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Pflanzenbau

Aktiv die Wirkstoffe wechseln

Sulfonylharnstoffe erfassen in Maiskulturen zuverlässig Unkräuter und Ungräser. Das war zumindest bisher so. Aber in letzter Zeit wurden Hirsen und Raygräser beobachtet, die gegen dieses Mittel resistent sind. Es gilt also auch in Mais, einer Herbizid resistenz frühzeitig mit einem Strategie- und Wirkstoff wechsel zu begegnen.

Feldversuch mit mehreren Herbiziden: Die unbehandelte Fläche weist 


einen starken Hirse-Besatz auf. 

Feldversuch mit mehreren Herbiziden: Die unbehandelte Fläche weist  einen starken Hirse-Besatz auf. 

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Pflanzenschutz, Syngenta Agro AG

Unkraut- und Ungrasbekämpfung

Im Maisanbau waren Resistenzen bisher kein Problem, da vielfältige Wirkstoffkombinationen gegen die typische Mischverunkrautung eingesetzt wurden. Neuere Herbizide auf Basis von Sulfonylharnstoff haben hingegen ein breites Wirkunsspektrum. Daher können diese Präparate ohne einen andersartigen Mischungspartner eingesetzt werden. In den letzten Jahren wurden jedoch Minderwirkungen gegen Hühner-, Borsten- und Gabelblütige Hirsen sowie Raygräser beobachtet. Dabei wurde festgestellt, dass diese Flächen ausschliesslich mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe behandelt wurden. Die wissenschaftliche Überprüfung bestätigte es: In kurzer Zeit haben sich flächendeckende Resistenzen gegen diese Wirkstoffe gebildet.

Solange keine neuartigen Wirkstoffe zur Unkraut- und Ungrasbekämpfung absehbar sind, gilt auch in Mais, Herbizidresistenz vorbeugend durch Wirkstoff- und Strategiewechsel der Unkrautbekämpfung zu begegnen. Neben chemischen muss dringend auch auf pflanzenbauliche Massnahmen verwiesen werden. Diese lassen sich nur über die gesamte Fruchtfolge betrachten. Für das Fruchtfolgeglied Mais bedeutet das im Besonderen die Bekämpfung resistenter Biotypen in der Vor- oder der Folgekultur mit Hilfe von Bodenbearbeitung und Fruchtwechsel. Der Fruchtwechsel ermöglicht aufgrund veränderter Konkurrenzsituation und der geringeren Reihenweite anderer Kulturen neben dem Zurückdrängen von Unkräutern und Hirsen auch den Einsatz anderer kulturselektiver Wirkstoffe.

Wirkungsmechanismen berücksichtigen

Das Herbicide Resistance Action Committee (HRAC) hat zur besseren Einordnung der Wirkungsweise von Herbiziden deren Wirkungsmechanismen in unterschiedliche Gruppen eingeteilt und diese mit Buchstaben gekennzeichnet. Für eine optimale Bekämpfungsstrategie ist es unumgänglich, verschiedene Wirkungsmechanismen in der betrieblichen Fruchtfolge entweder im Wechsel oder besser in Kombination gleichzeitig einzusetzen. So wird das Risiko der Ausbildung und/oder Ausbreitung einer möglichen Resistenz verringert.

Nach Modellrechnungen sind Tankmischungen, die mindestens zwei Wirkmechanismen beinhalten, aussichtsreicher als ein alleiniger jährlicher Wechsel eines einzelnen Wirkungsmechanismus.

Hohe Wirkungsgrade erreichen

Zur Bekämpfung von Hirsen in Mais sind hohe Wirkungsgrade Pflicht. Bei einer nur 97-prozentigen Bekämpfung bleibt das Ausgangspotenzial der Hirsesamen im Boden erhalten.

Zur Hirsebekämpfung in Mais stehen fünf verschiedene Wirkungsmechanismen zur Verfügung ( siehe Tabelle Seite 28).

Terbuthylazin hat eine Boden- und Blattwirkung. Es übt gegen Einjähriges Rispengras, Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Raygräser nur eine mehr oder weniger gute Teilwirkung aus. Gegen Hirsen ist die Wirkung nicht ausreichend. Terbuthylazin eignet sich nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Bekämpfung einjähriger Ungräser und Unkräuter. Ausserhalb von Grundwasserschutzzonen und Karstgebieten ist es aber der Wirkstoff mit der umfangreichsten Breiten- und Dauerwirkung in Mais.

