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Betriebsführung

Vorsicht bei der Milchleistung

Agroscope untersuchte die Einflussfaktoren auf das Einkommen von Milchbauern. Bei den gut Verdienenden zahlt sich eine höhere Milchleistung aus. Bei den Betrieben mit tiefen Einkommen lohnt sie sich nicht.

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Publiziert am

Aktualisiert am

GAM Investment Management

Leiter Forschungsgruppe Betriebswirtschaft, Agroscope

Was macht einen Milchbetrieb erfolgreich? Lassen sich – und, wenn ja, wie – erfolgreiche von weniger erfolgreichen Betrieben unterscheiden? Diesen Fragen geht eine neue Studie von Agroscope nach. Besonders interessiert dabei der Einfluss der Milchleistung auf das Einkommen.

Buchhaltungsdaten

Datengrundlage bildet die Zentrale Auswertung von Buchhaltungsdaten von Agroscope. Für den Zeitraum von 2010 bis 2014, wo keine grösseren Änderungen in der Schweizer Agrarpolitik für die Milchwirtschaft stattgefunden haben, stehen über 5000 Datensätze von fast 2000 Betrieben zur Verfügung. Davon befinden sich 20 % in der Tal- und je etwa 40 % in der Hügel- und Bergregion.

Erfolgskriterium

Um den finanziellen Erfolg von Verkehrsmilchbetrieben zu bestimmen, muss man erst festlegen, wie man diese Grösse überhaupt messen soll. Da der Grossteil der Verkehrsmilchbetriebe von Familien geführt wird, wird der Arbeitsverdienst je Familienjahresarbeitskraft verwendet. Es ist das Einkommen, das eine Vollzeitarbeitskraft in einem Jahr verdient.

Milchleistung

Eine Sonderstellung in der Analyse nimmt die Milchleistung ein. Sie wird zwar oft als eigenständige Erfolgsgrösse betrachtet, ist jedoch selbst von weiteren Faktoren abhängig, wie der Fütterung oder der Genetik des Milchviehs. Durch beide Faktoren kann der Betriebsleiter die Milchleistung optimieren. Genetik ist nicht Bestandteil der Daten. Die Fütterung kann bis zu einem gewissen Grad indirekt durch Kosten (Futterzukauf und Kraftfutter) und Flächen (Silomais, Futtergetreide und -rüben, Grünflächen) abgebildet werden.

Statistik

Mit einer Regressionsanalyse werden Einflussfaktoren für den Arbeitsverdienst ermittelt. Neben der Milchleistung kommen unter anderem die Betriebsgrösse, die Produktionsweise (Bio, konventionell) und die Region (Tal, Hügel, Berg) als unabhängige Variablen zur Anwendung. Da Verkehrsmilchbetriebe sehr verschieden sind, wird keine «normale» Regression angewandt, die sich auf den Mittelwert der Stichprobe bezieht, sondern Agroscope verwendete erstmals eine sogenannte Quantilregression. Ein Quantil ist eine Beobachtung in einer Stichprobe. Bekanntester Vertreter ist der Median, jener Wert, der genau in der Mitte liegt. In unserer Analyse ordnen wir die Daten nach dem Arbeitsverdienst und verwenden Dezile. Das erste Dezil ist der zehnte von hundert Betrieben. Tabelle 1 zeigt einzelne Kennzahlen der untersuchten Betriebe nach Dezilen.

Im Mittel beträgt der Arbeitsverdienst 42 800.– Franken. Während das erste Dezil pro Jahr und Vollzeitarbeitskraft 5900.– Franken verliert, beläuft sich der Arbeitsverdienst im neunten Dezil auf über 105 500.– Franken. Die Betriebsgrösse gemessen in Grossvieheinheiten nimmt fast stetig zu, die Milchleistung auch.

