category icon
Nutztiere

Das Huhn für beide Zwecke

Seit 2026 verzichtet Bio Suisse vollständig auf das Kükentöten. Ein Lösungsansatz sind Zweinutzungshybriden wie das Lohmann Dual. Hennen liefern Eier, Hähne Fleisch und beide sind in das bestehende Produktions- und Vermarktungssystem integriert.

Das Lohmann Dual überzeugt durch ruhige Tiere, solide Legeleistungen und tiefen Futterverbrauch. 

Das Lohmann Dual überzeugt durch ruhige Tiere, solide Legeleistungen und tiefen Futterverbrauch. 

(Animalco AG)

Publiziert am

Redaktorin, UFA-Revue

Mit dem Entscheid von Bio Suisse, ab 2026 vollständig auf das Töten von Küken zu verzichten, hat sich in der Bio-Legehennenhaltung einiges verändert. Neben der Mast von Bruderhähnen aus Legehybriden setzen immer mehr Betriebe auch auf Zweinutzungshybriden wie das Lohmann Dual. Bei dieser Rasse werden die Hennen zur Eierproduktion genutzt und die Hähne gemästet, beide mit akzeptablen Leistungen.

Entstehung des Lohmann Dual

Die Zucht des Lohmann-Dual-Huhnes startete bereits 2014 in Zusammenarbeit zwischen der Zuchtorganisation Lohmann aus Deutschland, der Animalco AG, Bell Schweiz AG, Coop und der Ei AG. Ziel war eine Zuchtlinie, die sowohl eine solide Legeleistung als auch eine wirtschaftliche Mast ermöglicht. Dafür wurden Hennen einer Legehybrid-Linie (ähnlich der Lohmann Brown) mit Hähnen aus der Mastgenetik gekreuzt. Nach mehreren Generationen Zuchtarbeit befindet sich das Lohmann Dual inzwischen in der achten Generation. Besonderes Augenmerk lag stets auf folgenden Eigenschaften: Die eingesetzten Hähne müssen die Federsortierbarkeit vererben, sodass das Geschlecht der Küken direkt nach dem Schlupf erkannt wird. Zudem soll die Lohmann-Dual-Genetik Tageszunahmen von 24 bis 25 g erreichen. Da die Futteraufnahme bei den Legehennen nicht zu hoch sein soll, wird bei den Elterntierhähnen auf verzwergte Linien gesetzt. So wird sichergestellt, dass kein übermässig hoher Futterverzehr vererbt wird.

Anpassung an Schweizer Bedingungen

Dank dem engen Austausch mit Lohmann konnte die Genetik laufend an die Schweizer Bedingungen angepasst werden. Heute erreichen die männlichen Tiere mit Tageszunahmen von 24 bis 25 g und einer Mastdauer von 66 Tagen nur leicht tiefere Leistungen als Bio-Masthybriden. Auch die Legeleistung der Hennen ist mit einer Produktionsspitze von rund 88 bis 92 % akzeptabel. Im Vergleich zu den Legehybriden besteht bei der Persistenz allerdings noch Potenzial. Die Animalco AG importiert jährlich rund 2000 Dual-Elterntierküken aus Spanien, welche in der Schweiz auf einem speziellen Elterntierbetrieb gehalten werden. In der Bio-Brüterei Lindenberg in Schongau werden die Eier schliesslich ausgebrütet – mit derzeit 35 000 bis 40 000 Hennen entspricht das etwa zehn Prozent vom Bio-Legehennenbestand. Rund 17 Betriebe halten momentan das Lohmann-Dual-Huhn.

Das Lohmann Dual schliesst die Lücke zwischen Eierproduktion und Mast.

Aufzucht und Mast der Dual-Hähne

Die männlichen Tiere werden durch Bell Schweiz AG gemästet – derzeit noch im Versuchsstatus. «Die Hähne werden auf den Bio-Mastbetrieben genau gleich aufgezogen wie die normalen Bio-Mastpoulets, nämlich in einem Voraufzuchtstall sowie später in mobilen Ställen», erklärt Stephan Wolf, Leiter der Organisationseinheit Geflügel bei Bell. Der entscheidende Unterschied zur Bruderhahnaufzucht besteht darin, dass Bruderhähne aus Legelinien in Junghennenvolieren aufgezogen werden. Die Dual-Hähne erhalten dasselbe Futter wie Bio-Mastpoulets.

Vermarktung im gleichen Kanal

Für die ganze Produktionsplanung hat die Dual-Aufzucht einen Vorteil. «Wenn die Junghennenorganisation bei uns eine Herde Dual-Hennen bestellt, können wir dies bei Bell anmelden. Dort werden die Hähne auf einem der Mastbetriebe eingeplant – im Gegenzug reduziert Bell die Menge der ausgebrüteten Bio-Mastküken», erklärt Andreas Döbeli von Animalco. Bei Bruderhähnen der Legelinien sei diese Flexibilität nicht gegeben, da zusätzlich ein separater Aufzuchtstall frei sein müsse. Bei Bell können die Schlachtkörper wie gewohnt in den normalen Schlachtprozess integriert und zusammen mit den Bio- Poulets vermarktet werden – ein klarer Vorteil gegenüber den Bruderhähnen aus Legelinien. Finanziert wird das System über einen Aufschlag von Fr. 1.90 Franken pro Legeküken. Dieser Mehrpreis fliesst in den Eierverkauf zurück und wird so an die Konsumenten weitergegeben. Damit entwickelt sich das Lohmann Dual zu einer praxistauglichen Möglichkeit, die Anforderungen von Bio Suisse zu erfüllen und zugleich eine wirtschaftliche Eier- und Pouletproduktion sicherzustellen.

Aus der Praxis

Robuste Alternative mit ruhigem Wesen

Der Bio-Landwirt und UFA-Geflügelspezialist Kevin Häfliger aus Büron (LU) hält seit drei Umtrieben Dual-Hühner. Mit der Rasse ist Häfliger sehr zufrieden: Die Leistung liegt bei durchschnittlich rund 78 Prozent, während der Futterverzehr mit etwa 100 g pro Tier und Tag sogar tiefer ausfällt als bei den Legehybriden. «Die Dual-Hühner sind insgesamt sehr ruhige und ausgeglichene Tiere. Manchmal brauchen sie etwas Unterstützung beim Aufsuchen der Voliere, dafür zeigen sie sich aber robust und gut an die Haltungsbedingungen angepasst», erklärt Häfliger.

Lesen Sie auch

Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung
Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung

Testen Sie Ihr Wissen. Machen Sie mit am Agrar-Quiz der UFA-Revue. Die Fragen beziehen sich auf die Unkrautbekämpfung und Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung.

Zum Quiz

Meistgelesene Artikel