Nutztiere

Hilfe vom Tierarzt: «Was tun gegen Harntrinken?»

«Seit ein paar Wochen beobachte ich bei unseren Mutterkühen ein ständiges Urinlecken. Was will uns das sagen, weist es auf einen Mangel hin? Aber welchen?»

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Vielen Dank für Ihre Frage. Vorweggenommen: Sie ist nicht einfach zu beantworten, da bis heute die definitiven Ursachen für Urintrinken bei Rindern nicht vollständig geklärt sind. Verschiedene Gründe werden in der Fachliteratur diskutiert. Sehr häufig treffe ich in der Praxis und auch in der Literatur auf fütterungsbedingte Ursachen. Hier stehen vor allem die Wasser-, Viehsalz- und Spurenelementversorgung im Mittelpunkt. Freier Zugang zu Wasser muss für alle Kühe jederzeit gewährleistet sein. Dabei muss beachtet werden, dass es je nach Platzierung (Ausweichmöglichkeiten), Anzahl und Grösse der zugänglichen Tränkebecken vor allem für rangniedrige Tiere zu Stresssituationen kommen kann. Eine optimale Viehsalzversorgung ist gewährleistet, wenn pro Kuh und Tag mindestens 50 g Viehsalz verfüttert werden. Dabei gestaltet sich die Verabreichung über eine Mischration oder über das Grundfutter sicherer. Wird es in einer Leckschale angeboten, kann die Aufnahme zum Beispiel je nach Rangordnung oder Laktationsstadium variieren. Das adäquate Versorgen mit Mineralstoffen ist ein weiterer wichtiger Punkt. Sollten bei der Spurenelementversorgung Unsicherheiten bestehen, empfiehlt sich, in Absprache mit dem Hoftierarzt, ein Überprüfen mittels Blutproben. Es muss beachtet werden, dass die genannten Punkte auch für Rinder und allenfalls separat gehaltene Galtkühe gelten.

Weiter wird Stress als möglicher Auslöser für Urintrinken diskutiert. Zu hohe Tier-/Liege- respektive Fressplatz-Verhältnisse, allgemein knappe Platzverhältnisse und schlechte Ausweichmöglichkeiten sind einige Punkte, welche Stress in einer Herde auslösen können. Einige Tiere gewöhnen sich das Harntrinken auch aus Langeweile an, wobei dies nur schwer abzugewöhnen ist.

In einem Fallbericht wurde ausserdem gehäuft Harntrinken in einer Herde mit erhöhter alkalischer Belastung (Pansenalkalose) beobachtet. Professor Hoffmann beschrieb, dass der Säure-Ba-sen-Haushalt, welcher vor allem durch die Fütterung beeinflusst wird, in Richtung eines Basenüberschusses verschoben war. Wichtigste Ursachen sind eine hohe Kationen:Anionen-Bilanz, ein Überschuss an Rohprotein, ein hoher Ammoniakgehalt in der Silage oder ein hoher Rohaschegehalt. Auch warm gewordene Futtermittel können zu einer hohen alkalischen Belastung führen. Einen Hinweis dazu kann die Kontrolle des Harnes (pH-Wert, NSBA) geben. Harntrinken kann auch bei einem Verschieben des Blut-pHs Richtung sauer beobachtet werden. Dies kann zum Beispiel bei zu starkem Ansäuern der Galtkühe mit sauren Salzen vor dem Abkalben beobachten werden. Auch da hilft der Harn-pH zur Kontrolle.

Um das Problem in Ihrer Herde anzugehen, empfehle ich, zuerst die Tiere zu eruieren, welche hauptsächlich Harntrinken zeigen (Alter, Laktationsstadium, bestimmte Gruppen). Anhand von dem können sie anschliessend die oben diskutierten Punkte für die jeweiligen Tiere oder Gruppen überprüfen und falls offensichtliche Probleme auffallen, direkt beheben. Sollte dies nicht der Fall sein, empfehle ich, weitere Abklärungen bezüglich der Fütterung in Absprache mit Ihrem Fütterungsberater und Hoftierarzt vorzunehmen.

Haben Sie auch Fragen oder beschäftigt Sie etwas, das Sie bei einem Tierarzt ansprechen möchten?
Lassen Sie uns die Frage per E-Mail mit dem Betreff «Tierarzt» zukommen: redaktion@ufarevue.ch
Oder füllen Sie das Formular aus.

Leserangebote

Leserangebote

bestellen Sie jetzt eines unserer exklusiven Leserangebote.

Diese Website verwendet Cookies.

Einige dieser Cookies sind unerlässlich, während andere uns helfen, Ihr Nutzererlebnis zu verbessern, indem sie uns Einblicke in die Nutzung der Website geben.

Ausführlichere Informationen über die von uns verwendeten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.

Einstellungen anpassen