Pflanzenbau

Gründüngungen gezielt einsetzen

Gründüngungen sind ein zentrales Element in der Konservierenden Landwirtschaft und tragen entscheidend zum Gelingen des Anbausystems bei. Die Anforderungen an Gründüngungen sind, als Verbindungen von kurzfristigen Agrarökosystemen, welche durch die Hauptkulturen geprägt werden, vielfältig.

Direktsaat einer Gründüngung mit Zinkenschar-Technik nach Strohräumung. 

Publiziert am

Swiss No-Till

Gründüngungsbestände dienen nicht primär der menschlichen und tierischen Ernährung, sondern erbringen Ökosystemleistungen, indem sie: organische Substanz anreichern; Unkräuter unterdrücken; das Bodengefüge erhalten und stabilisieren; Verschlämmung, Verdichtung und Erosion des Bodens verringern; die Wasserinfiltration und des Wasserhaltevermögen verbessern; Nährstoffverluste verringern und Nährstoffe konservieren; die biologische Diversität und Aktivität erhöhen; das Bodenleben mit Wurzel-Exsudaten ernähren; die Temperatur regulieren und vor Verdunstung nahe der Bodenoberfläche schützen.

Bodenbedeckung

Sich schnell entwickelnde Gründüngungsbestände rufen eine Konkurrenzsituation um Wachstumsfaktoren hervor und können Unkräuter und Ausfallgetreide unterdrücken. So kann teilweise bis ganz auf Herbizide verzichtet werden. Gründüngungen leisten in der Konservierenden Landwirtschaft auch in den Hauptkulturen einen Beitrag zur Unkrautregulierung, da sie zusammen mit Ernterückständen sowie organischem Dünger eine permanente Bodenbedeckung bilden. Pflanzenreste von Gründüngungen sind eine Nährstoffquelle für Pflanzen und Bodenorganismen und können auch die Nährstoffkonzentration im Bodenmaterial bei Oberflächenabfluss erhöhen.

Bodenruhe

Mit einer sofortigen Ansaat der Gründüngung nach der Hauptkultur können die natürlichen Ressourcen optimal genutzt werden und das meist in einer Zeit mit sehr guten Wachstumsbedingungen. Dies ist jedoch nur mit Direktsaat-Technik möglich. Bei der Ernte der Vorkultur müssen die Spreu und das Stroh gleichmässig verteilt (Spreuverteiler, Strohstriegel) oder abgeführt werden. Das Gründüngungs-Saatgut wird möglichst unmittelbar nach der Ernte direkt in den Boden abgelegt (Scheibenschare nach Strohräumung oder Hochschnitt, Zinkenschare bei Strohauflage oder nach Strohräumung). Wichtig ist, dass dabei kaum Erde bewegt wird, um möglichst keine Unkräuter zum Keimen anzuregen. Wenn immer möglich, soll das Saatgut in eine feuchte Bodenschicht platziert werden. Das Anwalzen der Saat wird empfohlen. Alternativ kann eine Gründüngung als Unter- oder Vorerntesaat in der Vorkultur etabliert werden. Unter- oder Vorerntesaaten werden häufig ohne Schartechnik in die Bestände gestreut. Für eine problemlose Keimung ist eine feuchte Witterung nach der Aussaat wichtig.

Kriterien zur Wahl der Gründüngungsarten und -sorten

Entscheid: Rein-Saat vs. Mischung 
Unkrautunterdrückung: rasche Bodenbedeckung und hohe Biomasseproduktion 
Bodenlockerung: Pfahl- oder Büschelwurzler 
Winterhärte: abfrierend oder überwinternd 
Vegetatives Wachstum: Standdauer kurz oder lang 
Art der Terminierung: Regulierung durch Frost, mechanisch, chemisch oder elektrisch 
Humusbildung: hohe ober- und unterirdische Biomasseproduktion 
Abbaugeschwindigkeit: enges oder weites C:N-Verhältnis 
Stickstoffbindung: Leguminose vs. Nicht-Leguminose 
Phosphor-Anreicherung: mykorrhizierend vs. nicht-mykorrhizierend 
Fruchtfolgeverträglichkeit: Verwandtschaft zu Kulturpflanzen berücksichtigen 
Kosten pro Tonne Biomasse (TS / ha): teure Komponenten mit günstigen kombinieren

