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Landtechnik

Das Fahrzeug für jede Gelegenheit

Quads werden in zwei Hauptkategorien eingeteilt: Einerseits gibt es die mit einem Lenker ausgestatteten Maschinen, die hauptsächlich für die Personenbeförderung und leichtere Arbeiten eingesetzt werden. Andererseits findet man Fahrzeuge mit einem Steuerrad, die mit einer Ladebrücke ausgestattet sind. Wo und wie werden Quads am besten eingesetzt?

 SSV Kymco UXV 700

Für Material und Passagiere geeignet: der SSV Kymco UXV 700.

(Bild: Jean-Pierre Burri)

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Aktualisiert am

Redaktor, UFA-Revue

Auf einem Landwirtschaftsbetrieb muss oft Material transportiert werden. Meist sind auch relativ grosse Distanzen zurückzulegen, insbesondere auf Betrieben mit Viehhaltung. Zu Fuss ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, das Material für die Zäune zu transportieren. Mit einem Traktor ist es durch das erforderlich Aus- und Einsteigen unpraktisch und mit dem Auto erst recht, da es häufig nicht geländegängig ist. Ein Quad bietet die Möglichkeit für einen Einsatz auf der Strasse, im Gelände oder für leichte Arbeiten. Ein weiterer Vorteil des Quads ist, dass er den Boden nicht verdichtet.

Was ist ein Quad?

Offiziell ist ein Quad ein vierrädriges Motorfahrzeug, für das bis zu einem Fahrzeuggewicht von 550 kg ein Führerschein der Kategorie B1 erforderlich ist. Die Leistung ist ebenfalls begrenzt und darf 15 kW nicht übersteigen. Das gleiche gilt für die Maximalgeschwindigkeit. Diese Kriterien sind klar in der Zulassungsgenehmigung aufgeführt. Im Handel findet man verschiedene Quad-Modelle. Es gibt Sport- oder Freizeitgeräte: Diese Modelle sind leicht und wiegen kaum mehr als hundert Kilo. Sie sind mit einem Motorradmotor ausgestattet und haben keine Ladefläche. In der Kategorie der Nutzfahrzeuge gibt es Quads mit Ladefläche (Gepäckträger) und einem Motor mit Variomatikgetriebe, die ein Gewicht von bis zu 350 kg aufweisen. Die sogenannten Side-by-Side Fahrzeuge (SSV) stellen die dritte Kategorie dar. Für diesen Fahrzeugtyp setzen die Hersteller alle Mittel ein, um die Gewichtsgrenze von 550 kg Leergewicht nicht zu überschreiten. Wird dieses Limit überschritten, gehört das Fahrzeug zur Kategorie Pkw und erfordert ABS sowie Sicherheitsgurte.

«Der Quad ist hauptsächlich ein Fahrzeug, um sich fortzubewegen. Er ist ideal für das Ausbringen von Schneckenkorn oder zum Ziehen eines kleinen Anhängers. Er hat kein Dreipunktgestänge für grosse Maschinen», erklärt Laurent Amiet, Geschäftsleiter von Liberty motos in Sévaz und Yverdon.

Der Quad in der Praxis

Auf einem Milchwirtschaftsbetrieb im Greyerzerland fiel der Entscheid für einen Quad bereits vor einigen Jahren. Der Betrieb, der auf 1000 m ü.M. liegt, umfasst 65 ha natürliches Weideland und 15 ha für die Sömmerung. Die Tiere sind in drei weit auseinanderliegenden Stallgebäuden untergebracht. Der Betrieb verfügt über drei Quads mit entsprechender Ausstattung. Heu- oder andere Arbeiten, die einen Traktor erfordern, lagert der Betrieb einem Lohnunternehmer aus.

Die drei Quads der Marke Can-Am mit Vario-Getriebe werden ihrer Ausstattung entsprechend für spezifische Arbeiten eingesetzt. Das Modell Can-Am Outlander XT 6x6 1000 cm 3 ist mit einem grünen Nummernschild zugelassen und hat eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h, damit es auch die Lehrlinge auf dem Betrieb fahren dürfen. Es handelt sich um ein 6-Rad-Modell mit grossem Hubraum und V-Twin Benzinmotor. Der Quad hat einen 4 x 6- und 6 x 6-Antrieb. Auf dem vorderen Gepäckträger kann er Lasten von 45 kg und auf der hinteren Ladebühne Lasten von 318 kg transportieren. Die Zuglast beträgt maximal 750 kg. Auf der Ladebühne dürfen keine Personen transportiert werden und es besteht Helmtragpflicht. Dieser Quad wird auf dem Betrieb am häufigsten eingesetzt. Er wird zum Erledigen von Zaunarbeiten und zum Heimtreiben der Kühe von der Weide verwendet. Durch die Kupplungskugel ist der Can-Am Outlander XT 6x6 1000 auch für den Transport der Milch für die Zuchtkälber geeignet, die in einem anderen Stallgebäude untergebracht sind. Das Fahrzeug steht pro Jahr im Durchschnitt rund 260 Stunden im Einsatz.

