bestehen.

GMF

Die Schweiz ist ein typisches Grasland. Deshalb ist das Programm graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) eingeführt worden. Die Tierhalter sind verpflichtet, dass die Jahresration für ihre Kühe im Talgebiet zu mindestens 75 Prozent und im Berggebiet mindestens zu 85 Prozent aus frischem, siliertem oder getrocknetem Wiesen- und Weidefutter besteht. Im Gegenzug muss die heutige Kuh immer mehr leisten. Deshalb ist es dem Landwirt nicht möglich, nebst dem eigenen auch noch zugekauftes Öko-Heu zu verfüttern. Im Gegenteil: Immer mehr warm belüftetes oder sogar künstlich ballengetrocknetes Heu und Emd von bester Qualität aus dem Inland oder nahen Ausland wird eingekauft, um die Vorgaben der GMF-Produktion zu erreichen. Vor allem Luzerne wird in den letzten Jahren immer regelmässiger als fester Bestandteil in der Ration eingesetzt. Diese künstlich getrocknete Leguminose fördert die Fresslust der Kühe und hat einen ansprechenden Rohproteingehalt. In den Jahren 2013 bis 2016 wurden laut Angaben des Schweizer Raufutter-Verbandes pro Jahr gut 150 000 t Heu, Luzerne und weitere Grasprodukte importiert. Also ist es auch bei Milch- und Mutterkühen sehr schwierig, zusätzliches Öko-Heu zu verwerten.

Trockengras-Produktion

Innovative Landwirte lassen in der Trocknungsanlage der LANDI Landshut in Bätterkinden, als Beispiel, inländisches Trockengras als Alternative zu importierter Luzerne produzieren. Möglichst junges, gehaltvolles und sauberes Klee- oder Luzerne-Klee-Gras bei künstlicher Trocknung ergibt ein optimales Futter mit hohem Proteingehalt. Das Produkt kann in Form von Häckselballen oder Würfeln gelagert und verfüttert werden.

Infos unter: www.landilandshut.ch/trocknungsanlage 

Herkunft der Luzerne

Luzerne ist weltweit die meist angebaute Futterpflanze. Die USA und Argentinien sind mit 9 000 000 ha und 6 900 000 ha die grössten Luzerneproduzenten. Für die Schweiz kommt der grösste Teil aus der Region Champag-ne-Ardenne (nordöstlich von Paris) in Frankreich. Der kreidehaltige Boden ist gut für den Luzerneanbau geeignet. Zusätzlich werden Importe aus anderen Regionen Frankreichs, Italiens, Spaniens, Deutschlands und Osteuropas getätigt. Der Landwirt kann zwischen den einzelnen Schnitten und verschiedenen Häcksellängen oder Würfeln mit verschiedenen Proteingehalten auswählen. Zusätzlich ist je nach Herkunft EU-Bio oder Bio-Knospe zertifizierte Ware erhältlich. In der Schweiz versuchen verschiedene Produzenten ebenfalls, Luzerne anzubauen. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit ist eine Kultivierung schwierig, jedoch nicht unmöglich. Oftmals lassen die Landwirte in der Schweiz einen Schnitt verblühen und es muss auch nachgesät werden.

Ergänzung oder Konkurrenz?

Der Schweizer Landwirt, welcher bei einem ökologischen Programm teilnimmt, produziert aus seinen extensiven Flächen oftmals Öko-Heu. Auf der anderen Seite kauft der Landwirt für die optimale Fütterung der Kuh gutes Dürrfutter sowie künstlich getrocknete Luzerne zu. Dies ermöglicht ihm, am GMF-Programm teilzunehmen.

Somit ist die Frage falsch, ob Importe die Inlandproduktion von Raufutter ergänzen oder konkurrieren. Der Markt mit Angebot und Nachfrage kann diese Situation nicht lösen oder erklären. Es ist eine Tatsache, dass die zwei staatlich geförderten Programme nicht aufeinander abgestimmt sind. Dies kann zu Unmut führen, da der eine Landwirt sein ökologisch produziertes Heu nicht oder nur schlecht verkaufen kann und der andere Landwirt auf den Import von Luzerne angewiesen ist. 


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