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Betriebsführung

Texas liegt im Emmental

Die Schweiz ist ein traditionelles Rindviehland. Texas Longhorns trifft man jedoch selten an. Die Rasse ist hierzulande erst seit 2004 vertreten. Susanne Sommer und Jürg Keller im Emmental gehören seit zwei Jahren zu den wenigen Züchtern in der Schweiz.

Die Texas-Longhorn-Herde auf der Moosacker Ranch verbreitet auf dem Möschberg mitten im Winter den Hauch von Prärie und rauchenden Colts. Die Spanne zwi...

Die Texas-Longhorn-Herde auf der Moosacker Ranch verbreitet auf dem Möschberg mitten im Winter den Hauch von Prärie und rauchenden Colts. Die Spanne zwischen den Hornspitzen von Stieren und Kühen kann über 2,5 Meter betragen. 

(Bild: Moosacker Ranch)

Publiziert am

Der Schnee und das wunderschöne neugebaute Emmentaler Bauernhaus auf dem Möschberg oberhalb Grosshöchstetten im Emmental erinnern nicht im Entferntesten an den amerikanischen Traum und die Weiten des Wilden Westens. Was im Stall steht, allerdings schon: Hier leben 17 verschieden gezeichnete langhornige Prärierinder der Rasse Texas Longhorns.

«Texas Longhorns sind ‹ring chauberig› und bieten sich als extensive Mutterkuhrasse bestens an.»

Jürg Keller, Züchter

«Die Tiere passen wunderbar hierher ins Emmental – es sind gutmütige und sehr genügsame Urviecher», schwärmt Susanne Sommer. Als extensive Mutterkuhrasse biete sie sich bestens an, und die Texas Longhorns seien «ring chauberig», wie es Jürg Keller ausdrückt. So gibt es mit den kleinen Kälbern in der Regel einfache Geburten. Daneben sei die exotische Rasse in der Haltung und im Management vergleichbar mit anderen Mutterkuhrassen. Daran ändern auch die Hörner nichts: «Wir hatten bisher kaum Probleme oder grössere Verletzungen und sorgen uns deswegen auch nicht», meint Keller. Und auch der Natursprung funktioniere bisher gut, bislang liegt die Erfolgsquote der beiden Stiere auf der Moosacker Ranch bei 100 Prozent.

Von der Prärie in Emmentaler Hügel

Vor zwei Jahren haben Susanne Sommer und Jürg Keller den Stall auf dem Moosackerhof mit den Texas Longhorns wiederbelebt. «Mein Vater hat auf dem Hof noch Milchwirtschaft und Ackerbau betrieben, dann übernahmen mein Bruder und ich den Betrieb und stellten auf Rindermast um», erzählt Jürg Keller. Danach verpachteten sie das Land allerdings für zehn Jahre. Der Stall stand leer, bis schliesslich der Gedanke aufkam, das Land wieder selbst zu bewirtschaften. «Wir fanden, dass es doch schade ist, wenn man eigenes Land hat und dieses nicht selbst nutzt», ergänzt Susanne Sommer.

Moosacker Ranch

  • Betrieb: Susanne Sommer und Jürg Keller, Oberthal im Emmental (Nebenerwerb)
  • Lage: Bergzone I
  • LN: 7 ha Weideland (Naturwiese, Ökoflächen)
  • Tiere: 17 Texas Longhorns (8 Kühe, 2 Stiere), Zucht und Aufzucht
  • Direktvermarktung: Rindfleisch («Nose to tail»-Prinzip), Hörner und Felle

www.texaslonghorn.love

Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt auf einer Ranch im US-Bundesstaat Texas traf Susanne Sommer inmitten einer Herde aus Black Angus auf ein einzelnes Texas Longhorn namens Gertrud. Nach einem Besuch im Wilden Westen hat es auch Jürg Keller den Ärmel reingenommen. Von da an war klar, dass eine erneute Übernahme des Betriebs nur mit Texas Longhorns infrage kam. Sie erstellten einen Businessplan, investierten in den Stall und schafften sich die noch überschaubare Herde an.

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Susanne Sommer und Jürg Keller machen sich die Genügsamkeit der Rasse zunutze und verzichten ganz auf Kraftfutter. Ihre Robustheit verdanken die Tiere der natürlichen Auslese in den Weiten der Prärie, wo den Herden über Jahrhunderte niemand beistand.

(Bild: Renate Hodel)

Um die genetische Vielfalt in der Schweiz zu erweitern, importierten sie die ersten Tiere hauptsächlich aus Österreich und Deutschland. Auf dieser Linie wird nun aufgebaut, wenn nötig werden die Stiere später ausgetauscht. «Das erste Ziel ist, dass der Betriebszweig selbsttragend wird, aber das geht sicher noch mehr als ein Jahr – es braucht also noch ‹Schnuuf›», erklärt Jürg Keller. Die meisten Kälber, die im Stall stehen, wollen Susanne Sommer und Jürg Keller noch nachziehen, um die Herde zu erweitern. Das erste Fleisch werden die beiden voraussichtlich erst gegen Ende Jahr, allenfalls erst 2023 vermarkten.

Geduldig warten auf den Slow Food

Angst haben, auf dem Fleisch sitzen zu bleiben, müssen die beiden Züchter nicht. Die Warteliste der künftigen Kundschaft ist bereits lang. «Mit der speziellen Rasse und dem ‹Slow-Food-Fleisch› sind wir sicher im Trend», ist Susanne Sommer überzeugt. Die Texas Longhorns werden im Winter fast ausschliesslich mit Heu und Luzerne gefüttert – im Sommer weiden sie an den Hängen rund um die Moosacker Ranch. Der Verzicht auf das Zufüttern von Kraftfutter bedeutet, dass die Rinder etwas länger brauchen, bis sie schlachtreif sind. Der entsprechende Aufwand soll später über einen etwas höheren Fleischpreis abgegolten werden. «Dafür werden unsere Kunden in den Genuss von qualitativ hochwertigem und besonders magerem und cholesterinarmem Fleisch kommen», verspricht Susanne Sommer.

Wilder Westen fürs Wohnzimmer

Nebst ihrem Angebot an Qualitätsfleisch wollen Susanne Sommer und Jürg Keller Texas-Fans zusätzlich mit Fanartikeln ansprechen: Hörner und Felle sollen dereinst als Blickfang deren Stuben zieren. «Die Rasse wäre sicher auch interessant für Betriebe, die etwas in Richtung Erlebnishof machen wollen», sagt Susanne Sommer. «Für uns haben wir diese Idee allerdings nie verfolgt, auch wenn wir unsere Texas Longhorns sehr gerne zeigen.»

Vorerst wird das noch junge Unternehmen als Nebenerwerb aufgebaut. Sollte es sich aber bewähren, darf laut dem engagnierten Betriebsleiterpaar auf der Moosacker Ranch gerne auch noch mehr Texas Einzug halten. 

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