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Nutztiere

Kabellos voll verdrahtet

Überall auf der Welt werden Kälber getränkt. Ein Tränkeautomat nimmt den Landwirten dabei viel Arbeit ab. Die deutsche Firma Förster Technik beschäftigt sich seit 47 Jahren mit der Materie, entwickelt ihre Systeme stetig weiter und macht auch vor der Digitalisierung nicht halt.

Die Gebrüder Markus (l.) und Thomas (r.) Förster leiten das Familienunternehmen in Engen, Deutschland.

Die Gebrüder Markus (l.) und Thomas (r.) Förster leiten das Familienunternehmen in Engen, Deutschland.

(Sandra Frei)

Publiziert am

Aktualisiert am

ehemalige Redaktorin UFA-Revue

Die Digitalisierung schreitet auch in der Kälbermast voran. So beispielsweise bei der Firma Förster Technik: Sie bietet zusätzlich zu ihren Tränkeautomaten verschiedene Tierüberwachungsmodule und die Datenverarbeitung mit einer Cloud-Lösung an. Im Interview geben die beiden Geschäftsführer Markus und Thomas Förster einen Einblick, wie die Tränkeautomaten und die Software weiterentwickelt werden und mit welchen Projekten sie sich aktuell beschäftigen.

UFA-Revue: Welches sind für Sie die wichtigsten Märkte und wo steht dieSchweiz?

Markus Förster: Obwohl die Schweiz ein kleines Land ist, nimmt sie bei uns eine wichtige Rolle ein und gehört zu den Top 5 unserer Kunden. Zu den Schweizer Kunden haben wir einen engen Draht und erhalten durch die Zusammenarbeit mit Alfred Erni, UFA-Verkaufsleiter Kälbermast, ein direktes Feedback zur Qualität und Kundenzufriedenheit. Das fehlt bei international operierenden Firmen oft.

Thomas Förster: Unser grösster Markt ist Nordamerika, weiter sind Deutschland, England, Irland und Asien mit China und Japan wichtige Player für uns.

Was ist speziell am Schweizer Markt?

Thomas Förster: In die Schweiz verkaufen wir rund 50 Prozent ad libitum Automaten für die Kälbermast. Die restlichen Tränkeautomaten sind mit Halsbändern zur Tiererkennung und individuellen Tränke ausgestattet. In den anderen Märkten verkaufen wir vor allem Halsband-Automaten für die Milchviehaufzucht, vereinzelt für die Fresserproduktion. Die Kälbermast, wie sie in der Schweiz betrieben wird, ist aus unserer Sicht einzigartig. Die Halsbänder-Automaten nehmen aber auch in der Schweiz zu, sie kommen immer häufiger in der Kälbermast zum Einsatz. Oft in Kombination mit der Milchviehaufzucht am selben Automaten.

Wie veränderten sich die Tränkeautomaten im Laufe der Zeit?

Thomas Förster: Die Förster-Tränkeautomaten gibt es bereits seit 47 Jahren. Die Firma wurde 1971 von unserem Vater gegründet und hat sich von Anfang an auf die Kälberfütterung spezialisiert. Der erste Grossauftrag mit 30 Maschinen ging tatsächlich in die Schweiz. Die Maschinen waren einfach und robust aufgebaut und haben Milchpulver mit Wasser angemischt. Bis heute sind diese Automaten die Grundlage unserer Produktion. Was wir auch beibehalten haben, ist das frische Anrühren jeder Portion, wenn ein Kalb zum Automaten kommt.

Immer wenn neue Technologien am Markt aufkamen, haben wir diese aufgegriffen. Beispielsweise Computertechnologie oder Funkerkennung, diese haben wir rasch intergiert und genutzt. Zuerst wurden die Automaten an die Systeme der Kraftfutterstationen der Kühe angehängt. Über diese wurde die Tränkemenge der Aufzuchttiere begrenzt. Das war unser Einstieg in das Marktsegment der Milchviehaufzucht. Als sich in den 90er Jahren die Technik rasanter weiterentwickelte und auch für Firmen unserer Grösse verfügbar wurde, haben wir die Chance genutzt und eigens unseren ersten «StandAlone» entwickelt. Diese Maschine übernahm die Zubereitung der Milch und verfügte über einen eigenen Kälbercomputer. Von da weg konnten wir die Automaten mit eigenen «Kälberfunktionen» ausstatten.

Markus Förster: In den vergangenen Jahren entstand immer mehr die Nachfrage nach mehr Management- Funktionen, Tier- und Gruppenvergleichen oder dass mehr auf Tiergesundheit und Tierwohl geschaut wird. Unterdessen haben wir Instrumente entwickelt, um die grosse Datenflut auszuwerten und übersichtlich darzustellen.

Damit meinen Sie die CalfCloud?

Thomas Förster: Genau, die Calf- Cloud und die CalfApp. Alarme werden direkt auf das Smartphone gespiesen. Damit sind die Automaten kabellos voll verdrahtet! Bei den umfangreichen Daten muss man selektionieren und gezielt auswerten, ansonsten verliert man sich darin. Unsere Automaten sammeln bereits seit sehr langer Zeit Tierdaten. Die Sauggeschwindigkeit wurde bereits schon fast bei den ersten StandAlone- Automaten ermittelt. Unterdessen wird ein Alarm abgegeben, wenn ein Kalb zum Beispiel 70 Prozent weniger trinkt als in den vergangenen fünf Tagen. Diese Funktion schätzen die Landwirte sehr.

Markus Förster: Die Nachfrage nach mehr Komfort und leistungsfähigeren Maschinen kam immer mehr auf. Früher haben in der Regel zwei Saugstellen gereicht, heute sind es öfter vier. Die Maschinen können sich heute vollständig selbst reinigen und das Kalibrieren vom Milchpulver geschieht automatisch.

Wie ist der aktuelle Stand des Smart-CalfSystems?

Thomas Förster: Das System besteht aus verschiedenen Modulen, die einzeln gekauft werden können. Die neuen Automaten sind standardmässig mit einem Internetzugang ausgestattet. Damit können die Tierdaten der gesamten Aufzucht-/Mastdauer am Computer auf einen Blick betrachtet werden. Zusätzlich wird in der Cloud jede Nacht eine Datensicherung gespeichert, Software-Updates werden automatisch gemacht und bei Störungen am Automaten oder Problemen mit den Kälbern schickt die CalfCloud automatisch eine Meldung auf das Smartphone. Wir verbessern zudem die einzelnen Module des SmartCalfSystems. Beim SmartNeckband arbeiten wir an einer längeren Akkulaufzeit und daran, dass der Sensor leichter vom Halsband entfernt werden kann. Wir haben aus der Praxis das Feedback erhalten, dass einige Landwirte die Halsbänder in der Waschmaschine waschen. Dazu muss das System aber vom Halsband getrennt werden können. Über die Jahre werden zudem die Algorithmen verbessert und verfeinert. Komplet neu ist die Foto-Funktion an der SmartWaterStation. Dabei wird das Kalb bei der Wasseraufnahme fotografiert und das Bild auf die Cloud gestellt. So kann der Landwirt das Kalb betrachten, ohne direkt im Stall zu sein. Alles was ein Landwirt in der Praxis beobachten würde, übernimmt das SmartCalfSystem.

Markus Förster: Als nächstes Ziel streben wir an, den Alarmen einen Krankheitsbefund zuzuordnen. Damit könnten wir das System weiter verfeinern und nach einiger Zeit eine zuverlässige Krankheitserkennung hervorbringen.

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