Ostschweizer Rindviehmäster liessen sich informieren

An der ordentlichen Generalversammlung von SwissBeef Region Ost in Zürich zog die Veterinärin Dagmar Heim eine erste Bilanz über Antibiotikadatenbank. Martin Kaske präsentierte Resultate vom Kälbergesundheitsdienst.

Dagmar Heim zeigte sich erfreut, dass der Antibiotika-Verbrauch in der Nutztierhaltung sinkt.

Dagmar Heim zeigte sich erfreut, dass der Antibiotika-Verbrauch in der Nutztierhaltung sinkt.

(Bild: Roland Müller)

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Seit vier Jahren gilt das Obligatorium für die Eingabe aller Antibiotikaverschreibungen durch die Tierärzte. Bereits zum Start dieser Antibiotikadatenbank war die Veterinärin Dagmar Heim als Referentin bei den Rindfleischproduzenten zu Gast. Sie leitet den Fachbereich Tierarzneimittel – Antibiotika im Bundesamt für Lebensmittelsicherheit- und Veterinärwesen (BLV) in Bern. Jetzt zog sie eine erste Bilanz aus diesen Massnahmen. Diese ist im Gesamtbild durchaus erfreulich, weil der Gesamteinsatz massiv gesunken ist. So nimmt zugleich der Vertrieb von besonders kritischen Antibiotika ebenfalls massiv ab. «Ziel dieser Datenbank ist es, Informationen zu Behandlungsmustern und Ansatzpunkten zur Reduktion zu sammeln», führte Heim aus. Es lässt sich nun deutlicher festlegen, bei welchen Tierarten und Nutzungskategorien am häufigsten und aus welchen Gründen Antibiotika eingesetzt werden. Zusammen mit weiteren erfassten Parametern ergibt dies eine Basis, welche die Probleme erkennen lässt. «Diese wiederum erlaubt eine gezielte Information, Forschung und erlaubt Massnahmen», sagte Heim. Grundsätzlich zeigt sich, dass im Zeitabschnitt vom 1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2021 insgesamt 3 Millionen Antibiotika-Verschreibungen erfasst worden sind. Dabei entfallen beachtliche 1,2 Mio. auf Heimtiere und 1,8 Mio. auf Nutztiere. Am meisten Tierbehandlungen sind wegen Atemwegserkrankungen (ca. 375‘000) sowie Mastitis und anderen Euter- oder Gesäugekrankheiten (ca. 210‘000) verzeichnet worden. Es zeigt sich, dass nur etwa fünf Prozent aller Betriebe als Vielverbraucher erkannt worden sind. «Bei diesen müssen nun das Bewusstsein für den Einsatz erhöht werden, die Ursachen ermittelt und konkrete Massnahmen umgesetzt werden», sagte Heim. «Das Bewusstsein bei den Tierhaltenden und der Tierärzteschaft ist hoch. Der Antibiotika-Verbrauch bei Tieren sinkt und spezifische Informationen sind verfügbar», sagte Heim in ihrem Schlussfazit. Mit den vorhandenen Analysen können zudem gezielt Massnahmen im Bereich der Beratung, Information, Forschung und weiteren Bereichen getroffen werden, um den Antibiotika-Einsatz weiter zu senken. Sie verwies dabei auf die vielen Forschungsresultate und Instrumente, welche ebenfalls zur Verbesserung des sachgemässen Einsatzes und für Präventionsmassnahmen zur Verfügung stehen. Zuletzt forderte Heim aber auch finanzielle Anreizsysteme, möglicherweise in der AP22+, um weitere Verbesserungen zu erreichen.

Kälbergesundheit hängt von vielen Faktoren ab 

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Martin Kaske forderte im Bereich der Kälbergesundheit eine grössere Schlagkraft in der Breite.

(Bild: Roland Müller)

In der Rindermast spielt die Kälbergesundheit, insbesondere nach dem Einstallen eine zentrale Rolle. «Die Umstallung schlägt den Kälbern auf den Darm», rief der Veterinär Martin Kaske den Rindermästern in Erinnerung. Die besten Grundlagen müssen aber auf dem Geburtsbetrieb mit einer schonenden Geburt, einer guten Kolostrumversorgung und verbesserter Aufzucht erfolgen, damit eine hohe Abwehrbereitschaft aufgebaut werden kann. Ein kurzer schonender Transport, günstige Bedingungen im Mastbetrieb und optimiertes Behandlungsschemata sind weitere sehr wichtige Bereiche. Einen wesentlichen Einfluss auf die Kälbergesundheit sieht Kaske in der Durchlüftung der Ställe: «Eine hohe Luftaustauschrate bei niedriger Luftgeschwindigkeit ist wichtig, Zugluft ist zu vermeiden und die zugeführte Luft muss wirklich Frischluftqualität haben.» Zugleich sieht er in einer späteren Umstallungszeit der Tränker mit der Verminderung der Belastung und einer speziellen Fütterung in den ersten zwei Wochen auf dem Mastbetrieb Möglichkeiten, wie die Situation verbessert werden kann. Dabei kann durchaus auch «Schonkost» eingesetzt und auf den Aufbau eines physiologischen Mikrobioms gesetzt werden.

Abschliessend zeigte sich Kaske überzeugt, dass es nicht nur eine Lösung gibt. Spezifische Ansätze sind entsprechend nötig und auch die Branche sowie der Detailhandel müssen als Partner einbezogen werden. «Die bäuerliche Kälbermast stirbt und der Markt wird es nicht richten», zeigte sich Kaske überzeugt. Er sprach dabei mit Blick auf Produzenten, Branche und Detailhandel von einer grösseren Schlagkraft in der Breite. Zugleich war er mit Dagmar Heim einig, dass die Produzenten für weniger Antibiotika einen finanziellen Gegenwert bekommen sollten. 

Text: Roland Müller

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