Pflanzenbau

Mit Schlupfwespen gegen den Maiszünsler

Der grösste Feind im Maisanbau ist der Maiszünsler. Die Ausbringung von Trichogramma-Schlupfwespen sind eine effektive Bekämpfungsmöglichkeit. Durch den flächendeckenden Einsatz wird der Aufbau von Maiszünsler-Refugien verhindert.

Trichogramma-Ausbringung per Drohne

Trichogramma-Ausbringung per Drohne.

(UFA-Samen Nützlinge)

Publiziert am

Aktualisiert am

Obstbautechniker, fenaco Pflanzenschutz

Trainee, fenaco Pflanzenbau

Der Maiszünsler kann massive Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen. Die Larven des Maiszünslers bohren sich nicht nur durch das Innere des Stängels, wodurch die Maispflanze an Stabilität verliert und umknickt, auch Kolben werden durch die Larven befallen.

Biologische und vorbeugende Massnahmen

Der Maiszünsler-Befallsdruck kann durch jährliche, kontinuierliche und flächendeckende Ausbringung der Trichogramma-Schlupfwespe auf einem niedrigen Niveau gehalten werden. Trichogramma-Schlupfwespen parasitieren die Eier des Maiszünslers, dass heisst die Schlupfwespen legen ihre Eier in die Eier des Maiszünslers und entwickeln sich in diesen. Dadurch können sich aus den Maiszünsler-Eiern keine Maiszüns-ler-Larven entwickeln und der Entwicklungskreislauf des Maiszünslers ist unterbrochen.

Zusätzlich zur biologischen Bekämpfungsmethode sind auch vorbeugende mechanische Massnahmen wie das Zerkleinern von Maisstoppeln, sowie das gründliche Einarbeiten nach der Ernte unerlässlich und notwendig.

Maiszünsler-Larven überwintern als Larve in den Stoppelresten, durch das mechanische Zerkleinern der Maisstoppeln wird der Lebensraum der Maiszünsler-Larven zerstört und das Überwintern der Larven verhindert. Durch das Zusammenspiel biologischer und mechanischer Bekämpfungsmassnahmen kann somit die Ausgangspopulation des Maiszünslers im folgenden Frühjahr dezimiert und der Aufbau von Mais-zünsler-Refugien verhindert werden.

 

Ausbringung von Schlupfwespen

In schwachen bis mittleren Maiszünsler-Befallsgebieten gibt es eine einmalige Ausbringung und für Regionen mit einem mittleren bis starken Maiszünsler-Befallsdruck die zweimalige Ausbringung zum Aufhängen an die Maispflanze oder zum Auswerfen per Hand oder durch die arbeitserleichternde Drohnenausbringung. Je nach Jahr kann die Witterung (z. B. Hitze) aber auch die Höhe des Maisbestandes einen Einfluss auf die Trichogramma-Wirkung haben. Bei grosser Hitze oder einem kleinen Maisbestand während der Trichogramma-Ausbringung ist die Wirkung der Optibox-Rähmchen etwas besser als die Optikugel. In unseren Versuchen konnte aber gezeigt werden, dass die Wirkung der Optibox-Rähmchen als auch der Opti kugeln eine ausreichende Wirkung aufweisen und der Unterschied in der Wirkung über die Jahre im Durchschnitt bei weniger als drei Prozent liegt.

Flächendeckender Einsatz

Durch das noch laufende Pflanzenschutzprojekt im Kanton Bern haben sich im Jahr 2019 mehr Landwirte für eine Maiszünsler-Bekämpfung entschieden. Auch im Kanton Baselland gab es 2019 vom Ebenrain zusammen mit der LANDI Reba eine finanzielle Unterstützung für die Landwirte beim Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen zur Mais-zünsler-Bekämpfung. Durch diese Massnahmen wurde die Zunahme der Flächen 2019 gefördert, zum Teil auch auf Flächen auf denen seit mehreren Jahren keine Maiszünsler-Bekämpfung mehr gemacht wurde. Der flächendeckende Einsatz der Trichogramma-Schlupfwespe verhindert somit einen Aufbau von Maiszünsler-Refugien. 

