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Pflanzenbau

Ist das Grünland bereit für den Winter?

Wie hoch dürfen die Bestände in den Winter gehen und wie lange darf geweidet werden? Eins ist klar, je tiefer und je später die Herbstnutzung, desto grösser ist der Ertragsverlust im Frühling. Dabei kann der Mehrertrag im Herbst den Minderertrag im Frühling nicht ausgleichen.

Eine Weide muss sich im Spätherbst noch etwas erholen können und Reserven einlagern, bevor sie in den Winter geht.

Eine Weide muss sich im Spätherbst noch etwas erholen können und Reserven einlagern, bevor sie in den Winter geht.

(UFA-Samen)

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Produktmanager Futterbau, UFA-Samen

Das Herbstfutter der Natur- und Kunstwiesen sowie das Herbstzwischenfutter können aus qualitativer Sicht sehr wertvoll sein und bringen notwendige Grundfuttererträge. Die Gräser bilden keine Halme mehr, sodass nur noch die Blätter geerntet werden können. Oftmals ist der Klee- und Kräuteranteil höher als im Frühjahr. Das bringt sehr proteinreiches, strukturarmes Futter, das sowohl bei der Konservierung wie auch in der Fütterung Herausforderungen mit sich bringt. Zudem werden im Herbst die Weichen für die Ertragsleistung der Wiesenbestände im folgenden Jahr gestellt. Keine andere Jahresnutzung ist so ertragsbestimmend wie die Herbstnutzung. Aber bis wann soll diese Nutzung noch durchgeführt werden?

Die Herbst-Schnittnutzung

Anhand des Standortes, der Ausrichtung der Parzelle und der Intensitätsstufe im Futterbau wird unter anderem die Schnitthäufigkeit bestimmt. Mit der Entwicklung des Vegetationsverlaufs und den Witterungseinflüssen ergibt sich ein Schnittintervall von vier bis sechs Wochen. Im Herbst stellt sich dann vielmals die Frage, lohnt sich ein Schnitt oder sogar ein weiterer noch, und gibt es nochmals eine Schönwetterphase zum Silieren? Bodenverdichtungen durch nasse Bedingungen bei der Ernte können im Grünland nicht durch die Bodenbearbeitung behoben werden. Deshalb ist darauf zu achten, dass erst gar keine Verdichtungen entstehen. Wenn es die Möglichkeit erlaubt, ist es auch sinnvoll, Futterbauflächen im Herbst zu überweiden, diese Art der Herbstnutzung kann auf vielen Betrieben flexibel gehandhabt werden.

Die Herbstweide

Bei nebligem, feuchtem Wetter trocknen die Böden im Oktober und November nur noch langsam ab. Trittschäden sind die Folge. Die zerstörte Grasnarbe bietet spätestens im nächsten Frühjahr vielen ungeliebten Pflanzen genügend Platz zum Keimen. Spätfolgen, verursacht durch Weideschäden im Herbst, zeigen sich durch viele Blacken oder andere Unkräuter und Ungräser auf der Fläche. Bei nassem Boden sollte die Koppelgrösse zum Schutz vor Trittschäden nicht zu klein sein, und der Umtriebsrhythmus wird mit vier bis sechs Tagen relativ kurz gehalten. Hingegen fressen die Tiere auf kleineren Koppeln weniger selektiv, was sich positiv auf die Artenzusammensetzung auswirkt.

Keine andere Jahresnutzung ist so ertragsbestimmend wie die Herbstnutzung.

Auf Parzellen mit dichten Mäusepopulationen kann ein spätes Überweiden insofern Sinn machen, als durch die Tritte der Rinder die Mäusehaufen zerstört und die Mäuse zurückgedrängt werden. Dabei ist aber der richtigen Ergänzungsfütterung der Tiere Beachtung zu schenken, da das Gras durch die Erdhügel stark verschmutzt sein kann.

Verzögerter Start

Die Forschungsanstalt Agroscope hat vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF) die Auswirkung einer späten Herbstweide untersucht. Eine Verlängerung der Weideperiode im Herbst hatte immer eine Ertragsreduktion im nächsten Frühling zur Folge. Diese war sogar noch im Mai festzustellen. Je länger im Herbst eine Nutzung stattfand, desto grösser war der Ertragsrückgang im folgenden Frühling. Das heisst, dass ein spätes Weiden nicht nur finanziell, sondern auch pflanzenbaulich keinen Sinn macht. Was man im Herbst übernutzt, bezahlt man im Frühjahr mit einem späteren Austrieb und einem entsprechend reduzierten Ertrag.

Reserven einlagern

Es muss das Ziel sein, die Wiesenbestände etwa fausthoch in den Winter zu bringen. Die Überwinterung ist dabei stark abhängig von der Blattmasse beim Einwintern. Dafür sollten zirka 300 bis 500 Kilogramm Gras Trockensubstanz je Hektare auf der Weide stehen, dies entspricht etwa 8 bis 10 cm Pflanzenhöhe. Eine Aufwuchshöhe von mindestens 5 cm ist für den Erhalt des Vegetationskegels notwendig. Der Zeitabstand zwischen der zweitletzten und der letzten Nutzung sollte rund sechs Wochen betragen. Das Gras muss nach dem letzten Schnitt oder Weidedurchgang noch ein wenig nachwachsen können, damit es noch genügend Reserven einlagern kann.

Damit die Pflanzen im Winter nicht erfrieren, bauen sie im Herbst aktiv eine Kälteresistenz auf, vergleichbar mit einem Frostschutzmittel. Dieser lebenswichtige Prozess wird mit einem späten Schnitt, verbunden mit einer Stickstoffgabe, verzögert. Ist das Gras aber vor dem ersten Schnee zu hoch, besteht die Gefahr, dass Auswinterungspilze den Futterpflanzen zusetzen. Zudem fühlen sich die Mäuse im hohen Gras sehr wohl.

Auch die Gras-Klee-Mischung hat einen Einfluss darauf, wie gut der Bestand überwintert. Die verschiedenen Arten und Sorten reagieren unterschiedlich auf tiefe Temperaturen. Sehr kälteverträglich sind beispielsweise die Wiesenrispe, der Wiesenschwingel, das Wiesen-Lieschgras sowie die Luzerne. Die Wiesenrispe etwa stellt das Wachstum im Winter ein und nimmt keine Nährstoffe mehr auf. Das Englisch Raygras hingegen wächst auch im Winter weiter, nur viel langsamer. Bei stark wechselnden Temperaturen kann es auswintern. Es lohnt sich, Mischungen einzusetzen, die in ihrer Zusammensetzung und Sortenwahl zum Standort passen. 

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