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Landtechnik

Bodenverdichtungen vermeiden statt beheben

Verdichtungen im Unterboden sind meist die Folge von Überfahrten mit hohen Radlasten. Am Anfang einer gezielten Lockerung steht die Spatenprobe. Nach der Lockerung sollte das Feld für möglichst lange Zeit nicht mehr befahren werden.

Untergrundlockerung in einer Kunstwiese mit einem Gerät mit geraden Zinken.

Untergrundlockerung in einer Kunstwiese mit einem Gerät mit geraden Zinken.

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Ein gut strukturiertes und durchlässiges Bodenprofil ist zentral für die ungehinderte Entwicklung der Pflanzenwurzeln und somit auch für die Pflanzenproduktion. Störungen der Bodenstruktur oder genauer der Bodenporen zeigen sich beispielsweise durch stehendes Wasser nach Niederschlägen, verringertes Wachstum respektive Aufhellungen der Pflanzen oder dadurch, dass Zeigerpflanzen wie Schachtelhalm auftreten. Grundsätzlich wird zwischen Verdichtungen innerhalb des Bearbeitungshorizontes, Pflugsohlen und Verdichtungen unterhalb des Bearbeitungshorizontes unterschieden. Die ersten beiden Phänomene können mit einer Änderung der Bewirtschaftung und der Anbautechnik vermindert werden.

Spatenprobe als erster Schritt

Verdichtungen in tieferen Bodenschichten sind in der Regel die Folge des Befahrens mit schweren Maschinen. Ungünstige Bodenverhältnisse (Feuchtigkeit und / oder hoher Tonanteil) verschärfen hierbei die Problematik zusätzlich. Eine Spatenprobe zeigt das Ausmass und den Ort der Verdichtungen und gibt Hinweise, wie diese zu lösen sind. Solange Wurzeln die verdichtete Schicht durchdringen, ist eine mechanische Lockerung oft nicht nötig.

Mechanische Lockerung der Ver dichtungen

Wird eine mechanische Lockerung durchgeführt, tragen folgende Faktoren zum langfristigen Erfolg dieser Massnahme bei:

– Nur dort lockern, wo Verdichtungen sind: Arbeit auf Teilflächen oder nur in Fahrgassen vorsehen.  – Lockern und nicht mischen: Die Struktur und die Schichtung müssen erhalten bleiben.  – Lockerung nur bei trockenen Bedingungen, sonst verursachen die Lockerungswerkzeuge Schmierschichten.  – Der Unterboden muss möglichst rasch wieder stabilisiert werden. Dies geschieht am besten mit lebenden Wurzeln. Ideal ist also eine Lockerung in einem bestehenden Pflanzenbestand oder die Ansaat einer Folgekultur / Gründüngung unmittelbar vorher oder direkt mit dem Lockerungsgerät. Kreuzblütler, Luzerne, Kunstwiese allgemein oder Wintergetreide sind geeignet.  – Achtung: Nach der Lockerung sind die Felder anfällig für noch grössere Verdichtungen («Strassenbau-Effekt»: Vor dem Verdichten der Fahrbahn wird intensiv gelockert). Sie sollten möglichst lange nicht mehr befahren werden.

Maschinen und Ausrüstungen

Bei den Geräten zur Untergrundlockerung wird zwischen geraden und gekrümmten (Typ Parapflug oder «Dent Michel») Zinken unterschieden. Letztere haben einen geringeren Zugkraftbedarf als gerade Zinken, neigen aber bei der Arbeit in feuchten Bedingungen zu Schmierschichten. Bei geraden Zinken können oft unterschiedliche Scharen montiert werden, die den Boden mehr oder weniger intensiv lockern und anheben. Das Spektrum der Maschinen reicht von einfachen Geräten ohne Steinsicherung und vor-/nachlaufenden Elementen bis hin zu Maschinen mit aufwendigen Zusatzausrüstungen. Dazu gehören vorauslaufende Schneidscheiben für den verstopfungsfreien Einsatz in bestehenden Pflanzenbeständen / Grünland, automatische Steinsicherungen, separate Tiefenführung, Nachläufer sowie aufgebaute Sämaschinen oder Applikatoren für flüssige Hilfsstoffe. Bei einer Sanierung muss nicht über die gesamte Arbeitsbreite gelockert werden. Unbearbeitete Streifen zwischen den Zinken beschleunigen die Regeneration und Stabilisierung und tragen zur Reduktion des Zugkraftbedarfs bei. Der Vollständigkeit halber seien auch noch zapfwellen getriebene Pendel- und Rotorspatenmaschinen erwähnt, wobei gerade bei Letzteren der Boden über das gesamte Profil intensiv bearbeitet wird.

Stabiler Unterboden

Die Behebung von Verdichtungen mit einem Tiefenlockerer und vor allem die nachfolgende Stabilisierung der Bodenstruktur benötigen viel Zeit. Wird der Untergrundlockerer regelmässig eingesetzt, entsteht nebst unnötigen Maschinen- und Arbeitskosten ein dauerhaft instabiles Bodengefüge, was längerfristig zu einer Reduktion der Ertragsleistung führt. Eine gezielte und einmalige Untergrundlockerung kann Sinn machen, sollte jedoch nicht Teil der Standardbewirtschaftung werden.

Radlast beachten

Verdichtungen im Unterboden könnten oft vermieden werden. Die Gewichte von bestehenden Landmaschinen lassen sich nicht verringern. Überlegungen, ob es für einen bestimmten Einsatz nicht Alternativen mit weniger Radlast gäbe, sind aber zielführend. Auch das Wetter lässt sich nicht beeinflussen. Überfahrten bei nassen Bedingungen können mit organisatorischen Massnahmen auf ein Minimum reduziert werden. Beim Befahren der Felder sollte es mittlerweile selbstverständlich sein, dies mit grosser Bereifung oder Zwillingsbereifung und möglichst niedrigem Reifendruck zu tun. Auf der Internetplattform «Terranimo» (https://ch.terranimo.world) können der Druckverlauf im Bodenprofil unter unterschiedlichen Bedingungen sowie das Verdichtungspotenzial durch die angewandte Technik sichtbar gemacht werden. Ebenso hilft ein permanent gut durchwurzelter Boden wie auf Grünland oder in konservierenden Anbausystemen, Belastungsspitzen zu entschärfen. 

Co-Autoren

David Kilchenmann, Martin Häberli-Wyss  Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittel wissenschaften HAFL

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