«Die Nutzung des Notfalldrohnendienstes erwies sich als nützlich.»

Vincent Wasser führt in Ependes in der Orbe-Ebene einen der drei Betriebe im Hauptbesitz der Schweizer Zucker AG. In dem 135 Hektar grossen, hauptsächlich auf Milchwirtschaft ausgerichteten Betrieb arbeiten drei Vollzeitbeschäftigte und eine Teilzeitkraft. Die Betriebsfläche umfasst 40 ha Getreide, 25 ha Zuckerrüben, 30 ha Mais und 40 ha Weiden und Mähwiesen. Von den 30 ha Mais, der hauptsächlich für die Silage bestimmt ist, befinden sich 60 Prozent auf schwarzerdigem Boden.

Druck des Maiszünslers

«In der Region der Orbe-Ebene ist der Druck des Maiszünslers hoch und setzt früh ein, vor allem im Schwarzerdegebiet», erklärt Vincent Wasser. In den letzten zwei Jahren habe der Druck jedoch in allen Gebieten abgenommen. Der Bewirtschafter bemüht sich seit mehr als 15 Jahren um die Eindämmung des Schädlings, insbesondere mit Trichokarten und parallel dazu mit chemischen Verfahren. 2018 wurde auf einem 15 ha grossen Grundstück und 2019 auf der gesamten Fläche in Zusammenarbeit mit Olivier Delay, technischer Berater bei fenaco Pflanzenbau, ein Versuch durch geführt: 1 ⁄3 der Fläche wurde mit Tricho karten, 1 ⁄3 mit OptiDrone und 1 ⁄3 mit einem chemischen Verfahren (Ausnahmeregelung, durchgeführt von einem Lohn unternehmer) behandelt.

Unterschiede zwischen den Verfahren

Über diese Zweijahresperiode hinweg wurden bei vergleichbaren Kosten keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Wirksamkeit festgestellt. Die Trichokarten kommen auf der Schwarzerde zum Einsatz, da die feine Erde nach starken Niederschlägen die Optikugeln verstopfen und den Austritt der Trichogramma verhindern könnte.

Die Hauptvorteile des Drohneneinsatzes sind die Zuverlässigkeit und der reaktionsschnelle Service. «Im vergangenen Jahr erwies sich etwa die Nutzung des Notfalldrohnendienstes als nützlich, nachdem ein Hagel- und Windsturm den ganzen Mais umgelegt hatte. Ausserdem wird die Arbeit gänzlich delegiert und das eigene Personal bei hohem Arbeitsanfall nicht zusätzlich belastet», erklärt Vincent Wasser.

Wirksamkeit der Schädlingsbekämpfung

Es brauche einen Zusammenschluss auf regionaler Ebene oder in den wichtigen Gebieten, um das Ergebnis zu optimieren, ähnlich wie bei der Verwirrungstechnik im Weinbau.

Vincent Wasser ist überzeugt von der Methode, betont aber gleichzeitig, dass es wichtig ist, diese in einem grösseren Massstab anzuwenden, zumal sie eine Alternative zur chemischen Behandlung darstellt. Der Betriebsleiter verzichtet im Jahr 2020 auf die chemische Bekämpfung des Maiszünslers. Der Mais auf mineralischem Boden wird mittels Drohneneinsatz und der Mais auf der Schwarzerde mit den Trichokarten behandelt.

Reaktion des Umfelds

Im Frühjahr 2019 konnte Vincent Wasser mehreren landwirtschaftsfremden Personen das Prinzip der biologischen Schädlingsbekämpfung und die Nutzung von Technologien wie Drohnen in der Landwirtschaft erklären. Der Drohneneinsatz bot Gelegenheit, dieses Thema aufzugreifen und den Nutzen landwirtschaftlicher Innovationen darzulegen.

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