Landtechnik

Einarbeiten der Gülle vermeidet Ammoniakverluste

Stickstoff ist für Grünland und für alle Ackerkulturen ein wichtiger Nährstoff. Beim Bewirtschaften des Hofdüngers können zum Teil hohe Stickstoffverluste entstehen. Zusätzlich zu den externen Klima- und Bodenfaktoren reduziert eine geeignete Ausbringtechnik die Emissionen und Verluste.

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Redaktor, UFA-Revue

Beim Lagern und Ausbringen von Hofdünger in Form von Gülle ist die Gefahr von Ammoniakverlusten sehr gross. Bei Rinder- oder Schweinemist hingegen bleiben diese Verluste eher gering. Zudem entsteht fast die Hälfte der Verluste während des Ausbringens. Auch externe Faktoren beeinflussen die Stickstoffmenge, die den Pflanzen am Ende noch zur Verfügung steht.

Verluste senken

Wenn Gülle ungeschützt der Luft ausgesetzt ist, hohe Temperaturen und eine geringe relative Luftfeuchtigkeit herrschen, erhöhen sich die Ammoniakverluste. Gülle mit einem hohen Trockensubstanzgehalt versickert tendenziell langsamer im Boden. Daher ist eine verdünnte Gülle in Grünland zu bevorzugen. In Ackerkulturen wird das gleichzeitige Einarbeiten empfohlen. Zahlreiche Versuche in verschiedenen Ländern haben gezeigt, dass beim Ausbringen die Verluste erheblich gesenkt werden können, wenn ein Schleppschlauchverteiler verwendet und / oder die Gülle gleichzeitig eingearbeitet wird.

Schleppschlauch

Der Schleppschlauch ist das am weitesten verbreitete Ausbringungssystem. Mit den Schläuchen wird die Gülle in einem Abstand von 20 bis 40 cm ausgebracht. Gülle ist kein Problem, da sie relativ rasch in den Bode einsickert. Dickflüssige Gülle hingegen verbleibt länger an der Bodenoberfläche. Das Futter kann dann verschmutzt und von den Tieren abgelehnt werden.

Der Hersteller Fliegl hat die neue Y-förmige Twin-Düse entwickelt, die am Schlauchende angebracht wird. Die zweigeteilten Schleppschuhdüsen splitten den Güllefluss, wodurch sich die abgelegten Güllebänder verdoppeln. Die ausgebrachte Güllemenge pro Hektare bleibt aber gleich. «Die Twin-Düse reduziert die Verschmutzung des Futters und sorgt für ein besseres Eindringen der Gülle in den Boden», informiert der Hersteller. Der Schleppschlauch ist ein einfaches System und ermöglicht eine grosse Arbeitsbreite.

So werden die Verluste gesenkt

  • Bei kühler Witterung und / oder bedecktem Himmel ausbringen 
  • Gülle homogenisieren 
  • Gülle verdünnen 
  • Gülle auf aufnahmefähige Böden ausbringen 
  • Dünger direkt einarbeiten 
  • Das Ausbringen der Gülle zeitlich planen (Frühjahr / Sommer, Grünland / Kulturen) 
  • Geeignete Geräte wie Schleppschlauch, Scharen oder Scheiben wählen

Gülle einarbeiten

Die wirksamste technische Massnahme, um Emissionen bei der Ausbringung zu senken, ist das Einarbeiten der Gülle. Ein Rückgang der Verluste kann im besten Fall bis zu 90 Prozent betragen. Die Hersteller von Ausbringgeräten empfehlen den Einsatz von Gülleinjektoren. Mit diesen Scheibensystemen kann auch bei trockenen Bedingungen vor Regenbeginn gute Arbeit geleistet werden. Diese Geräte, die auf einem Tank, einem selbstfahrenden Fahrzeug oder einem mit einer Schlauchrolle ausgestatteten Traktor anzubringen sind, weisen je nach Hersteller Breiten von bis zu zwölf Metern auf. Die Tiefenkontrolle erfolgt entweder durch Stützräder, durch eine Pendeleinrichtung mit einzeln aufgehängten Elementen oder durch ein elektronisches Gerät. Die meisten Hersteller empfehlen den Einsatz von Gülleinjektoren mit Scheibensystem. Vredo hat ein Zweischeibensystem im Angebot. «Die Gülle wird durch Streudüsen, die zwischen den Scheiben installiert sind, in die Furche ausgebracht. Zwei selbstschärfende V-förmig gelagerte Scheiben schneiden einen V-förmigen Schlitz in den Boden. Dadurch ist der Leistungsbedarf geringer und der Kraftstoffverbrauch weniger hoch», erklärt der Hersteller weiter.

Zusätzliche Ausstattung

Eine schonende Bodennutzung ist ein wesentlicher Faktor, der besonders zu berücksichtigen ist. Ein Güllefass kann ein erhebliches Gewicht aufweisen und zu einer unerwünschten Verdichtung des Bodens führen. Deshalb ist es wichtig, ein mehrachsiges Fahrzeug mit breiten Reifen einzusetzen. Eine Düngung per Schlauch, wobei das Güllefass am Feldrand bleibt, ist besonders bodenschonend. Selbstfahrende Fahrzeuge sind mit einer Hundeganglenkung ausgestattet, bei der eine Verschiebung der hinteren Spur möglich ist, um nicht in der Vorderradspur zu fahren. Einige Güllefässer sind mit dem Hundegang-Lenkungsmodus ausgestattet. Das Modell Twist Line von Fliegl zum Beispiel verfügt über eine Schwenkachse, die das Fahrzeug seitlich bewegt.

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Hundegangmodus: Die Hinterachse wird seitlich verschoben. 

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Gülle ist auch im Ackerbau ein wichtiges Düngemittel. 

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Während den ersten Stunden nach dem Ausbringen sind die höchsten  Verluste zu verzeichnen. 

Nutzen und Gesetzgebung

Die Reduktion von Stickstoffverlusten bringt viele Vorteile: Den Pflanzen steht mehr Stickstoff zur Verfügung und die Verflüchtigung umweltschädlicher Stoffe ist geringer. Dadurch können auch die Mineraldüngergaben reduziert werden. Dank dem mechanischen Einarbeiten der Gülle sind die Pflanzen weniger verschmutzt. Um eine gute Aufnahme der Gülle zu sichern, ist es wichtig, Bodenverdichtungen zu vermeiden.

Zu beachten ist weiter, dass ab dem 1. Januar 2022 gemäss den neuen Bestimmungen zur Güllebewirtschaftung in der Luftrein-halte-Verordnung (LRV) «Gülle – wo topographisch möglich – mit Schleppschlauchverteilern und nicht mehr mit Pralltellern auszubringen ist». Seit mehreren Jahren werden im Rahmen der Direktzahlungsverordnung emissionsmindernde Ausbringverfahren gefördert. 

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