Pflanzenbau

Gewürz- und Heilpflanzen aus heimischer Produktion

Der Anbau von ein- und mehrjährigen Kräutern als Gewürz- und Medizinalpflanzen ist in der Schweiz vor allem im Berggebiet angesiedelt. Diese Kräuter sind ein Nischenmarkt, denn die Produktionskosten sind hoch.

Schafgarbe

Die Schafgarbe bevorzugt magere Standorte.

(Bild: agrarfoto.com)

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Aktualisiert am

ehemalige Redaktorin, UFA-Revue

Für alles ist ein Kraut gewachsen», sagt ein altes bekanntes Sprichwort. Tatsächlich werden in der Schweiz die verschiedensten Gewürzund Heilkräuter angebaut. Die Produktion ist aber ein Nischenmarkt: Lediglich 335 ha beträgt die gesamte Anbaufläche. Die angebauten Kräuter werden zur Herstellung von Tee, Heilmitteln, Süsswaren, Kosmetika und ätherischen Ölen verwendet.

Produktionskosten sind hoch

«Sowohl die Lebensmittel- als auch die Kosmetikindustrie habe Interesse an in der Schweiz (biologisch) produzierten Kräutern», erklärt Claude- Alain Carron, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Gewürz- und Medizinalpflanzen am Agroscope in Conthey. Claude-Alain Carron betont aber auch, dass die Produktionskosten in der Schweiz sehr hoch sind, was eine Ausdehnung der Anbauflächen beschränkt. Der Bedarf an Kräutern in der Schweiz wird daher mehrheitlich aus ausländischer Produktion gedeckt. In den vergangenen Jahren hat der Anbau leicht zugenommen, kann insgesamt aber als stabil bezeichnet werden. Diese Einschätzung teilt auch Markus Gammet e r : «Eine leicht erhöhte Nachfrage kann von unseren derzeitigen Produzenten aufgefangen werden». Markus Gammeter ist Geschäftsführer der ArGe Bergkräuter (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Kräuterbaus im Berggebiet) und baut auf seinem Familienbetrieb auf 1,3 ha verschiedene Kräuter an. Die ArGe Bergkräuter ist der Dachverband der acht regionalen Produzentenorganisationen (siehe Grafik). Die Erzeuger der ArGe Bergkräuter produzieren jährlich etwa 250 bis 300 Tonnen getrocknete Gewürz- und Heilkräuter. Claude-Alain Carron und Markus Gammeter betonen beide, dass es unerlässlich ist, einen Abnehmer zu haben, bevor mit der Kräuterproduktion gestartet wird. Claude-Alain Carron weist auch darauf hin, dass es nicht einfach ist, zu einem Preis zu verkaufen, der die Produktionskosten decken.

Biologisches Saatgut

Saatgut von Heilpflanzen in Bioqualität ist bei zahlreichen Arten nur begrenzt verfügbar. Der Verein Hortus Officinarum fördert daher die biologischdynamische Züchtung und Vermehrung ausgewählter Heilpflanzen.

Für Saatgut, das mindestens dreimal nachweislich biologisch oder biodynamisch vermehrt wurde, kann das Hortus-Label vergeben werden.

www.hortusofficinarum.ch

In Zusammenarbeit mit Agroscope und Ricola haben die Schweizer Produzenten von Plantamont eine Saatgutproduktion organisiert die ihren eigenen Bedürfnissen entspricht.

www.mediseeds.ch

Anbau in den Bergregionen

Der Kräuteranbau in der Schweiz ist zu über einem Drittel im Berggebiet angesiedelt; bei der Produktion von mehrjährigen Kräutern liegt die Produktionsfläche fast gleichauf mit derjenigen vom Talgebiet. Der Anbau in höheren Lagen hat den Vorteil, dass diese zum Teil die Inhaltsstoffe der Kräuter positiv beeinflussen können. Zudem kann die Produktion im Berggebiet einen zusätzlichen Verkaufswert darstellen; weiter ist der Anbau eine Chance, Bergregionen weiterzuentwickeln und den traditionellen Anbau zu erhalten. Die meisten Kräuter werden biologisch oder naturgemäss angebaut.

Neben der Sicherstellung des Absatzes ist der passende Standort eine weitere Voraussetzung für den Kräuteranbau. Die Arten müssen zur jeweiligen Bodenbeschaffenheit und zur Höhenlage passen (siehe Tabelle). Der Anbau auf verschiedenen Höhenlagen hat zudem den Vorteil, dass die Ernte gestaffelt durchgeführt werden kann.