Pendimethalin bietet nur bei sehr frühem Nachauflaufeinsatz eine zufriedenstellende Bekämpfungsmöglichkeit gegen die Ungräser Ackerfuchsschwanz und Windhalm.

Massnahmen für eine optimale Unkrautbekämpfungsstrategie

1. Genaue Kenntnis der vorhandenen Verunkrautung der Flächen, einschliesslich Kenntnis über ggf. bereits vorhandene Unkraut-/Ungras-Resistenzen.

2. Gleichzeitiger Einsatz mindestens zweier Wirkungsmechanismen mit überlappendem Wirkungsspektrum gegen Hirsen und Unkräuter in einer Anwendung.

3. Übernutzung bewilligter Wirkstoffe durch Rotation von Bodenherbiziden vermeiden. So wird das Eintragsrisiko gefährdeter Bodenwirkstoffe ins Grundwasser minimiert.

4. Bei völligem Verzicht auf Bodenherbizide empfiehlt sich der Einsatz von Triketon-Präparaten, die bisher keine Resistenzproblematik kennen, in Kombinationen mit anderen Blattwirkstoffen.

Gewässer schützen

Vor allem in engen Maisfruchtfolgen kann auch aus Gründen des Grundwasserschutzes ein Wechsel der Herbizidstrategie sinnvoll sein. Ziel ist es, die wenigen verfügbaren Wirkstoffe zur Ungras- und Hirsebekämpfung in Mais nicht jährlich auf der gleichen Fläche einzusetzen. So wird ein Eintrag von Wirkstoff und Abbauprodukten ins Grundwasser verhindert.

In engen Maisfruchtfolgen sollte daher eine Wirkstoffrotation angestrebt werden: Gräser-Sulfonyl harn stoffe sollten unbedingt in Tank mischung mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden. Ausserdem sollten sie in zwei- oder mehrjährigem Abstand mit breit wirksamen Lösungen abgewechselt werden, zum Beispiel mit Mischungen aus Terbuthylazin, Acetamiden und/oder Triketonen. Eine solche Strategie erfordert die genaue Einhaltung des Anwendungszeitpunktes: Terbuthylazin und Hirsewirkstoffe auf Acetamid-Basis müssen aufgrund ihrer Bodenwirkung früher eingesetzt werden als die nahezu rein blattwirksamen Sulfonylharnstoffe und Triketone. Somit wird kein Wirkungspotenzial verschenkt und eine ausreichende Bekämpfung – auch gegen bereits weniger empfindliche Hirse-Populationen – kann erzielt werden.

Anwendung von Tankmischungen

Ausserhalb von Grundwasserschutzzonen und Karstgebieten haben sich zur sicheren Bekämpfung einer typischen Maisverunkrautung bodenwirksame Produkte (Syngenta empfiehlt z. B. Gardo Gold oder Dual Gold) in Tankmischung mit einem blattwirksamen Herbizid (z.B. Callisto, Elumis) bewährt. Solche Kombinationen verfügen über ein breites Wirkungsspektrum, eine hervorragende Dauerwirkung und mehrere Wirkungsmechanismen gegen Maisunkräuter und Hirsen. Die lange Dauerwirkung erlaubt den Einsatz solcher Produkte in frühen Wachstumsstadien des Maises. Zu diesem Zeitpunkt, vor allem unter wechselhaften Witterungsbedingungen, sind die jungen Maispflanzen besonders empfindlich. Deshalb ist nicht nur die Wirkung, sondern auch die Verträglichkeit des Herbizids ein wichtiger Garant für eine optimale Ertragsleistung.

In Grundwasserschutzzonen und Karstgebieten ist ein Einsatz von Terbuthylazin-haltigen Produkten nicht gestattet. Hier können blattwirksame Präparate auf Tri-keton-Basis der Resistenzbildung von Hirsen gegen Sulfonylharnstoffe entgegenwirken. Syngenta rät zum Beispiel zu den Produkten Callisto oder Elumis. Der Einsatz solcher Herbizide sollte erst erfolgen, wenn alle Hirsen und Unkräuter aufgelaufen sind; er ist problemlos bis zum 6-Blatt-Stadium des Maises möglich. Dennoch sollte ein solch spätes Einsatzstadium der Ausnahmefall sein. 

AutorenDr. Martin Schulte, Syngenta Agro GmbH, D-63477 Maintal Joël Meier, Syngenta Agro AG, 8157 Dielsdorf

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