Pflanzenbau

Entwicklung der botanischen Zusammensetzung

Durch die Aufwertung extensiv genutzter Wiesen kann eine Qualitätsverbesserung erzielt werden. Ein Versuch auf mehreren Parzellen und die Beobachtung der Artenentwicklung über eine Periode von bis zu zwölf Jahren ermöglicht die Erfassung nützlicher Daten einer Wiesenaufwertung mit der Streifensaatmethode.

Aufgewerteter Streifen einer Wiese im Jahr 2010. Fünf Jahre nach der Aufwertung hebt sich der Streifen stark von der Originalwiese ab. 2017, also zwölf Jahre nach der Aufwertung, war der Unterschied zwischen den aufgewerteten Streifen und den Originalwiesen ganz allgemein nicht mehr sichtbar. 

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Aktualisiert am

ehemalige Mitarbeiterin, Grangeneuve

Aufwertung extensiver Wiesen

Auf Initiative von elf Landwirten und im Rahmen von Vernetzungsprojekten gemäss der Verordnung über die Direktzahlungen wurden 2005 elf extensive Wiesen aufgewertet mit dem Ziel, die Qualitätsstufe II von Biodiversitätsförderflächen (BFF-II-Liste) zu erreichen. Der vorliegende Artikel beschreibt anhand von Vegetationsaufnahmen die Entwicklung der Pflanzenarten innerhalb dieser zwölf Jahre.

Situation und Erhebungen

Die aufgewerteten Wiesen befinden sich im Sensebezirk, Kanton Freiburg, im Mittelland auf 500 bis 800 Metern Höhe und wurden seit mindestens sechs Jahren vor der Aufwertung bereits extensiv genutzt. Als Methode wurde die Aufwertung von Wiesenstreifen und nicht der gesamten Wiese gewählt. Gesät wurde die im Handel erhältliche Mischung 450 Salvia. Die Idee war, dass die gesäten Pflanzen sich in den darauffolgenden Jahren auf der restlichen Wiese ausbreiten. Die Aufwertung wurde auf dem vorteilhaftesten Stück der Wiese vorgenommen, damit sich die gesäten Arten etablieren könnten.

Während des Projekts wurden von einem Botaniker Vegetationsaufnahmen nach der Braun-Blanquet-Methode gemacht. Die Erhebungen erfolgten im Jahr 2005 vor der Aufwertung und in den Jahren 2006, 2007, 2010 und 2017. Sie wurden bis 2010 auf den elf Parzellen durchgeführt, im Jahr 2017 nur auf sieben Parzellen, da die anderen vier Parzellen anderweitig genutzt wurden.

Resultate

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Studie hinsichtlich der Etablierung der Arten sind folgende:

• Die Aufwertung ermöglichte langfristig eine Erhöhung der Gesamtanzahl botanischer Arten gemäss BFF-II-Liste.

• Je magerer die aufzuwertende Wiese ist, desto grösser sind die Chancen, dass sich die Arten der BFF-II-Liste etablieren können.

• Der Druck durch die wiederkehrenden Arten aus dem vorherigen Wiesenbestand war relativ hoch.

• Die Schwierigkeit bestand darin, eine Homogenität und Stabilität der Artenvielfalt auf der Wiese aufrechtzuerhalten.

• Eine Ausbreitung von Arten der gesäten Mischung in der Wiese ausserhalb des gesäten Streifens wurde nicht festgestellt.

Neun der elf aufgewerteten Parzellen wiesen positive Resultate auf, mit einer Erhöhung der Gesamtartenvielfalt und einer Erhöhung der Artenanzahl nach der BFF-II-Liste (siehe Grafik). Die beiden Wiesen, die weniger gute Ergebnisse aufwiesen, wurden in Bezug auf den Umbruch der vorhandenen Wiese und der Saatbettbereitung anders behandelt. Anstelle eines mechanischen Wiesenumbruchs durch Bodenbearbeitung wurde die Mischung auf diesen Wiesen direkt eingesät.

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Starke Entwicklung von Fromental auf einem aufgewerteten Streifen. Fromental hat im ersten Jahr nach der Aufwertung einen grossen Anteil in der Salvia-Mischung und bildet sich danach rasch zurück. 

Pflanzenarten

Die in der Tabelle aufgeführten Pflanzen gehören zur BFF-II-Liste oder kommen oft in Wiesenbeständen vor. Ein kleiner Teil dieser Arten wie die Aufrechte Trespe nimmt auf allen untersuchten Parzellen im Lauf der Zeit zu ( 1. Spalte). Ein Teil der Arten geht nach einer anfänglichen Zunahme nach der Aufwertung ein oder zwei Jahre nach Aussaat der Mischung stark zurück ( 2. Spalte). Das ist insbesondere der Fall bei Glatthafer. Andere Arten entwickeln sich je nach Parzelle unterschiedlich: «chaotische Arten» ( 3. Spalte). Teilweise setzen sie sich durch, teilweise geht ihr Anteil zurück. Gewisse Faktoren wie das Wetter, der Boden oder die landwirtschaftliche Praxis haben also einen bedeutenderen Einfluss auf die Entwicklung dieser Arten. Der Einfluss dieser Faktoren konnte jedoch auf den Versuchsparzellen nicht eruiert werden. Die Arten, die sich nicht entwickelten ( 4. Spalte), waren in der Wiesenmischung enthalten, die für die Neuansaat der Wiesen verwendet wurden. Sie wurden jedoch bei den verschiedenen Erhebungen nicht beobachtet.

Es gibt weitere Aufwertungsmethoden, wie die Saat von Blumenstreifen mit hoher Saatdichte oder die Heublumensaat, die in diesem Versuch nicht getestet wurden.

Die Aufwertung von Wiesen durch Ansaat von Streifen mit einer Saatgutmischung ist kosten- und arbeitsintensiv. Auf mageren, günstig exponierten Wiesen ist ein Erfolg möglich, er ist jedoch nicht langfristig gewährleistet. 

AutorenEstelle Favrelière und Pierre Aeby, Grangeneuve, Landwirtschaftliches Institut des Staates Freiburg, 1725 Posieux

Wichtige Faktoren für die Aufwertung zur Erreichung der BFF-II-Stufe

• Wahl der Wiese (nach Süden ausgerichtet, seit mehreren Jahren extensiv, Oberboden) und vorteilhafte Aussaatbedingungen (Saattiefe 1 cm, Andrücken der Erde bei der Saat) sind wesentlich.

• Vollständiger Umbruch, wenn auch nur vorübergehend, der bestehenden Wiese ist für eine gute Entwicklung der Mischung unabdingbar. Eine feine Oberflächenbearbeitung ist notwendig, idealerweise mit ein bis zwei Unkrautkuren. Die Kosten für die Bodenbearbeitung sind tiefer als die Saatgutkosten.

• Bei Direktsaat besteht ein Risiko für schlechte Keimung, vor allem wenn die frühere Wiese nach dem Umbruch zu schnell wieder nachwächst.

• Keine Aufwertung mittels «einfacher» Übersaat in der vorhandenen Wiese.

• Der Umbruch der ursprünglichen Wiese sollte vorzugshalber im Monat März ausgeführt werden, damit die Aussaat gegen Mitte April erfolgen kann. So besteht die Möglichkeit für ein bis zwei Unkrautkuren.

• Die Ausbreitung von Stauden sollten bei der Anlage unbedingt eingedämmt werden, da sie schnell Überhand nehmen können gegenüber der Mischung aus dem Handel.

• Die Wiesenmischung zieht Schnecken an.

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