Pflanzenbau

Mit kurzem Gras zum Erfolg

Wie viel Milch und Fleisch aus Weidegras produziert werden kann, steht in einem engen Zusammenhang mit der Futterqualität sowie dem Futterangebot und folglich der Grashöhe. Es lohnt sich, hier genau hinzuschauen.

Publiziert am

Berater und Lehrer Inforama

Produktmanager Futterbau, UFA-Samen

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Forschungsgruppe Wiederkäuer, Agroscope

Wer die Grashöhe auf der Weide im Griff hat, erreicht damit eine hohe Flächenleistung und eine dichte Grasnarbe. Der optimale Kompromiss aus Ertrag und Qualität für die bestmögliche Produktion von tierischen Erzeugnissen ist im Englischen Raigrases beim Dreiblattstadium erreicht. Wird das Gras höher und somit älter, verliert es wegen mehr Stängeln und toten Blättern rasch an Nährwert. Es muss beachtet werden, diese Empfehlung für nichtraigrasfähige Standorte anzupassen.

Grasqualität ist doppelt wichtig

Eine optimale Grasqualität ist doppelt wichtig: Bei einer Top-Grasqualität kann die Kuh aus vergleichsweise wenig Futter viel Milch oder Fleisch produzieren. Wenn die Grasqualität abnimmt, etwa wegen zu langer Ruhezeiten (Zeit zwischen zwei Nutzungen) oder wegen übermässigen Weideresten, dann sinkt gleichzeitig auch der Futterverzehr. Dieser verstärkende Effekt führt dazu, dass schon wenige Tage Unterschied bei der Ruhezeit sich auf die tierische Leistung auswirken. Hohe Besatzstärken erleichtern es, ein hohes Qualitätsniveau beim Weidefutter zu erhalten. Mehr Kühe auf einer bestimmten Fläche limitiert zwar die Milchleistung pro Kuh, die Milchproduktion pro Fläche nimmt aber signifikant zu.

Keine Weidereste, schönere Bestände

Je kleiner die Weidereste ausfallen, desto höher fällt die Flächenproduktivität auf einer Weide aus. Minimale Weidereste können nur dann erreicht werden, wenn das Gras bei Weidebeginn auf einer Parzelle nicht zu hoch ist (Auftriebshöhe). Ziel ist eine gleichmässig tief und sauber abgefressene Wiese, ähnlich einer Schnittnutzung. Wenn trotz Berücksichtigung der Faustzahlen für die Grashöhe (siehe Kasten)Weidereste entstehen, müssen als nächstes die Weidezeit pro Parzelle und die Zufütterung im Stall überprüft werden. Achtung: wenn Weidereste toleriert und stehen gelassen werden, können sie zum Einfallstor für Unkräuter und minderwertige Gräser wie Hirsen werden.

Das Ziel ist eine gleichmässig tief und sauber abgefressene Wiese.

Grashöhe als Entscheidungshilfe

Je älter das Gras wird, je höher es wächst, desto mehr nehmen der Faseranteil und die Verholzung der Fasern zu. Einerseits kann die Grashöhe zur direkten Kontrolle der Weidereife einer Koppel dienen. Andererseits kann über das Messen aller Koppeln auch der Grasvorrat des Betriebes genauer geschätzt werden. Anhand eines sogenannten «Futterkeils» lässt sich einfach erkennen, ob insgesamt zu viel Gras auf den Weideparzellen steht. Wenn ja, werden die am höchsten gewachsenen Parzellen ausgelassen und gemäht. Wenn die Weide mit optimaler Grashöhe bestossen werden kann, erübrigt sich in der Regel auch ein Säuberungsschnitt. Es lohnt sich also, der präzisen Weideführung Gewicht beizumessen. Grashöhenmessgeräte und Grasmanagement-Software können bei den unumgänglichen Entscheidungen unterstützen.

Futterkeil

Der sogenannte Futterkeil entsteht, wenn die gemessenen Grashöhen sämtlicher Weideparzellen in abnehmender Reihenfolge aufgetragen werden. Anschliessend werden die angepeilten Grashöhen des Auftriebes (bei Koppel mit höchstem Gras) und Abtriebs (bei zuletzt abgeweideter Koppel) eingetragen und mit einer Gerade verbunden. Wenn der Grasvorrat des Betriebes mit dem Grasbedarf zusammenpasst, liegen die gemessenen Grashöhen grösstenteils auf der Zielgeraden. Überschiessende Grashöhen weisen auf kommende Überschüsse hin – Futterlöcher auf zu wenig Futter. Bei mindestens wöchentlicher Grasmessung kann so rechtzeitig auf Änderungen des Graswachstums reagiert werden.

Grundfutterleistung: Schweizer topp

Grundfutterleistungen von über 13 000 kg Milch pro Hektar Hauptfutterfläche sind in der Schweiz keine Ausnahme. Neben einem optimierten Management spielen hier insbesondere die ausgewogenen Mischbestände mit Zuchtgräsern und Klee eine wichtige Rolle. Der Klee sowie der Kräuteranteil auf Naturwiesen bewirkt, dass das Wiesenfutter für die Tiere besonders schmackhaft ist und mehr davon gefressen wird. 

Gras messen – für wen lohnt sich das besonders?

• Vollweidebetriebe mit hohen Ansprüchen an Flächenleistung und Weideführung. 
• Grössere Betriebe auch bei Teilweide: «Genau planen, statt Weiden mulchen.» 
• Melkroboterbetriebe mit 2 – 3 Weideparzellen pro Tag: Der Besuch der Kühe beim Melkroboter wird über das Grasangebot der Parzellen gesteuert.

Bei zunehmend grösseren Weideherden geht der wirtschaftliche Schaden einer laschen Weideführung schnell in die Tausende von Franken. Es verwundert also nicht, dass das regelmässige Messen der Grashöhe heute weltweit bei Weideprofis verbreitet ist. In der Zeit des grössten Graswachstums werden bis zu zwei Messungen pro Woche empfohlen, damit Entscheidungen rechtzeitig gefällt werden können. Für kleinere Betriebe ist es nicht unbedingt nötig, ein professionelles Grasmessgerät anzuschaffen. Ein einfacher Doppelmeter oder Markierungen an den Stiefeln können auch nützlich sein. Interessenten können sich an die Interessensgemeinschaft Weidemilch wenden auf www.weidemilch.ch

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