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Pflanzenbau

Pflanzenschutzmittel-Reduktion im Direktsaatsystem

Die Konservierende Landwirtschaft setzt im Pflanzenbau auf präventive Massnahmen mit dem Ziel, den chemischen Pflanzenschutz auf einem tiefen Niveau zu halten. Aufgrund des Prinzips der Bodenruhe werden vorhandene Unkräuter, bodenbürtige Krankheiten oder Schädlinge nicht mit einer Bodenbearbeitung dezimiert.

Winterraps profitiert von abfrierenden sowie überwinternden Begleitpflanzen.

Winterraps profitiert von abfrierenden sowie überwinternden Begleitpflanzen.

(Swiss No-Till)

Publiziert am

Swiss No-Till

Die Grundpfeiler der Konservierenden Landwirtschaft zielen auch darauf ab, den chemischen Pflanzenschutz nur ergänzend einzusetzen und auf möglichst tiefem Niveau zu halten. Das spart Kosten ein, minimiert negative Auswirkungen auf Bodenlebewesen und Nützlinge und erhält die Wasserqualität. Die hohe Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffverfügbarkeit und Pflanzenarten-Vielfalt tragen ihrerseits zu gesunden Pflanzenbeständen bei.

Bodenruhe ändert die Unkrautflora

Eine langjährige Umsetzung des Prinzips der Bodenruhe führt dazu, dass sich die Unkrautflora von einjährigen zu ausdauernden Arten hin verlagert. Zudem ist ein vermehrtes Auftreten von oberflächlich keimenden, einjährigen Ungräsern zu beobachten. Durchwuchs und etablierte Unkräuter können ebenso problematisch sein und erfordern eine Anpassung der Bekämpfungsstrategien. Absolut gesehen nimmt die Anzahl der Unkräuter im Direktsaatsystem aber ab, denn die auf ein Minimum beschränkte Bodenbewegung reduziert den Keimreiz ruhender Unkrautsamen durch Licht. Schartyp und Scharform einer Direktsämaschine beeinflussen die Intensität der Bodenbewegung und somit die Unkrautabundanz. Waffelscheiben und/oder Sternräumer vor den Säelementen fördern das Keimen von Unkräutern in den Pflanzenreihen. Der ausgeprägte Erosionsschutz, die schnelle Wasserinfiltration und die hohe biologische Aktivität in etablierten Direktsaatböden reduzieren deutlich die Verlagerung von Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen ins Wasser. Dank der Anreicherung von Humus nahe der Bodenoberfläche werden allfällige Schadstoffe zügig abgebaut und ihre Abbauprodukte gebunden. Dadurch gelangen sie kaum in die Vorfluter des Entwässerungssystems.

Eine permanente Bodenbedeckung erfordert eine Anpassung der Herbizidstrategie.

Die Bodenbedeckung beeinflusst die Herbizidwirkung

Eine permanente Bodenbedeckung erfordert eine Anpassung der Herbizidstrategie. Das Pflanzenmaterial auf der Bodenoberfläche adsorbiert Bodenherbizide, was zu einer weitgehenden Deaktivierung der Wirkstoffe führt. Zusätzlich werden die unter der Mulchschicht keimenden Unkräuter vor Kontaktherbiziden geschützt. Obwohl sie dadurch eine eingeschränkte Wirkung aufweisen, sollte die Herbizidstrategie wegen fehlender Alternativen trotzdem auf Basis der Kontaktherbizide ausgerichtet werden. Deren Umsetzung ist jedoch anspruchsvoll, weil die Unkrautpopulationen tendenziell in einem Stadium mit mehreren echten Blättern zu bekämpfen sind. Permanente Bodenbedeckungen bieten verschiedensten Tieren Schutz und Nahrung. Dadurch werden Nützlinge gefördert, welche in solch einem belebten Mikroumfeld zu einem stabilen Agrarökosystem beitragen. Unter der Schicht, bestehend aus Pflanzenresten, finden aber auch Schnecken die für ihr Überleben notwendige Feuchtigkeit, was zu entsprechend hohen Individuendichten führen kann. Gefährdete Kulturen wie Raps, Sonnenblumen oder Zuckerrüben müssen deshalb ab kurz vor der Saat beobachtet und bei hohem Frassrisiko mit Molluskiziden geschützt werden. Dies ist ertragswirksam, erhöht aber die Produktionskosten und kann negative Auswirkungen auf Nichtzielorganismen haben. Das Infektionsrisiko für Pilzerkrankungen der Folgekulturen durch die auf der Bodenoberfläche verbleibenden Erntereste hängt stark von der Witterung und dem Entwicklungszyklus oder -stadium des Pathogens ab. Werden klassische ackerbauliche Regeln wie Fruchtfolgegestaltung, Sortenwahl, Führung der Pflanzenbestände und Strohmanagement zur Förderung der Rotte berücksichtigt, lassen sich die Risiken einer Infektion durch Pathogene wesentlich vermindern.

Pflanzenarten-Vielfalt zur Vorbeugung

Vielfältige Fruchtfolgen mit artenreichen Gründüngungen stellen eine der wichtigsten vorbeugenden Massnahmen zur Reduktion von Schaderregern, Pflanzenkrankheiten und Unkrautvorkommen dar. Eine entscheidende Rolle beim Auftreten von Pflanzenkrankheiten und beim damit verbundenen Fungizideinsatz spielt die Sortenwahl jedes einzelnen Fruchtfolgeglieds inklusive Gründüngungsarten. Dabei sollte nicht die Ertragsmaximierung einer einzelnen Kultur angestrebt werden. Wichtig sind langfristig stabile Erträge im Rahmen einer hohen Wirtschaftlichkeit der gesamten Fruchtfolge. Der intensive Anbau von Gründüngungen ist eine sehr effektive Massnahme zur Reduktion von Herbiziden. Gründüngungen haben zudem die Funktion als Gesundungsfrucht für den Boden und das Potenzial, Verunkrautungen und Vergrasungen vorzubeugen. 

Unser Tipp

Was die Pflanzenarten-Vielfalt fördert

Begleitpflanzen und Untersaaten: Gezielt eingesetzt haben sie eine unkrautunterdrückende Wirkung. Unter anderem sind Rapsbegleitpflanzen in der konservierenden Landwirtschaft erprobt: Sie können Herbizide im Vorauflauf, Nachauflauf oder nach der Ernte ersetzen. Dazu muss die Artenzusammensetzung der Begleitpflanzen in Abhängigkeit vom angestrebten Ziel ausgewählt werden. Als Ablenkfutter haben sie auch eine Wirkung auf Schadinsekten und Schnecken.

Direktsaat in eine Gründüngung: Die Direktsaat einer Hauptkultur in eine noch lebende Gründüngung kann den Einsatz eines nicht selektiven Herbizids vor der Ansaat ersetzen und den Herbizidaufwand im Nachauflauf reduzieren. Diese Strategie bedingt primär eine möglichst vollständige Bodenbedeckung beziehungsweise Unkrautunterdrückung durch die üppige Biomasse der Gründüngung. Zudem müssen die gewählten Gründüngungsarten durch Frost oder mechanisch abgetötet werden können.

Relay Intercropping: Relay Intercropping ist die räumlich und zeitlich getrennte Ansaat der Folgekultur in eine noch wachsende Hauptkultur. Dies kann in Zukunft dank zusätzlicher Ernten zu Produktionssteigerung, effizienter Ressourcennutzung und kleinräumig stabilen Agrarökosystemen durch Pflanzengemeinschaften beitragen. So kann im Idealfall der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln pro einzelner Kultur deutlich reduziert werden.

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