Pflanzenarten-Vielfalt

Ab einer Dauer von 40 bis 50 Tagen zwischen zwei Kulturen wird die Aussaat einer Gründüngung empfohlen. Artenwahl und empfohlener Saatzeitpunkt einer Gründüngung sind abhängig von deren Positionierung in der Fruchtfolge: Die Zusammensetzung einer Gründüngung sollte primär durch die Art und Weise der Terminierung, also dem Abtöten der Gründüngung, welche durch die Stellung in der Fruchtfolge beeinflusst wird, sowie durch die Kosten bestimmt werden. Der Saatzeitpunkt einer Gründüngung richtet sich nach dem Erntezeitpunkt der Vorkultur. Wie bei allen Kulturpflanzen gibt es bei den Gründüngungspflanzen sortenspezifische Unterschiede, je nach angestrebtem Ziel sind zum Beispiel Frühreife oder Frostempfindlichkeit sehr wichtig. Gründüngungen bestehen bevorzugt aus einem Gemenge unterschiedlicher Pflanzenfamilien und -arten, Reinsaaten sind zu vermeiden. Die Vorteile von Gemengen liegen, neben der Durchwurzelung verschiedener Bodenschichten dank Flach- und Tiefwurzlern, in einer optimalen Versorgung des Bodenlebens und der Folgekulturen mit Nährstoffen sowie der breit gefächerten Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Witterungsbedingungen. Der grösste Vorteil zeigt sich im geringen Risiko von Fruchtfolgekrankheiten. Bei Mischungen mit Kreuzund Korbblütlern ist zum Beispiel in Fruchtfolgen mit Raps, Sonnenblumen oder Soja wegen Sclerotinia Vorsicht geboten. Bei getreidelastigen Fruchtfolgen, das heisst mit mehr als 50 Prozent Getreideanteil, sollte ein Übertragen von Fusskrankheiten durch Gräser vermieden werden.

Dank Gründüngung kann teilweise bis ganz auf Herbizide verzichtet werden.

Terminieren von Gründüngungsbeständen

Die gewachsenen Gründüngungsarten müssen zur Ansaat der Folgekultur reguliert werden, damit diese nicht mit der Gründüngung um Ressourcen konkurriert. Werden frostempfindliche Arten eingesetzt, ist das Absterben der Gründüngung durch die tiefen Temperaturen im Winter meist gewährleistet. Schwach entwickelte Pflanzen weisen allerdings eine höhere Frosttoleranz auf als Pflanzen im generativen Wachstum. Alternativ können Gründüngungen mechanisch reguliert werden. Einjährige Pflanzen im generativen Wachstum können durch Unterbrechung des Saftflusses gestoppt und abgetötet werden. Dies erfolgt vorzugsweise mit dafür konzipierten Messerwalzen ab Vollblüte. Mischungen von überwinternden Gründüngungsarten sind mit einer Walze besonders schwer zu terminieren, da die darin enthaltenen Arten meist ungleich in die Blüte kommen. Eine Gründüngung chemisch zum Absterben zu bringen, ist effektiv und effizient, aber eine Regulierung mit nicht selektiven Herbiziden sollte nur als letzte Alternative oder zur Feldrandhygiene zum Einsatz kommen.

Düngen von Gründüngungsbeständen

Der Anbau von Gründüngungen erfolgt grundsätzlich ohne zusätzliche Düngung. Der Pflanzenbestand ernährt sich aus dem Bodenvorrat und den Reststickstoffmengen der Vorkultur. Trotzdem kann die Grunddüngung der Folgekultur in organischer oder mineralischer Düngerform zum Gründüngungsanbau erfolgen. Wird ein ausgeprägtes oberirdisches Biomassewachstum von Nicht-Leguminosen angestrebt – zum Beispiel zur Futternutzung – kann eine Stickstoff-Gabe zur erhöhten Biomasseproduktion beitragen. 

Weitere Informationen

Mitglieder der Swiss No-Till (SNT) erhalten seit 2020 periodisch einen SNT Guide zu einem spezifischen Thema rund um Konservierende Landwirtschaft (kostenpflichtig über www.no-till.ch oder info@no-till.ch).

8. Weltkongress für Konservierende Landwirtschaft (Kongress: 21. bis 23.6.2021) Zollikofen BE und Witzwil / Gampelen BE (Feldtag: 24.6.2021). Geboten werden praxisbezogene Vorträge, Wissensgewinn und Erfahrungsaustausch besonders für Landwirtinnen und Landwirte

www.no-till.ch

 

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