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Pflanzenbau

Ein Ruf nach Protein und Raps

Bio ist Trend; im Verkaufsregal wie in der Landwirtschaft. Die Pandemie und das Homeoffice haben die Konsumgewohnheiten zum Vorteil des Bio-Umsatzes verändert. Im Futtergetreidemarkt sieht der Blick in die Zukunft etwas sorgenvoller aus.

Einheimischer Biohafer für die Verarbeitung im Lebensmittelsektor ist gefragt. Die Nachfrage nach Futterhafer ist wesentlich geringer.

Einheimischer Biohafer für die Verarbeitung im Lebensmittelsektor ist gefragt. Die Nachfrage nach Futterhafer ist wesentlich geringer.

(Andreas Rohner)

Publiziert am

Leiter Ressort Bio-Rohprodukte, fenaco GOF

Auf das Jahr 2021 haben 160 Betriebe den Schritt in die Umstellung gewagt. Somit arbeitet jeder sechste Landwirtschaftsbetrieb in der Schweiz nach biologischen Grundsätzen.

Kein Leguminosenjahr

Aus der Ernte 2020 gelangten, gemäss Bio Suisse, 14 Prozent mehr Brotgetreide auf den Markt als im Vorjahr. Insgesamt wurden über 30 000 Tonnen geerntet, 24 300 Tonnen davon alleine Weizen. Dessen durchschnittlicher Proteingehalt lag mit 12,7 Prozent tiefer als in den Vorjahren. Der Inlandanteil für Brotweizen liegt bei 65 Prozent (Vorjahr 60 Prozent). Dinkel war derart gefragt, dass sich das Angebot zum Jahresende erschöpft hatte. Beim Futtergetreide blieb der Inlandanteil mit rund 81 Prozent auf Vorjahresniveau. Zeitgleich stieg die Bio-Mischfutterproduktion um 2,5 Prozent. Erneut stark zugenommen hat die Produktion von Körnermais auf rund 17 000 Tonnen, während die Erntemengen von Futterweizen, Gerste, Triticale und Futterhafer eher stagnierten. Ein besonders starker Rückgang war bei Eiweisserbsen und Ackerbohnen zu verzeichnen, und zwar um 22, beziehungsweise 52 Prozent. Immerhin verdoppelte sich 2020 die schweizweit geerntete Menge an Futtersojabohnen.

Die Tofureien wiederum hätten aus der Vertragsernte 2020 gerne mehr Speisesojabohnen zur Verfügung gehabt. Erneut sehr enttäuschend waren die Rapserträge: Nur die Hälfte der geplanten Vertragsmenge gelangte zu den Sammelstellen. Bei den Sonnenblumen waren Angebot und Nachfrage ausgewogen.

Empfehlung Brotgetreide

Die Anbaufläche von Mahlweizen darf und wird weiter zunehmen. Mit steigendem Inlandanteil nimmt der Anspruch an eine hohe und stabile Qualität zu, besonders seitens der industriellen Bäckereien. Aus der Züchtung von Agroscope / DSP sind die Sorten «Rosatch» (sehr resistent, begrannt, hoher Proteingehalt) und «Montalbano» (begrannt und ertragsstark, neu auf der Liste) und «Baretta» (ertragsstark, für Standorte mit guter Stickstoffversorgung) zu empfehlen. Die Sorte «CH Nara» wird aufgrund der sehr kurzen Halme nicht auf der offiziellen Bio-Sortenliste geführt, bleibt aber für Flächen mit wenig Unkrautdruck beliebt und wird von der Verarbeitung auch gut aufgenommen. Die begrannte Sorte «Diavel» ist im Anbau als Sommerweizen empfehlenswert. Aus der Züchtung GZPK bleibt «Wiwa» die klare Leadersorte. Durch eine gute Unkrautunterdrückung zeichnet sich die Sorte «Pizza» aus. Neu auf der Liste für die Ernte 2022 erscheint die Sorte «Prim».

Der Roggenmarkt stagniert und vorerst ist eine Flächenausdehnung nicht erwünscht. Dinkel liegt im Trend und hat so gute Absatzperspektiven. Dabei sind alle Dinkelsorten der Bio-Sortenliste (bioaktuell.ch)für die Vermarktung geeignet.

Empfehlung Futtergetreide

Umstellbetriebe können nicht mehr mit einem gesicherten Absatz von Umstellgetreide, insbesondere von Triticale, Gerste, Futterhafer und Mais, auf dem Niveau des Knospe-Richtpreises rechnen.

