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Nutztiere

Gezielte Mastrassenbesamung macht Sinn

Ein ungewisses Angebot mit den vorhandenen Bestellungen abzustimmen, ist eine der Herausforderungen für den Tränkerhandel. Es wird angestrebt, die Qualität der angemeldeten Tiere vorgängig besser einschätzen zu können. Hochwertige Mastrassentränker werden zudem mit Anreizsystemen gefördert.

Auf dem wöchentlichen Tränkermarkt wird jedes Kalb gewogen. Durch das Scannen des Barcodes sind alle Informationen zur Tier geschichte ersichtlich.

Auf dem wöchentlichen Tränkermarkt wird jedes Kalb gewogen. Durch das Scannen des Barcodes sind alle Informationen zur Tier geschichte ersichtlich.

(Bild: Anicom)

Publiziert am

Mitarbeiter Handel Mittelland, Anicom

Zweimal pro Woche finden die Tränkermärkte der Anicom statt. Tiere, welche bis um zwölf Uhr am Vortag angemeldet sind, werden am Handelstag für den Tränkermarkt abgeholt. Die eingegangenen Anmeldungen werden disponiert und in die verschiedenen Abholtouren eingeplant. Bei der Einteilung der Touren stehen möglichst kurze Transportwege im Vordergrund. Die Kälber sollen nicht länger als nötig unterwegs sein.

Vorbereiten mit Unsicherheiten

Die Vorbereitungen für den Tränkermarkt durch die verantwortliche Person beginnen schon vor dem Eintreffen aller Anmeldungen. Das ungefähre Angebot wird eingeschätzt und mit den vorhandenen Bestellungen verglichen. Hierbei ist die Herausforderung, nebst der Anzahl auch die Qualität der Tiere abzuschätzen und mit den Bestellungen der Mäster abzustimmen. Es ist hilfreich, wenn man auf Mäster zählen kann, welche Flexibilität und Verständnis aufbringen, wenn aufgrund des Angebotes die Bestellungen nicht vollständig erfüllt werden können. Die genaue Einteilung kann erst auf dem Tränkerplatz gemacht werden, wenn die Tiere vor Ort sind.

Jeder Milchviehhalter muss den Wert von Tränkekälbern erkennen und diesem Kapital grosse Beachtung schenken.

Bestrebungen laufen, dass die Geburtsbetriebe bereits bei der Anmeldung der Tränker das Geschlecht und die Information, ob Mast- oder Milchrasse, angeben. Diese zusätzlichen Informationen würden eine effizientere und bessere Planung und Einteilung der Anmeldungen zu den offenen Bestellungen erlauben.

Auf dem Tränkerplatz

Auf den regionalen Sammelplätzen angekommen, gehen die Tiere entweder direkt auf die Waage oder zuerst noch in eine Wartebox. In den grosszügig eingestreuten Boxen stehen den Kälbern frisches Wasser und Heu zur freien Verfügung.

Auf der Waage wird von jedem Tränker der Barcode der Ohrmarke abgescannt. Nach dem Einlesen des Barcodes sind umgehend Informationen bezüglich der Tiergeschichte (Herkunft, Rasse, Abstammung, Alter und Aufenthalte) verfügbar. Das Gewicht wird automatisch ins System übertragen. Der Händler nimmt die Qualitätstaxierung manuell vor. Zusätzlich wird jedes Tier einem Gesundheitscheck unterzogen. Dieser beinhaltet eine optische Prüfung des Allgemeinzustandes sowie die Kontrolle des Nabels und der Gelenke und Gliedmassen auf Entzündungen. Zusätzlich wird geprüft, ob das Tier Abszesse, Flechten oder Läuse hat. Auffälligkeiten werden auf dem Lieferschein notiert, damit Lieferund Empfängerbetrieb informiert sind. Anschliessend werden die Kälber anhand ihrer Taxierung und ihres Geschlechts sortiert, bevor sie gruppenweise auf die Mastbetriebe gebracht werden. Allfällige Reklamationen zu Tieren müssen innerhalb von 48 Stunden nach der Lieferung eintreffen. Die Geburtsbetriebe erhalten das Gewicht und die Taxierung der gelieferten Tränker bereits am Abend des Liefertages per E-Mail mitgeteilt.

Abstammung beeinflusst Taxierung

Tränker der Qualität AA (sehr fleischbetonte Tränker) sind Kreuzungstiere, deren Vater ein reiner Mastras senstier ist. AB-Tiere (mittel bis sehr fleischbetonte Tränker) eignen sich für die Grossvieh- und Kälbermast und sind in der Regel Tiere von Zweinutzungsrassen oder der Vater hat 50 Prozent Blutanteil Mastrasse. Tränker der Kategorien A+ (fleischbetonte Tränker) und A (wenig fleischbetonte Tränker) gehen in die Kälbermast. Ein Tränker muss mindestens 21 Tage alt sein, wenn er den Geburtsbetrieb verlässt. Das Idealgewicht liegt zwischen 70 und 80 kg. Sind Tränker leichter als 70 kg oder älter als 56 Tage, gibt es einen Preisabzug.

Mastrasse ist nicht gleich Mastrasse

Die männlichen AA-Tiere gehen in die Grossviehmast, weibliche AA-Tiere (AAW) in die Rindermast oder Kälbermast. Bevorzugt werden Kreuzungstiere mit Vätern der Rassen Limousin und Angus, da diese die besten Voraussetzungen für die Grossviehmast mitbringen. Weibliche Angustiere eignen sich wegen des hohen Fettansatzes für eine eher extensive Mast. Stiere der Rassen Simmental Beef und Original Braunvieh Beef, welche extra auf Fleischleistung gezüchtet werden, eignen sich ebenfalls für Mastrassenbesamungen.

Kreuzungstiere von Stieren spätreifer Mastrassen wie Charolais, Blonde d’Aquitaine, Piemonteser und Weissblaue Belgier sind bei den Grossviehmästern weniger erwünscht. Gezielte Mastrassenbesamungen machen für den Milchviehbetrieb durchaus Sinn, besonders, wenn die Tränker in den angebotsschwachen Sommermonaten verkauft werden können. Gemeinsam mit Swissgenetics und Vianco hat Anicom das Projekt Veos ins Leben gerufen. Dabei erhält jeder Geburtsbetrieb, der einen AA- oder AAW-Tränker liefert, einen Besamungsgutschein von Swissgenetics, welcher für einen geprüften Mastrassenstier der bevorzugten Rassen eingesetzt werden kann.

Wertvolle Kälber

Jeder Milchviehhalter muss den Wert von Tränkekälbern erkennen und diesem Kapital grosse Beachtung schenken. Tränker sind absolut kein Nebenprodukt der Milchproduktion und bedürfen der gleichen Aufmerksamkeit wie Zuchtkälber. Egal, welche Abstammung der Tränker hat, die Hygiene auf dem Geburtsbetrieb ist das A und O für einen gesunden und frohwüchsigen Tränker.

Allfällige Reklamationen zu Tieren müssen innerhalb 48 Stunden nach der Lieferung eintreffen.

Trockene Einstreu, sauberes Tränkezubehör und Milch in genügender Menge sollten selbstverständlich sein. Insbesondere sollte die erste Kolostrumaufnahme möglichst rasch nach der Geburt geschehen, damit das Kalb eine erste Grundimmunisierung aufbauen kann.

Die Erhöhung der Gewichtslimite von 75 auf 80 kg ist für die Kälber positiv. Es kommen deutlich schwerere und gesündere Tränker auf den Tränkerplatz. Von gesunden Tieren profitieren alle, der Geburtsbetrieb und der Mäster. 

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