Pflanzenbau

Die Vielfalt der Mäusebekämpfung

Die wärmer werdenden Winter ermöglichen es den Mäusen, früher mit der Vermehrung zu beginnen. Auf landwirtschaftlichen Flächen werden Mäuse schnell zum Problem, da sie Obst-, Grünland- und Ackerkulturen Schaden zufügen können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten gegen Mäuse vorzugehen.

Der kleine Mäusejäger ist scheu und verbirgt sich tagsüber zum Beispiel in alten Scheunen. 

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Redaktorin UFA-Revue

Der letzte Winter war der wärmste seit Aufzeichnung der Wetterdaten im Jahr 1866. Das ist für die Landwirtschaft ein Problem, denn viele Schädlinge sind gut durch den Winter gekommen. Aufgrund der frühen Geschlechtsreife und hoher Vermehrungsraten werden Mäuse schnell zu einer Plage. Gefürchtet sind besonders Feld- und Wühlmäuse. Im Futterbau entstehen Schäden durch die Wühlaktivität und die Verunreinigung des Futters. Im Obstbau sterben ganze Bäume, durch Frass an den Wurzeln, ab. Der Kot der Mäuse fördert zudem Krankheiten in Tierbeständen. Natürliche Feinde, wie Greifvögel, Eulen, Füchse, Hermeline und Wiesel, haben die Mäuse aufgrund der Zerklüftung und Ausdünnung der Landschaft wenig zu fürchten. Es existieren verschiedene Substanzen und Gerätschaften, um gegen Mäuse vorzugehen. Für die kleinflächige Bekämpfung, zum Beispiel die Fläche um Obstbäume herum, gibt es chemische Substanzen. Das bringt aber Sekundärvergiftungen von anderen Tieren mit sich, welche die Mäuse fressen. Alternativ werden Gasgemische in den Boden geleitet, die entweder die Atmung der Tiere hemmen, oder zur Explo sion gebracht werden. Dieses Vorgehen schadet allerdings weiteren Boden lebewesen. Es gibt aber Methoden, die nur der Maus schaden und sich gegenseitig ergänzen.

«Eine Eule hat das ganze Jahr Zeit zum Mäuse fangen und kostet dabei nichts.»

Die Mauserin

Kathrin Hirsbrunner ist seit 2006 die einzige professionelle Mauserin der Schweiz. Sie hat sich ihre Fertigkeiten selbst beigebracht und, über die Jahre, rund 96 000 Mäuse von den Flächen geholt. Auf den ungewöhnlich warmen Winter angesprochen, sagt sie: «Dieses Jahr ist speziell, ich habe schon zwischen Januar und Februar, drei bis vier Wochen alte Mäuse gefangen». Wenn das Gras nicht wächst, wie das in kalten Wintern der Fall ist, pausieren die Mäuse ihre Vermehrung. Doch diesen Winter, vor allem an Südhängen und in den Tallagen, war das anders. Hirsbrunner rechnet mit ein bis zwei Mäusegenerationen mehr in diesem Jahr. Die Nutzung der Top-cat-Fallen in den Mäusegängen ist laut der Mauserin die effizienteste Methode, um die Tiere zu fangen. Dabei handelt es sich um kurze Rohrstücke mit einem kürzeren, im Inneren, gespannten Rohr.

Der normale Bewegungsradius der Maus wird genutzt, da sie von beiden Seiten in das Rohr gelangen kann. Die Falle ähnelt einer Guillotine, bei welcher der Maus das Genick gebrochen wird. Hirsbrunner macht deutlich, dass man die Fläche stark entmausen und regelmässig kontrollieren muss, sonst hat man schnell wieder einen Befall. Das gilt, wenn möglich, auch für die Nachbarflächen. Problematisch sind auch verlassene Gänge. Sie werden wieder bezogen, ohne dass es auffällt.

Bei besonders anfälligen Spezialkulturen wie Obstanlagen kann es hilfreich sein, einen Mäusezaun aufzustellen.