Welche Konsequenzen die Richtlinienverschärfungen der Bio Suisse in der Wiederkäuerfütterung per 1.1.2022 auf die Verarbeitungsmengen haben werden, lässt sich im Voraus nicht beziffern. Es ist aber ein Bedarfsrückgang zu erwarten, welcher auch die Deklassierung von gewissen Mengen Umstellgetreide bedeuten kann. Gerste und Triticale sind möglichst zurückhaltend in die Fruchtfolge einzuplanen. Umstellungsbetriebe sollten die Anbaufläche von Körnermais reduzieren und stattdessen diejenige der Körnerleguminosen maximieren. Futterhafer ist kaum gefragt, wohingegen heller Flockenhafer zu Lebensmittelzwecken (Vertragspflicht, nur Knospe) eine steigende Nachfrage hat. Die empfohlenen Sorten sind «Eagle» im Herbstanbau und «Canyon» als Sommerhafer. Kaum ein Risiko einer Überversorgung besteht beim Futterweizen. Ertragsstärkere und resistente Alternativen zum bewährten «Ludwig» sind die langstrohige Sorte «Poncione» sowie die Sorte «Bernstein».

Mehr Soja nötig

Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen oder Soja gehören in die Bio-Ackerfruchtfolge und werden vom Markt problemlos aufgenommen. Hier besteht eine starke Unterversorgung. Je mehr einheimische Körnerleguminosen zur Verfügung stehen, umso mehr Wiederkäuerfutter können die Futtermühlen produzieren, was wiederum ihren Bedarf nach Futtergetreide steigert. Diesbezüglich den stärksten Effekt hat die Produktionssteigerung der Futtersojabohnen. Die Mischfutterhersteller, darunter die UFA AG, animieren die Bio- und Umstellbetriebe in der Planung des Anbaus 2022 der Futtersojabohne einen grös seren Stellenwert einzuräumen. Bio-Saatgut der Sorten «Obélix» (frühe Sorte), «Galice» (mittelfrüh) und «Aurelina» (mittelfrüh) ist auf dem Markt erhältlich.

Rapsproduzenten gesucht

Für alle Ölsaaten gilt eine strenge Anbauvertragspflicht mit den Sammelstellen. Beim klassischen Raps-Typ bleibt die mittelfrühe Liniensorte «Sammy» der Standard, beim HOLL-Raps die Hybridsorte V316OL. Es werden laufend neue Bio-Rapsproduzenten gesucht, daher empfiehlt sich eine frühzeitige Anfrage bei der Bio-Sammelstelle.

Im Bio-Sonnenblumenanbau werden für den klassischen Typ ein bis zwei ungebeizte Sorten zur Verfügung stehen, für den HO-Typ bleibt die Empfehlung bei der ungebeizten Hauptsorte LG 55,24HO. Für den Vertragsanbau mit einer der derzeit sieben Tofusoja-Sammelstellen ist es obligatorisch, eine proteinreiche Speisesorte mit farblosem Nabel zu wählen. Die passenden Hauptsorten aus inländischer Vermehrung sind «Proteix», «Aveline» und einzelne weitere Sorten. 

Anbauprojekt Bio-Emmer

fenaco GOF lanciert zusammen mit einigen Getreidesammelstellen des Maxi-Netzwerks voraussichtlich schon ab Aussaat 2021 / 22 ein Vertragsanbauprojekt für Bio-Emmer (Bio Suisse Knospe). Emmer gilt wie das Einkorn als Urgetreide und Vorläufer heutiger Weizenarten und es werden ihm ernährungsphysiologisch gute Eigenschaften und eine gute Bekömmlichkeit nachgesagt. Im Lauf der kommenden Wochen wird geklärt, welche Sammelstellen am Anbauprojekt teilnehmen und Anbauverträge ausgeben werden. Der Produzentenzielpreis soll so angesetzt sein, dass die Rentabilität mit derjenigen von Dinkel vergleichbar ist, obwohl Emmer ein tieferes Ertragspotenzial hat. Emmer eignet sich insbesondere für den extensiven Anbau und soll nur moderat gedüngt werden, um Lagerung zu vermeiden.

Weitere Informationen

Ansprechpartner für die Westschweiz ist Raymond Christen, Tel. 058 433 64 01

Liste der Maxi Bio-Sammelstellen unter www.fenaco-gof.ch ➞Bio Produkte ➞ Anbauplanung Bio

UFA-Samen: Für Informationen zum Thema Saatgut, Sorten und deren Eigenschaften unter www.ufasamen.ch und im UFA-Samen Feldsamenkatalog

 

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