«Bevor mit der Kräuterproduktion gestartet wird, muss der Absatz sichergestellt sein.»

Claude-Alain Carron, Agroscope

Auch im Kräuteranbau ist eine Fruchtfolge einzuhalten, um den Druck von Unkräutern, Krankheiten und Schädlingen zu reduzieren.

Kräuteranbau bedeutet viel Handarbeit. Für einen rationelleren Anbau sind grössere Betriebe möglicherweise im Vorteil. Agridea empfiehlt für Betriebe, die noch andere Produktionszweige haben, mittelgrosse Anbauflächen – das heisst rund eine Hektare. Bei einer Spezialisierung auf ein bis zwei Kräuterarten können sich aber auch kleinere Flächen lohnen.

Kräuteranbau

In den Berggebieten ist der Kräuteranbau verhältnismässig gross.

(Bild: Fotolia)

Schnelle Trocknung nach der Ernte

Bei der Kräuterernte ist es wichtig, dass diese zum richtigen Zeitpunkt erfolgt; nämlich dann, wenn das Maximum der wichtigen Inhaltsstoffe erreicht ist.

Bei der Ernte von krautigen Pflanzenteilen muss darauf geachtet werden, dass das Erntegut nicht mit dem Boden in Kontakt kommt und dadurch verschmutzt wird. Optimalerweise kommen hierfür speziell für die Kräuterernte ausgerüstete Mähmaschinen zum Einsatz. Nach der Ernte müssen die Kräuter rasch haltbar gemacht oder verarbeitet werden. In der Regel werden die Kräuter dafür getrocknet. Da dies schnellstmöglich geschehen soll, ist die Erntemenge auf die Kapazität der Trocknungsanlage auszurichten. Bei der Trocknung wird der Wassergehalt auf acht bis maximal zwölf Prozent gesenkt. Damit möglichst viele wertvolle Inhaltsstoffe erhalten bleiben, wird nicht über 40 °C getrocknet. Da die Trocknung aufwändig ist, trocknet nicht jeder Landwirt selbst. «Bei der ArGe Bergkräuter sind die Trocknungsanlagen regional verteilt. Von dort aus gehen die getrockneten Kräuter dann an den Abnehmer», erklärt Markus Gammeter.

Hohe Qualitätsanforderungen

Die meisten Gewürz- und Heilkräuter werden über die Süsswarenindustrie, den Tee- und Gewürzhandel, über die Heilmittelherstellung oder die Kosmetikindustrie vermarktet. Die Produktion erfolgt daher in der Regel im Vertragsanbau. Neben dem Verkauf über den Handel besteht auch die Möglichkeit der Direktvermarktung.

Die Abnehmer geben Qualitätsanforderungen vor, wie beispielsweise den Gehalt von Inhaltsstoffen, Reinheit, Produktionsart, etc. Zudem gibt es Vorgaben zu den Pflanzenteilen; also ob Blatt, Wurzel, Blüte, Kraut oder blühendes Kraut gefragt ist. Dies hat einen Einfluss auf den Erntezeitpunkt der Kräuter.

Der Anbau muss selbstverständlich dokumentiert und die Rückverfolgbarkeit sichergestellt sein.

Organisation von Anbau und Vertrieb

«Aus anbautechnischer Sicht fällt Landwirten, die bereits Erfahrungen haben mit Sonderkulturen wie Gemüse, Reben oder Beeren, der Einstieg in die Kräuterproduktion leichter, als denjenigen, die vom Ackerbau oder der Tierhaltung herkommen», sagt Claude-Alain Carron. Weiter empfiehlt er, sich einer Produzentenorganisation anzuschliessen, um die Einkäufe von Betriebsmitteln zu bündeln, gemeinsam Maschinen nutzen zu können und um den Verkauf zu organisieren.

Die ArGe Bergkräuter koordiniert den Anbau und den Verkauf. Markus Gammeter erklärt: «Entsprechend der Nachfrage der Abnehmer teilen wir die Anbauflächen den regionalen Produzentenorganisationen zu. Diese vergeben dann die entsprechenden Flächen wiederum an ihre Produzenten. Interessieren sich viele Produzenten für den Anbau einer Art, gibt es gegebenenfalls eine Warteliste. Somit stellen wir sicher, dass nur so viele Kräuter produziert werden, wie wir auch vermarkten können.» 

 

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