Die Mauserin sieht aber vor allem im Wegfallen der natürlichen Feinde ein Problem. Werden an einem Ort vermehrt Füchse geschossen, so können dort eher Mäuse auftreten. Ein Fuchs frisst durchschnittlich 3000 Mäuse pro Jahr. Hermeline und Wiesel sind auch sehr effizient, da sie die Gänge konsequent leerräumen. Das Anlocken solcher Tiere mit Holz- oder Steinhaufen macht aber nur Sinn, wenn auch Weibchen mit Jungen vorhanden sind. Neue Aufträge nimmt Kathrin Hirsbrunner nicht mehr an, denn sie begibt sich nächstes Jahr in den Ruhestand. Aber sie gibt ihr Wissen, bei einem Treffen vor Ort zum Beispiel auf einer befallenen Fläche, gerne praxisnah weiter. Somit kann man Mauser für den Eigenbedarf werden.

Der Landwirt und die Schleiereule

Ueli Wullschleger setzt bei der Mäuse bekämpfung auf Unterstützung aus der Luft. Auf seinem Hof hat der Aargauer Nistkästen angebracht, um besonders Schleiereulen anzusiedeln. Der Landwirt züchtet Kaninchen, Hirsche und hält Hühner. Ihm ist wichtig, dass Mäuse keine Krankheiten einschleppen. Er ist den Eulen dankbar, dass sie ihm das Mäuseproblem abnehmen. Schleiereulen sind nämlich in der Nacht exzellente Mäusejäger. Früher fanden die Tiere geeignete Nistplätze in alten Scheunen. Tagsüber brauchen sie dunkle Verstecke in Gebäuden. Heute gibt es solche geschützten Orte immer weniger. Eulen sind keine Zugvögel und benötigen einen warmen, geschützten Platz, sonst sterben sie. Die zusehends milden Winter mit den grösser werdenden Mäusepopulationen haben auch die Schleiereulen wieder aufkommen lassen, da sie der Nahrung folgen. Dabei ist ihr Appetit gewaltig: Eine Schleiereulenfamilie mit sieben bis acht Jungtieren verspeist etwa 6000 Mäuse pro Jahr. Mäuse sind ihre einzige Nahrungsquelle. Fünf Jahre lang hatte Ueli Wullschleger einem Turmfalkenpaar eine Heimat geboten, doch dieses Jahr hat er das erste Mal seit 20 Jahren wieder ein Schleiereulenweibchen zu Gast. Das Tier versorgt seine Jungen, die in einem Kasten in der Nachbarschaft leben. Der Landwirt empfiehlt die Nistkästen an der Fassade auf der Ost- oder Nordseite anzubringen, weit weg von Balken. Das sei wichtig, damit der Marder nicht rankommt. Eine Fläche von einem Quadratkilometer reicht der Schleiereule als Revier aus. Hat sie sich einmal niedergelassen, bleibt sie in der Regel auch da. Ueli Wullschleger hat noch ein Argument für die Mäusebekämpfung mit der Schleiereule zur Hand: «Eine Eule hat das ganze Jahr Zeit zum Mäuse fangen und kostet dabei nichts». 

Der Mausradar

Die Wissenschaftler am Agroscope und die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues (AGFF) beobachten die Zyklen einer Mäusepopulation. Zwei Arten von Zyklen wurden festgestellt: Erstens eine lange Zeit mit geringer Aktivität, einer anschliessenden kurzen und starken Vermehrung, gefolgt von einem Zusammenbruch der Population. Zweitens eine kurze Zeit mit geringer Mäusedichte, gefolgt von einer schwachen, langanhaltenden Wachstumsphase mit mässigem Wachstum. Dieses Wissen um die Populationen ermöglicht eine Bekämpfung, die den Moment der schwachen Population nutzt. Um regionale Unterschiede aufzuzeigen wurde ein «Wühlmaus-Radar» auf Grundlage von 50 Standorten in der Schweiz erarbeitet.

Weiterführende Informationen

Webseite von Kathrin Hirsbrunner: www.mousetrap.ch
Mausradar von Agroscope

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