Der zweite Quad, ein Can-Am Outlander XT 650 cm 3 , wird im Wesentlichen für die gleichen Arbeiten wie der erste Quad verwendet. Er ist mit einem Schieber ausgestattet und kann für die Futterverteilung und zum Reinigen der Futterkrippen verwendet werden. Im Winter leistet er auf dem Betrieb gute Dienste als Schneeräumungsgerät. Dieser Quad ist mit dem dritten – einem Can-Am Commander – unter einer Wechselnummer eingelöst.

Beim Can-Am Commander handelt es sich um ein SSV Fahrzeug mit Überrollbügel, Dach und einer Frontscheibe. Als Basisversion hat dieser Quad ein Gewicht von 600 kg, kann 270 kg laden und hat eine Zugleistung von 680 kg. Dieses Fahrzeug lenkt sich eher wie ein Auto und ist mit einem Steuerrad ausgestattet. Die Sitzbank bietet zwei Personen Platz, daher auch der Name «side by side». Der Quad ist hinten mit einer Kippladebrücke ausgestattet und dient im Winter zum Salzen und Schneeräumen. Mit einem Spezialanhänger kann zudem ein Mäher transportiert werden. Dieser Quad wird rund 100 bis 150 Stunden pro Jahr auf dem Betrieb eingesetzt. Raphaël Gendre, der Betriebsangestellte, schätzt die jährlichen Unterhaltskosten auf etwa CHF 3000 pro Quad.

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Can-Am Outlander XT 6 x 6 1000 mit grünem Nummernschild.

(Bild: Jean-Pierre Burri)
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Auf dem Gepäckträger kann ein Streugerät montiert werden.

(Bild: Jean-Pierre Burri)
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Mit der rechten Hand werden der 4x4 Antrieb und die Geschwindigkeit bedient.

(Bild: Jean-Pierre Burri)

Sicherheit

Es besteht das Risiko, dass sich ein Quad überschlägt. Die beiden ersten beschriebenen Quads haben eine Doppelbereifung. «Dadurch ist eine bessere Stabilität auf steilem Gelände oder auch bei Manövern auf festem Boden gewährleistet. Denn diese Maschinen beschleunigen extrem schnell», unterstreicht Raphaël Gendre. Die Quads vom Typ SSV sind stabiler und deutlich weniger kippgefährdet. Vom Fahrverhalten her sind sie eher mit herkömmlichen Fahrzeugen mit Automatikgetriebe vergleichbar.

Andere Marken

Viele Hersteller haben Quad-Modelle in leichter und sportlicher Ausführung, als Arbeitsfahrzeuge mit Gepäckträger und als SSV-Fahrzeugen mit einer Ladebrücke im Angebot. Modelle mit Dieselmotor sind seltener anzutreffen, vor allem aus Gewichtsgründen und den damit einhergehenden Versicherungs- und Führerausweiskategorien.

Elektro-Fahrzeuge sind ebenfalls erhältlich. Das Modell Express Work der Firma HDK verfügt zum Beispiel über eine Autonomie von 50 km und erreicht 40 km/h. Es ist mit einer Aluminium Ladebühne ausgestattet – allerdings ohne Allradantrieb.

Die Marke Kymco hat bei den SSV-Modellen drei Maschinen mit 450, 500 und 700 cm 3 im Angebot. Jean-Daniel Krebs, Schafzüchter aus Fiez im Kanton Waadt, sieht mehrere Vorteile, die dieses Transportmittel bietet. «Die Möglichkeit, einen Passagier mitzunehmen und Material für den Zaununterhalt, aber auch das Futter für meine Schafe zu transportieren, ist ein grosses Plus des SSV», erklärt er. Seine zwei SSV-Fahrzeuge werden für die Freizeit, für die Fahrt zur Arbeit und für Familienausflüge genutzt.

Ausstattung

Bei den Nutzfahrzeug-Quads hat die Marke Kymco Modelle von 50 bis 700 cm 3 mit einer Leistung von 3 bis 14.9 kW im Angebot. Sie sind mit einem Einzylinder-Benzinmotor mit einem Vario-Getriebe und die leistungsstärksten Modelle mit einer Einzelradaufhängung für alle vier Räder ausgestattet. Mit Ausnahme der 50 cm 3 Modelle, die mit einem Zweitaktmotor fahren und ein Luftkühlsystem haben, sind alle mit einem Viertaktmotor ausgestattet. Sie haben serienmässig vorne und hinten einen Gepäckträger und können mit einem Streugerät ergänzt werden, um beispielsweise Schneckenkörner auszubringen. Ein Stecker für landwirtschaftliche Fahrzeuge (Typ Cobo) ist einfach einzubauen.

Der Markt bietet eine sehr vielfältige Auswahl an Quads an. Im oberen Preissegment sind die Modelle ausgefeilter und verfügen beispielsweise über eine Servolenkung. In der Kategorie mit mittlerem Hubraum reicht die Leistung aus, um die zugelassenen Höchstlasten zu laden und die laufenden Arbeiten auszuführen.

In Bezug auf Gewichtslimite und Leistungsgrenzen muss man daher genau wissen, für welche Versiche-rungs- und Führerausweiskategorie das Fahrzeug zugelassen ist. Weiter sollte klar sein, ob ein SSV-Modell mit einer Ladebrücke und Platz für eine zweite Person benötigt wird. 

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