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Betriebsführung

Was ist wirtschaftlich im Berggebiet?

Für acht grünlandbasierte Betriebstypen im Berggebiet wird die Wirtschaftlichkeit analysiert. Während die Ergebnisse für die Milch sehr unterschiedlich ausfallen, schneidet die Produktion von Ziegenmilch gut ab. Die Einkommen der Mutterkuhhaltungsbetriebe liegen auf einem deutlich tieferen Niveau.

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Berater Agroscope

Die Wirtschaftlichkeit der Berglandwirtschaft ist von besonderem Interesse, da die multifunktionalen Leistungen, insbesondere die Bewirtschaftung des Grünlands, viel Aufwand bedeuten. Diese werden jedoch mit einem vergleichsweise tiefen Einkommen entschädigt, obwohl namhafte Direktzahlungen ausgerichtet werden.

Acht Betriebstypen wirtschaftlich analysiert

Basierend auf Referenzbetrieben der Zentralen Auswertung (Jahre 2013 – 2014) hat Agroscope acht Betriebsgruppen analysiert. Diese basieren auf den Buchhaltungsergebnissen von total 345 Bergbetrieben aus den Bergzonen II – IV, die hauptsächlich Milch und Fleisch auf Basis von Grünland produzieren. Aufgrund von Experten- und Erfahrungswissen wurden die Betriebsgruppen zu häufig vorkommenden oder repräsentativen Betrieben typisiert, die dann im neuen Kostenanalyse-Tool «AgriPerform» (www.agriperform.ch) genauer betrachtet wurden. In der vorliegenden Analyse wird auf die wichtigsten Produktionsausrichtungen eingegangen, die für die Bewirtschaftung des Grünlands relevant sind. Tabelle 1 zeigt, dass es sich um vier unterschiedliche Ausprägungen von Kuhmilch-Betrieben handelt. Dazu wurde ein Ziegenmilchbetrieb, ein Kälbermästerbetrieb und zwei Mutterkuhhaltungsbetriebe untersucht. Die Betriebe haben neben unterschiedlichen (Neben-)Betriebszweigen auch unterschiedliche Produktionsformen (ÖLN, Bio) und Flächengrössen.

Spezialitäten und Grösse führen zum Erfolg

In Tabelle 2 sind die wichtigsten Ergebnisse dargestellt. Um die unterschiedlichen Betriebsgrössen zu berücksichtigen, sind die Ergebnisse mehrheitlich je Hektare Landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. Die so erzielten höchsten Einkommen erreichen die Betriebstypen Ziegenmilch in Kombination mit Kalbfleisch und der grössere Biomilch-Betrieb. Mit Fr. 2285.– bzw. Fr. 2116.– je ha liegen diese Ergebnisse deutlich höher als diejenigen der Mutterkuhbetriebe. Der Anteil der Direktzahlungen am Gesamterlös liegt bei den Mutterkuhbetrieben entsprechend höher, was sie weniger anfällig für Preisschwankungen macht. Das Verhältnis des landwirtschaftlichen Einkommens zum Nebeneinkommen (LE zu NE, absolut berechnet) zeigt die Bedeutung der Landwirtschaft für das Gesamteinkommen. Diese ist bei den grösseren Milchviehbetrieben besonders gross mit einem bis zu viermal höheren landwirtschaftlichen Einkommen als das Nebeneinkommen.

Grosse Unterschiede in der Arbeitsverwertung

Vier der acht untersuchten Betriebstypen führen die Kuhmilchproduktion als Hauptbetriebszweig (Tabelle 3, oben). Die Arbeitsverwertung liegt zwischen Fr. 10.– (Milch ÖLN) und Fr. 20.– (Milch Gross Bio). Ebenfalls erfreulich ist die Arbeitsverwertung in der Ziegenmilchproduktion mit Fr. 17.–. Ein auffällig tiefes Ergebnis hinsichtlich Arbeitsverwertung erzielen schliesslich die Kälbermast bzw. die Milchviehhalter ohne Verkehrsmilchablieferung. Die beste Flächenverwertung erreicht der Bio-Kuhmilch-Betrieb mit Fr. 2280.– je Hektar Hauptfutterfläche. Erstaunlich ist die Höhe der Milchpreise, die beim häufig verbreiteten Betriebstyp (Milch ÖLN) sogar unterhalb des gesamtschweizerischen Durchschnittspreises der Jahre 2013 und 2014 lag (67.3 Rappen gemäss Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft). Einzig die BioMilchbetriebe liegen deutlich darüber. Gerade im Berggebiet wäre es wichtig, über Spezialitäten (Bio, Käseproduktion) eine höhere Wertschöpfung zu generieren. Die übrigen Betriebszweige (Tabelle 3, unten) treten einerseits als Hauptbetriebszweig (Mutterkühe, Ziegenmilchproduktion und Kälbermast) oder als Nebenbetriebszweig (Lämmerproduktion und Kälbermast) auf. Beim Hektar-Einkommen erreicht die Ziegenmilchproduktion mit Fr. 2667.– von allen Betrieben das beste Ergebnis, während die extensive Fleischproduktion mit Mutterkühen und Schafen deutlich tiefer liegt.

Strategien und Perspektiven

Die häufig verbreitete Milchproduktion mit vergleichsweise geringem Mehrwert muss langfristig hinterfragt werden, da es im Berggebiet nicht an Wertschöpfungspotenzialen mangelt. Unter diesen Gegebenheiten und den vorliegenden Berechnungen werden drei wahrscheinliche Strategien unterschieden, die aus ökonomischer Sicht unter den gegenwärtigen Bedingungen erfolgversprechend sein können:

Flächenwachstum und Extensivierung in der Milchproduktion (Milch Gross) – hier werden die Grösseneffekte klar sichtbar. Die Strategie dürfte oft nur über vermehrte Kooperationen zwischen Einzelbetrieben realisierbar sein.

B Nischen- und Qualitätsproduktion auf Raufutterbasis (Kuhmilch Bio, Ziegenmilch) – hier werden nachgefragte Produkte produziert, die mit entsprechend höheren Preisen entschädigt werden. Weitere Beispiele wären Schafmilchproduktion, Beeren- und Kräuteranbau.

Extensivierung (Mutterkuhhaltung Bio oder ÖLN, Mutterschafhaltung) – die bewirtschafteten Flächen müssten für einen Haupterwerbsbetrieb deutlich grösser sein. Vorteilhaft wäre eine Kombination mit Strategie B (Beispiel Lammfleischproduktion mit einem gegenwärtigen Inlandanteil von nur 37 Prozent).

Der Standort mit seiner geografischen und klimatischen Lage, seiner wirtschaftlichen Verflechtung mit der übrigen Wirtschaft und mit dem Infrastrukturausbau stellt ein wichtiges Kriterium für die Wahl der Betriebsstrategie dar. Längerfristig von Bedeutung ist ebenso die gesellschaftliche Akzeptanz beziehungsweise die Zahlungsbereitschaft der Stimmbevölkerung. Grundsätzlich dürfte diese Akzeptanz am ehesten gegeben sein, wenn die Berglandwirtschaft eine standortangepasste und damit auch ressourcenschonende Produktionsstrategie verfolgt. 

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