Mit Quantilregression ist es nun möglich, Einflussfaktoren für Dezile des Einkommens separat zu schätzen. Ist eine Stichprobe wenig einheitlich, können Unterschiede zwischen den Dezilen so übersichtlich dargestellt werden.

Ergebnisse

Berechnet man die Quantilregression für Dezile des Arbeitsverdienstes, so erhält man zunächst für jedes Dezil und jeden Einflussfaktor einen Koeffizienten, der die Grösse von dessen Beitrag auf das Einkommen dieses Dezils beschreibt. Für manche Faktoren unterscheiden sich die Koeffizienten stark zwischen den Dezilen, für andere sind sie sehr ähnlich, so dass man sie zu einem Koeffizienten zusammenfassen kann. Tabelle 2 enthält die wichtigsten Ergebnisse. Produziert der Betrieb nach biologischen Richtlinien, erhöht sich der Arbeitsverdienst um 6935.– Franken, also um rund 16 % des Mittelwerts. Überraschenderweise haben auch die Berg- und Hügelregion jeweils einen positiven Einfluss auf den Arbeitsverdienst. Der eigentlich erwartete negative Effekt zeigt sich hingegen bei der Variablen Hanglage, die mit 8606.– Franken stark negativ ist.

Sie ist vor allem für die Betriebe in der Bergregion relevant, tritt aber auch in der Hügelregion auf. Weiter zeigt Tabelle 2, dass sich bei drei Variablen – Betriebsgrösse, Milchleistung und Kraftfutterkosten – die Koeffizienten stark unterscheiden. Hier enthält die Tabelle für jedes Dezil einen eigenen Koeffizienten. Im ersten Dezil erhöht eine zusätzliche Milchkuh bzw. Grossvieheinheit den Arbeitsverdienst um 801.- Franken. Je erfolgreicher ein Betrieb, desto stärker wirkt sich eine zusätzliche Milchkuh aus, bis zum grössten Koeffizient beim neunten Dezil (927.– Franken). Der Kraftfuttereinsatz trägt erwartungsgemäss als Kostenposition negativ bei. Ein zusätzlicher Franken Kraftfutter pro Grossvieheinheit, das heisst rund 30.– Franken für den ganzen Betrieb, reduziert den Arbeitsverdienst zwischen 11.– und 15.– Franken.

Komplexe Milchleistung

Komplexer ist der Fall für die Milchleistung. Im ersten Dezil, den 10 % am wenigsten erfolgreichen Betrieben, resultiert ein negativer Wert. Dieser ist aber wenig aussagekräftig, da er sich statistisch nicht signifikant von Null unterscheidet. Ab dem dritten Dezil sind die Koeffizienten signifikant. Im dritten Dezil erhöhen 1000 Kilogramm zusätzliche Milchleistung je Grossvieheinheit den Arbeitsverdienst pro Jahr um 1610.– Franken. Bei den 10 % erfolgreichsten Betrieben, dem neunten Dezil, bedeuten 1000 weitere Kilogramm Milch je Grossvieheinheit einen zusätzlichen Verdienst von 8000.– Franken. Das ist fünf Mal so viel wie im dritten Dezil, was die grosse Heterogenität der untersuchten Betriebe widerspiegelt.

Fazit

Eine Steigerung der Milchleistung ist nicht für jeden Betrieb eine optimale Strategie, um den Arbeitsverdienst zu erhöhen. Gerade bei den schon heute weniger gut verdienenden Betrieben zeigt sich, dass eine Steigerung der Milchleistung, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen positiven Effekt auf die Arbeitsverdienst hätte.

Erfolgreiche Betriebe kennzeichnen sich durch grössere Tierbestände, eine höhere Milchleistung und einer Produktion nach Biorichtlinien. Um die Zusammenhänge zwischen Milchleistung und Verdienst noch besser zu verstehen, muss der ökonomische Zusammenhang zwischen Milchleistung und den Fütterungskomponenten wie Raufutter, Mais und Kraftfutter noch weiter analysiert werden. 

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